International Bankers Forum Beim IBF gibt es Zoff ums Geld

Mitglieder des hochkarätigen International Bankers Forum klagen über mangelnde Transparenz bei den Finanzen. In der Kritik steht auch der Organisator der wichtigsten deutschen Bankenkonferenz, Nader Maleki.

Euro Finance Week Jürgen Fitschen Quelle: dpa

Wenn in der kommenden Woche in Frankfurt mit der Euro Finance Week die wichtigste deutsche Bankenkonferenz stattfindet, wird Veranstalter Nader Maleki vermutlich wie jedes Jahr strahlend durch die Messehalle schreiten und den geladenen Promis die Hand schütteln. Rund 200 Sprecher werden auftreten, darunter Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, Europas oberster Währungshüter Mario Draghi und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Für seine Verdienste um den Finanzplatz Frankfurt erhielt der gebürtige Iraner sogar das Bundesverdienstkreuz. Doch aktuell ist dem 66-Jährigen nicht nach Lachen zumute. Sein tadelloser Ruf ist in Gefahr.

Darum geht es: Maleki ist Präsident des International Bankers Forum (IBF), eines Vereins für Banker, mit rund 900 persönlichen und institutionellen Mitgliedern. Zugleich ist er auch Chef und Gesellschafter der Maleki Communications Group, die die Euro Finance Week organisiert. Zu ihr gehört auch die IBF GmbH, die für den IBF Verwaltungsarbeiten erledigt.

