HSBC-Chefstratege David Bloom "Die Notenbanken missbrauchen ihre Währungen"

David Bloom, Chefstratege für Devisenhandel bei der britischen Bank HSBC, über die Aufwertung des Dollars - und warum daraus eine Gefahr für die Weltwirtschaft werden kann.

Das Gebäude der HSBC Bank in Genf. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche Online: Herr Bloom, Zentralbankentscheidungen werden immer mehr zu einem Instrument der Wirtschaftspolitik. Wie kommt das?
David Bloom: Die Welt befindet sich inmitten eines Kampfes zwischen Währungsräumen, die Probleme mit Deflation haben. Es ist eigentlich ein ausgewachsener Währungskrieg. Auf der einen Seite stehen die USA und auf der anderen Seite die Euro-Zone und Japan. Im Kern wollen letztere momentan eine schwächere Währung. Mit dem großangelegten Ankauf von Staats- und anderen Anleihen, wie es die EZB mit dem sogenannten „Quantitative Easing“ (QE) beschlossen hat, will sie den Euro weiter nach unten drücken. Das ist ein gängiges Rezept. Wenn in anderen Ländern QE gemacht wurde, ist das immer auf einen niedrigeren Wechselkurs hinausgelaufen.

David Bloom Quelle: Presse

Aber nicht jeder in der Euro-Zone hält eine schwächere Währung für richtig.
Es ist nicht von Belang, was andere wollen oder nicht wollen. Was zählt ist, was die EZB will. Und sie will eine schwächere Währung. Die Idee bei einer Währungsabwertung ist doch folgende: Wenn der Wechselkurs fällt, werden inländische Waren und Dienstleistungen im Ausland billiger. Infolgedessen gibt es einen Exportzuwachs, man gewinnt Marktanteile, die inländische Arbeitslosigkeit geht zurück und schließlich bekommt man Wachstum. Bei QE ist es anders. Es führt zwar zu einer schwächeren Währung, allerdings haben wir bei Japan in der Vergangenheit beobachten können, dass es dadurch eben zu keinem Exportzuwachs kommt. Im Gegenteil, durch den schwachen Wechselkurs konnte man das Geld einfach zurücktransferieren und so seine Gewinne steigern.

Der Kampf der EZB gegen die Krise

Wie beim Verfall des Yens.
Genau. Der Verfall des Yen von 90 auf 115 Yen pro Dollar hat nicht zu einer Absatzsteigerung japanischer Produkte im Ausland geführt, sondern trieb nur den Börsenindex Nikkei immer weiter hoch. Den gleichen Effekt können wir nun auch in der Euro-Zone beobachten. Der Wechselkurs fällt, aber trotzdem kommt es zu keinem Exportzuwachs, obwohl dies das eigentliche Ziel war. Nur Vermögenspreise wie Aktien und Immobilien gehen durch die Decke. Wenn Notenbanken also QE als Wachstumsturbo einsetzen wollen, stehen sie ein Jahr später wieder da, wo sie angefangen haben.

Welche Möglichkeit bleibt dann noch, um das Wirtschaftswachstum doch noch anzukurbeln?
Die japanische Antwort darauf lautet: immer mehr und mehr QE. Das ist es, was mich wirklich umtreibt. Wir sind in Sorge, dass Japan die Kontrolle über ihre Notenbankpolitik verlieren könnte. In dieser Hinsicht habe ich große Sympathien für die deutsche warnende Haltung in dieser Frage. Durch QE kann man nicht wirklich den Export steigern. Das geht nur durch Strukturreformen.

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