HSH Nordbank-Prozess Straftaten von Bankchefs sind schwer nachzuweisen

Der heute startende Strafprozess gegen die Ex-Chefs der HSH Nordbank zeigt, wie schwer es ist, Mitverursacher der Finanzkrise juristisch zur Verantwortung zu ziehen.

Der frühere Vorstandschef und Ex-Finanzchef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, und fünf weitere Vorstandsmitglieder müssen sich ab heute vor dem Hamburger Landgericht wegen Untreue in einem besonders schweren Fall verantworten. Quelle: dpa

Die einst stolze Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein steht am Abgrund. Erst kürzlich mussten die Steuerzahler im Norden wieder das Garantievolumen für notleidende Kredite ausweiten. Ursache der aktuellen Schieflage ist neben dem schwächelnden Schiffsgeschäft auch die gefährliche Praxis aus der Finanzkrise, riskante Geldgeschäfte in Verbriefungen zu bündeln und fernab der offiziellen Bankbilanzen zu verstecken.

Das sind die sechs HSH-Nordbank-Manager
Dirk Jens NonnenmacherDer 51-Jährige gehörte dem Vorstand der HSH Nordbank erst seit Oktober 2007 an. Er war als Mathematiker wissenschaftlich sowie operativ in verschiedenen Positionen der Finanzindustrie tätig, zuvor bei der Dresdner Bank und der DZ Bank. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef. In seiner Amtszeit stabilisierte sich die Bank wirtschaftlich, wurde aber immer wieder von Affären und Skandalen erschüttert. Nonnenmacher musste die Bank im März 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen und erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe. Quelle: dpa
Hans BergerDer 64-Jährige war im Dezember 2007, als das „Omega 55“-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. Er gehörte bereits seit 1996 dem Vorstand eines der beiden Vorgängerinstitute an, der Landesbank Schleswig-Holstein, zuletzt als Vorsitzender. Berger trat im November 2008 zurück, weil der Vorstand die Intensität und Dauer der Finanzkrise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank nicht hinreichend vorhergesehen habe. Quelle: dpa
Peter RieckDer 61-Jährige war als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands unter anderem zuständig für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien. Er arbeitete zunächst bei der Landesbank in Kiel und der Investitionsbank Schleswig-Holstein, wurde aber schon 1998 Vorstand der Hamburgischen Landesbank. Rieck wurde im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat abberufen. Er gründete danach ein Beratungsunternehmen. Quelle: Screenshot
Jochen FriedrichDer 50-Jährige gehörte im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr an. Er hatte zuvor für JP Morgan und die DZ Bank gearbeitet. Bei der HSH Nordbank war er zuständig für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London, die bei dem Verfahren eine besondere Rolle spielt. Friedrich wurde gemeinsam mit Rieck im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat entlassen. Er ist - ebenso wie Nonnenmacher - nicht nur wegen schwerer Untreue angeklagt, sondern auch wegen Bilanzfälschung. Quelle: Screenshot
Hartmut StraußDer 65-Jährige war für das Risikomanagement der Bank zuständig. Er hat sein Berufsleben bei der Hamburgischen Landesbank verbracht, in deren Vorstand er 2001 aufrückte. Strauß schied im Juni 2008 auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand der HSH Nordbank aus. Der Vorstand erklärte zum Abschied, er habe sich bleibende Verdienste um die Bank erworben. Inzwischen macht die Bank gegen Strauß Schadenersatzansprüche geltend, ebenso gegen Rieck und Friedrich. Quelle: Screenshot
Bernhard ViskerDer 47-Jährige arbeitete rund 25 Jahre bei der Hamburgischen Landesbank und der HSH Nordbank und war Vorstand seit Januar 2007. Er war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen. Visker überstand als einziger Vorstand die Stürme der Finanzkrise und schied erst Ende August 2011 „im besten Einvernehmen“ aus dem Gremium aus. Er ist heute Geschäftsführer der Immobilienfirma ABG in München. Quelle: Screenshot

Doch wenn die Frage nach den handelnden Personen laut wird, will niemand schuld gewesen sein. Das ist im Fall HSH nicht anders. Die heute in Hamburg vor Gericht stehenden Banklenker von damals streiten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ab. Angeklagt sind der ehemalige Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher, der im Krisenjahr 2008 das Ruder übernommen hatte sowie fünf weitere inzwischen abberufene Vorstände, darunter auch Nonnenmachers Vorgänger an der Vorstandsspitze, Hans Berger. Nonnenmacher ist wegen einer möglichen Verwicklung in hausinterne Spitzel- und Schutzkampagnen gegen Kollegen wohl der prominenteste Protagonist der skandalumwitterten Landesbank. Das aber ist für die Aufarbeitung der Finanzkrise nicht relevant. Zum Sündenbock für die finanzielle Misere der HSH darf Nonnenmacher daher nicht vorschnell gemacht werden. Das gilt auch für die Mitangeklagten.

Was wirft der Staatsanwalt den Beschuldigten vor? Die Vorwürfe lauten auf Untreue und Bilanzfälschung, wobei nicht alle Betroffenen gleichzeitig wegen beider Vergehen angeklagt sind. Untreue und Bilanzfälschung sind die einzigen Angriffspunkte, die das Straf- und Aktienrecht der deutschen Justiz in Sachen Finanzkrise bieten. Das Problem für Juristen: Straftaten dieser Art sind schwer nachweisbar.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%