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Insolvenzverwalter-Bericht Juristische Aufarbeitung des Greensill-Skandals nimmt Fahrt auf

Die BaFin hatte die deutsche Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill im März in die Insolvenz geschickt. Quelle: dpa

Nachdem die Finanzaufsicht BaFin Anfang März Strafanzeige gegen frühere Greensill-Manager erstattet hatte, wurden im April und Mai gleich mehrfach Büros der Bank durchsucht. Nun schreitet die Aufarbeitung voran.

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Die juristische Aufarbeitung der Insolvenz der Bremer Greensill Bank nimmt Fahrt auf. Nachdem die Finanzaufsicht BaFin Anfang März Strafanzeige gegen frühere Greensill-Manager erstattet hatte, wurden im April und Mai gleich mehrfach Büros der Bank durchsucht, Unterlagen sowie eine Servereinheit beschlagnahmt und Mitarbeiter als Zeugen befragt. Zeitweise nutzt die Staatsanwaltschaft ein Büro direkt in der Bank, „um ihre Ermittlungstätigkeit ausüben zu können“, geht aus einem Bericht des Insolvenzverwalters hervor, der der WirtschaftsWoche vorliegt. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigt, dass ein entsprechender Raum bei Bedarf zur Verfügung steht.

Die Ermittlungen richten sich gegen fünf Beschuldigte. Sie sollen Forderungen falsch bilanziert und die Übersicht über die Vermögensverhältnisse der Bank erschwert haben. Die BaFin hatte die deutsche Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill im März in die Insolvenz geschickt. Laut dem Bericht von Insolvenzverwalter Michael Frege haben seither 232 Gläubiger Forderungen über insgesamt 5,6 Milliarden Euro angemeldet. Eine Sprecherin von Freges Kanzlei CMS wollte sich „aufgrund der Nichtöffentlichkeit des Verfahrens“ nicht äußern.
Wie viel Geld die Gläubiger zurückerhalten werden, hängt vor allem davon ab, ob im Rahmen des Verfahrens Ansprüche im Ausland durchgesetzt werden können. Im Rahmen der ersten Insolvenzmaßnahmen ist es Frege bereits gelungen, knapp 452 Millionen Euro „zur Insolvenzmasse zu ziehen“, heißt es im Bericht. Hinzu kommen voraussichtlich Geldbeträge aus dem Verkauf von Grundstücken sowie der Verwertung von drei Geschäftsflugzeugen der Bank, die einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen dürften.



Zudem lässt Frege Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Vorstände, Aufsichtsräte, Berater und die Greensill-Eigentümerfamilie prüfen. Dabei kommen laut seinem Bericht unter anderem „Pflichtverletzungen“ bei der Führung der Bank und den Risikobeurteilungen in Betracht. Auch geschädigte Kommunen, die bei der Bank Geld angelegt hatten, prüfen nach Informationen der WirtschaftsWoche juristische Schritte gegen Exvorstände.

Mehr zum Thema: Nach Lehman und Maple ist Insolvenzverwalter Michael Frege jetzt bei der Greensill Bank im Einsatz. Er gilt als Experte für komplexe Fälle, ist verschwiegen und hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.

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