Inflation "Die EZB muss nachladen"

Das Anleihekaufprogramm ist schon milliardenschwer, trotzdem müsse es deutlich ausgeweitet werden. Warum, das erklärt Robin Brooks, Chef-Devisenstratege bei Goldman Sachs, im Interview.


WirtschaftsWoche Online: Herr Brooks, vor einem Jahr haben Sie den Absturz des Euro auf einen Dollar prognostiziert. Das ist bisher nicht passiert.
Herr Robin Brooks: Es ist immer schwierig, Wechselkurse auf den Monat genau zu prognostizieren. Klar ist: Der Trend des Euro geht seit gut einem Jahr nach unten. Unsere Langfristprognose sieht den Euro gar bei 90 US-Cent.

Das wären mehr als 20 Cent weniger als heute.
Der Euro ist stärker, als wir erwarten haben. Der Grund ist einfach: Die EZB hat die Märkte enttäuscht.

Enttäuscht? Die EZB hat den Leitzins auf null gesenkt, negative Einlagenzinsen eingeführt und kauft monatlich Anleihen für 80 Milliarden Euro.
In Europa liegt die Kerninflation bei 0,8 Prozent. Das ist weit entfernt von den zwei Prozent, die von der EZB angestrebt werden. Und das, obwohl der Euro bereits stark abgewertet hat. Anfang 2014 stand der Euro bei rund 1,40 Dollar. Kurzum: Das eigentliche Momentum der Inflation ist sehr schwach. Und die Inflation bekommt man nicht angeheizt, indem man den Zins um 0,1 Prozentpunkte senkt.

Zur Person

Was schlagen Sie vor?
Wenn der Euro auf dem derzeitigen Niveau verharrt, ist die Inflationsvorhersage der EZB komplett unrealistisch. Für die angestrebte Inflation bräuchte Europa eine schwächere Währung. Die gibt es nur, wenn massiv Anleihen aufgekauft werden. Wir gehen davon aus, dass die EZB das machen wird; sie wird am Ende nachladen müssen.

Kommt Mitte Juni die nächste Zinsanhebung der Fed?
Die Aussagen sind widersprüchlich. Das ist aber verständlich. Die Fed steckt in der Zwickmühle. Wenn sie einen klaren Kurs kommuniziert, sich stets optimistisch äußert und von mehreren Zinserhöhungen spricht, dann kann es sein, dass der Markt den Dollar hochdrückt auf ein Niveau, das nicht gewollt ist. Die Fed müsste dann bremsen. Ob im Juni oder später: Wir gehen von einer Normalisierung des Zinsniveaus aus.

Das heißt?
Der Leitzins wird bis zum dritten Quartal 2019 von aktuell 0,4 auf 3,4 Prozent hochgehen. Ein Leitzinsanstieg um drei Prozentpunkte würde bedeuten, dass der Dollar um etwa 15 Prozent aufwerten sollte.

Auch mit einem US-Präsidenten Donald Trump?
Es ist schwer abzuschätzen, welche Auswirkungen die Wahlen auf den Dollar haben. Das müssen wir abwarten. Einen Absturz des Dollar nach der Wahl am 8. November halte ich aber für unrealistisch.

Realistisch aber ist: Ein Präsident Trump könnte die Fed-Spitze umbauen.
Die Amtszeit von Fed-Chefin Janet Yellen endet im Februar 2018. Und da sind die Aussagen relativ klar. Die Republikaner würden wohl die Position mit einem Kandidaten besetzen, der die Geldpolitik weiter strafft und kein Problem mit hohen Leitzinsen hätte.

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