HSBC Gefährliche Kürzungen bei Europas größter Bank

Die HSBC rasiert so rigoros die Kosten, dass Anleger fürchten, das Wachstum bei Europas größter Bank könnte zu kurz kommen.

Stuart Gulliver Quelle: Getty Images afp fievet

Ob Stuart Gulliver insgeheim bangt? Nervosität ist dem 52-jährigen Chef der größten Bank in Europa, der HSBC Group, jedenfalls nicht anzumerken. Der Ausgang der Wahlen in Frankreich? Alles schon von den Märkten vorweggenommen. Das Chaos in Griechenland? Kein Problem, die Euro-Zone könne sogar den Austritt Griechenlands verkraften, ließ Gulliver unlängst sogar verlauten.

Den Glaubwürdigkeitstest für seine gewagten Thesen muss Gulliver am kommenden Donnerstag bestehen, wenn er Investoren aus aller Welt den Stand seines radikalen Konzernumbaus erläutern muss, der bis Ende 2013 Einsparungen von bis zu 3,5 Milliarden Dollar bringen soll. Nun, da etwa die Hälfte des ehrgeizigen Programms abgehakt ist, wollen die Investoren wissen, wie es weitergeht.

Vor allem dürften sich die Analysten für Asien interessieren, dem wichtigsten Standbein, und für Brasilien, wo das Volumen der faulen Kredite im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal überraschend um 83 Prozent auf 489 Millionen Dollar kletterte.

Schon fragt Alex Potter, Analyst bei der Hamburger Berenberg Bank, was wohl passiere, „wenn Gulliver mit dem Konzernumbau nur die Kosten senkt, ohne in Asien neue Wachstumsquellen zu finden“.

Grafik Aktien-Info HSBC

Tatsächlich scheint das einer der neuralgische Punkt bei HSBC zu sein. Denn aktuell steht die britische Großbank und Mutter der einstigen Düsseldorfer Privatbank Trinkaus & Burkhardt vor allem wegen ihres radikalen Personalabbaus und der Veräußerung von Geschäftsfeldern so blendend da. Das Institut war dank seines Asiengeschäftes relativ gut durch die Finanzkrise gekommen und musste keine Staatshilfe in Anspruch nehmen.

Wo Investmentbanker gehen müssen
Royal Bank of ScotlandDer Vorstandschef der staatlich kontrollierten britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) tritt ab. Stephen Hester werde seinen Posten zum Ende des Jahres räumen, teilte die Bank mit. „Der Verwaltungsrat ist der Meinung, dass ein ordentlicher Nachfolge-Prozess einem neuen Vorstandschef Zeit geben wird, den Privatisierungsprozess vorzubereiten und die Bank in die kommenden Jahre zu führen“, heißt es in einem Statement der RBS. Hester sei es nicht möglich gewesen, ein solches zeitlich unbegrenztes Bekenntnis abzugeben. Die Royal Bank of Scotland gehört zu rund 80 Prozent dem britischen Steuerzahler. Ihre Reprivatisierung gilt als eines der heißesten Eisen in der britischen Regierungspolitik. Quelle: dpa
Goldman SachsBedrohte Stellen: unbekannt Die US-Investmentbank steht offenbar noch in dieser Woche vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau. Dabei werde das Aktienhandelsgeschäft diesmal wohl stärker betroffen sein als die im vergangenen Jahr kräftiger gestutzte Sparte für festverzinsliche Papiere, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Montag. Das Geldhaus von der Wall-Street trennt sich gewöhnlich jedes Jahr zu dieser Zeit von den fünf Prozent seiner Mitarbeiter, die intern am schlechtesten bewertet wurden. Da das Handelsgeschäft aber weiter unter schwachen Volumen und niedrigen Gewinnen leidet, würden wahrscheinlich hier in einigen Bereichen die Einschnitte tiefer sein, hieß es in den Kreisen. Quelle: dpa
Morgan StanleyBedrohte Stellen: 1600 Die sechstgrößte US-Bank plant angeblich, in den nächsten Wochen den Geschäftsbereich Investmentbanking um 1600 Stellen zu reduzieren. Das entspricht etwa sechs Prozent der Mitarbeiter in dieser Sparte. Rund 800 Investmentbanker sollen in den USA entlassen werden, aber auch Mitarbeiter außerhalb der Vereinigten Staaten werden gehen müssen. Ähnlich wie bei den Entlassungen der Citigroup sollen Mitarbeiter aus allen Ebenen betroffen sein. Quelle: REUTERS
a Citibank branch in New York Quelle: dapd
Deutsche Bank Quelle: dapd
Nomura Quelle: REUTERS
JP Morgan Quelle: REUTERS

Mit knapp 22 Milliarden Dollar Gewinn erzielte die Bank 2011 den höchsten Profit unter allen westlichen Geldhäusern. Die Schuldenkrise Europas machte ihr weniger zu schaffen als der Konkurrenz, weil sie mehr als drei Viertel ihrer Erträge außerhalb Europas und Nordamerikas erwirtschaftet. Seit Frühjahr 2009, nach dem Höhepunkt der Finanzkrise, verlor der Kurs der Deutschen Bank um rund 20 Prozent, während HSBC um den gleichen Betrag zulegte. Der Gewinn der Frankfurter betrug 2011 nur ein Viertel von HSBC.

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