Imagepolitur Goldman Sachs wird zur Work-Life-Balance-Bank

Bei diversen Unternehmen können Angestellte schnell sehr reich werden - wenn sie ihr Privatleben dafür opfern. Die Bank Goldman Sachs gehört dazu. Das soll sich jetzt ändern: Jungbanker sollen künftig am Wochenende frei haben und auf Nachtschichten verzichten können.

Überlebenshilfe für Jungbanker
1. Tipp:Ist dein Chef ein Raucher, bist du gefälligst auch ein Raucher. Quelle: dpa
2. Tipp:Ist dein Chef ein Inder oder ein Pakistani? Lerne die Cricketregeln. In dem Fall raucht er wahrscheinlich auch, also siehe Tipp Nummer 1. Aber Vorsicht: Wenn er nicht raucht, ist er ein vegetarischer Yoga-Meister. Quelle: rtr
Hermes Krawatte Quelle: Screenshot
4. Tipp:Kauf einen bis drei anständige Anzüge, ohne Bundfalten und Aufschläge. Und trag keine Krawatte, solange du nicht in ein Meeting gehst. Niemand mag die Streber, die so herumlaufen. Quelle: dpa
5. Tipp:Lerne, wie man einen doppelten Windsor knüpft. Und zwar nicht zu dick. Quelle: dpa
6. Tipp:Sieh zu, dass deine Schuhe immer blitzblank poliert sind. Und zwar ohne, dass jemand merkt, dass du sie polieren lässt. Das musst du dir erst verdienen. Quelle: dapd
7. Tipp:Wenn du an einer guten Schule warst, dann finde heraus, ob jemand von Bedeutung auch dort war. Das wird dein Mentor. Aber mach kein Aufhebens wegen deiner Universitäts-Lorbeeren. Die werden jetzt einfach vorausgesetzt. Quelle: AP

Bei den internationalen Banken gilt viel zu häufig: Zeit ist Geld und Freizeit ist Luxus. Wer es in der Finanzbranche zu etwas bringen will, muss hart arbeiten - ohne Rücksicht auf das Privatleben, Schlaf, die eigene Gesundheit. Als im August ein deutscher Praktikant der Bank of America Merrill Lynch (BofA) in London ums Leben kam, nachdem er 72 Stunden ohne Pause gearbeitet haben soll, rückte der Fokus wieder auf die Arbeitszeiten der Investmentbanker. Legenden und Horrorgeschichten von 48 Stunden-Diensten und regelmäßiger Nachtarbeit, machten die Runde. Das mag nicht überall so sein, in vielen Häusern gehört es aber dazu. So bestätigte ein Sprecher der BofA gegenüber der WirtschaftsWoche, dass alle Angestellten der Bank - und auch die Praktikanten - im Rahmen ihres Arbeitsvertrages einen Passus unterschreiben müssen, der die EU-Arbeitszeitrichtlinie außer Kraft setzt. Die Richtlinie besagt, dass eine wöchentliche Arbeitszeit von durchschnittlich 48 Stunden nicht überschritten werden soll.

Und auch bei der US-Großbank Goldman Sachs stand die Nachtruhe der Angestellten nicht besonders weit oben auf der Prioritätenliste. So hat sich erst Anfang September eine Schweizer Aufsichtsbehörde die Zürcher Niederlassung der Bank vorgeknöpft. Der Vorwurf: Die Überschreitung der Höchstarbeitszeiten. Das Schweizer Arbeitsgesetz schreibt je nach Branche eine Höchstarbeitszeit von 45 bis 50 Wochenstunden vor und Arbeitgeber sind verpflichtet, die Arbeitszeiten zu erfassen. Die Behörde wurde auf Veranlassung des Bankenpersonalverbands tätig, der vermutet, dass das Finanzinstitut bei der Erfassung von Arbeitszeiten und Überstunden nicht korrekt vorging. „Für uns ist wichtig, dass die Arbeitszeiten auch bei Banken eingehalten werden“, sagte die Verbandsgeschäftsführerin Denise Chervet. Seit der Finanzkrise und dem dann folgenden Arbeitsplatzabbau bei vielen Banken beklagen sich Bank-Mitarbeiter nach Angaben des Personalverbandes häufig über zunehmenden Druck und lange Arbeitszeiten. Goldman Sachs wollte zu der Angelegenheit keine Stellung nehmen.

Doch mittlerweile scheint es bei der US-Bank zu einem Umdenken zu kommen: Wie das Wallstreet Journal berichtet, soll jetzt Schluss sein mit der sieben-Tage-Woche inklusive durchgearbeiteter Nächte. Zumindest für Jungbanker und Neueinsteiger. "Ist das das Ende von Goldman Sachs' Analysten-Bootcamp?" fragte das Magazin. Derzeit arbeite eine Taskforce an humanen Arbeitsbedingungen für junge Angestellte: Ab einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden steigt das Belastungsniveau deutlich an. Mehr als jeder dritte Vielarbeiter steht stark unter Druck – von den Berufstätigen mit geringerer Stundenzahl nur gut jeder Sechste, wie eine Studie der Techniker-Krankenkasse zeigt. Je mehr Stunden man an seinem Arbeitsplatz verbringt, desto stärker gehen nahezu alle Stressfaktoren dort an die Nieren. Auch das Abschalten nach Feierabend fällt immer schwerer. Die Folge: Je länger die Wochenarbeitszeit, desto höher der Anteil derer, die sich abgearbeitet und verbraucht fühlen. Bei mehr als 41 Stunden in der Woche gibt dies schon über die Hälfte an.

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