So laufen die Geschäfte im Investment-Banking
Europäische Banken – Credit SuisseDer Schweizer UBS-Wettbewerber Credit Suisse reklamiert die Vorreiterrolle in Sachen Strategie-Anpassungen gerne für sich. Denn auch die Credit Suisse schrumpft kräftig die eigene Bilanz, um sich den neuen Kapitalvorgaben von Basel III anzupassen. Allein in der Anleihesparte innerhalb der Investmentbank hat Credit Suisse das Volumen der risikogewichteten Aktiva innerhalb eines Jahres um 43 Prozent auf 131 Milliarden Dollar gekürzt. Quelle: REUTERS
Und die Umbauarbeiten gehen weiter: In der Investmentbank soll die Bilanz nochmals um zehn Prozent gestutzt werden. Das Einsparziel wurde von drei auf vier Milliarden Franken erhöht. Wie viele Jobs das kosten wird, darüber schweigt sich Bank-Chef Brady Dougan (Bild) indes aus. Trotz der Kürzungen haben sich die Umsätze dieses Geschäftsbereichs im Jahresvergleich im dritten Quartal verdreifacht - was Analysten als die positive Überraschung hervorstrichen. Quelle: REUTERS
Für Finanzchef David Mathers zeigt das Ergebnis, dass die Bilanzausdünnung nicht auf die Erträge durchschlagen muss. Credit Suisse erzielte im Investment-Banking im dritten Quartal eine Eigenkapitalrendite von knapp zehn Prozent. „Das wird die UBS wohl nicht erreichen, was den Druck auf das Management hoch halten wird“, sagt Christian Stark, Analyst bei Cheuvreux. Quelle: dapd
Logo der RBS Quelle: dapd
Die Investmentbank des Geldhauses soll also weiter schrumpfen. Dabei ist Vorstandschef Stephen Hester (Bild) bereits kräftig auf die Bremse getreten. Anfang dieses Jahres hatte Hester den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Bank zog sich aus großen Teilen des Aktiengeschäfts und einigen anderen Bereichen zurück und verkaufte den traditionsreichen Broker Hoare Govett. Quelle: REUTERS
Seit Hester Ende 2008 sein Sanierungsprogramm für das damals schwer angeschlagene Geldhaus auf den Weg brachte, hat er die Investmentbank der RBS um mehr als die Hälfte verkleinert. Einen völligen Rückzug hielte aber auch UKFI-Chef O'Neill für eine falsche Entscheidung. Zu wichtig seien die Dienste der Investmentbanker für das Wachstum und das Wohlergehen britischer Unternehmen. Quelle: dapd
Deutsche BankBei der Deutschen Bank müssen Tausende Investmentbanker um ihren Job fürchten. Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain wollen sparen, um Ertragseinbußen im Zuge der Schuldenkrise und der härteren Regulierung aufzufangen. Das Investment-Banking dürfte zwar zuletzt wieder gut gelaufen sein. Doch das Geschäft gilt als sehr volatil - und Volatilität steht bei der Bank derzeit nicht hoch im Kurs. Quelle: dpa
Bis 2015 will die Deutsche Bank rund 4,5 Milliarden Euro einsparen - vor allem im Investment-Banking. Im Juli teilte die Bank mit, dass in diesem Jahr 1900 Arbeitsplätze gestrichen werden, 1500 davon im Investment-Banking. Im Moment beschäftigt die Deutsche Bank insgesamt noch gut 100.000 Mitarbeiter, davon 47.000 in Deutschland. Zunächst wird der Stellenabbau aber Kosten verursachen. Schon in den Zahlen zum dritten Quartal waren Sonderbelastungen wegen des Stellenabbaus, anhängiger Rechtsstreitigkeiten und dem Abbau von Risikopositionen zu erwarten. Quelle: dapd
„Es gibt auf der Kostenseite Gegenwind“, hatte Co-Chef Anshu Jain kürzlich gewarnt. Die Geschäfte liefen aber „sehr solide - vor allem im Investment-Banking“. In den vergangenen Jahren hatte die Sparte „Corporate & Investment Bank“ über die Hälfte der Erträge beigesteuert. Quelle: REUTERS
US-Banken – Goldman SachsGoldman Sachs hat auch im dritten Quartal wieder die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die legendäre Investmentbank meldete einen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar - nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 428 Millionen Dollar angefallen war. Grund dafür ist vor allem das profitable Kerngeschäft, das Investment-Banking: Bei Goldman stiegen die Einnahmen aus dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen um 49 Prozent. Der Investment-Arm allein trug 1,16 Milliarden Dollar zu den Gesamterlösen von 8,35 Milliarden Dollar bei. Quelle: dpa
In den letzten Monaten hatten noch Unsicherheiten über die Euro-Krise und die Entwicklung der Weltwirtschaft das Geschäft eingetrübt. „Die Leistung in diesem Quartal war grundsätzlich solide vor dem Hintergrund eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds“, sagte Bankchef Lloyd Blankfein (Bild). Die Krise in Südeuropa kam für ihn und seine Kollegen noch gewinnsteigernd hinzu. Es gab einen Geldabfluss aus Europa in Milliardenhöhe, der den Geschäften der US-Börsen guttat. Quelle: dapd
Zugute kommt den Investmentbanken die durch die Fed ausgelöste Geldschwemme: Sie führte zu Wertsteigerungen bei Aktien und Anleihen im eigenen Portfolio. Der Dow Jones hat seit Jahresbeginn elf Prozent zugelegt, was sich in ihren Ergebnissen widerspiegelt. Quelle: REUTERS
JP Morgan Chase, die größte US-Bank nach Vermögenswerten, ist am besten durch die Finanzkrise gekommen. Auch im dritten Quartal steht das Finanzinstitut blendend da: Bankchef Jamie Dimon konnte mit einem Nettoergebnis von 5,7 Milliarden Dollar - ein Plus von 34 Prozent - wieder einen Rekordgewinn präsentieren. Grund dafür ist vor allem das Kreditgeschäft: In den vergangenen drei Monaten vergab JP Morgan 47 Milliarden Dollar an neuen Hypotheken. Quelle: dpa
JPMorgan Chase-Chef Jamie Dimon Quelle: AP
Im Investment-Banking ist der Gewinn bei JP Morgan im vergangenen Quartal leicht zurückgegangen – was aber vor allem an einem einmaligen Bilanzierungseffekt liegt. Das Ergebnis lag aber über den Erwartungen der Analysten. Die Vergütung der Investmentbanker hat Dimon in den ersten neun Monaten des Jahres um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gekürzt. Quelle: REUTERS
Bank of America„Unsere Strategie greift, auch wenn sich die Wirtschaftslage zurzeit problematisch darstellt und wir Altlasten aufarbeiten müssen.“ Trotz der vielen Schwierigkeiten, mit denen die Bank of America noch immer kämpft, fehlt es Vorstandschef Brian Moynihan nicht an Selbstvertrauen. „Dank unserer Unternehmenskunden sind wir weltweit das zweitgrößte Investment-Banking-Institut“, betonte er bei der Vorstellung der Zahlen für das dritte Quartal Mitte Oktober. Quelle: REUTERS
Von Juli bis September verdiente die Bank wegen vieler Sonderbelastungen unter dem Strich zwar nur 340 Millionen Dollar, damit schnitt Moynihan (Bild) aber noch immer besser ab als von den Analysten erwartet. Die meisten Experten hatten mit einem Verlust gerechnet. Im Investment-Banking lief es analog zum Branchentrend deutlich besser als vor einem Jahr. Quelle: REUTERS
2012 gehört die Aktie der Bank of America mit einem Plus von 64 Prozent zu den großen Gewinnern an der Wall Street. Dennoch hat Moynihan mit der Aufarbeitung der Fehler der Subprimekrise noch alle Hände voll zu tun. Allein im dritten Quartal musste die Bank 1,6 Milliarden Dollar für Anwalts- und Gerichtskosten aufwenden. Außerdem will Moynihan bis Ende des Jahres noch über 12.000 der derzeit gut 272.000 Stellen streichen. Quelle: REUTERS

Die Aktivitäten des Vereins und von Malekis Privatfirmen greifen also ineinander. So zahlte der Verein im vergangenen Jahr etwa 82.000 Euro als Verwaltungspauschale an die IBF GmbH und mietete für 11.000 Euro einen Stand auf der Euro Finance Week.

Der Düsseldorfer Ausschuss des IBF – eine Art regionales Organisationskomitee, das mit Mitarbeitern unter anderem von Deutscher Bank und WGZ Bank besetzt ist – hält das für problematisch. Er bat den Vorstand darum, die Zahlungsströme zwischen dem IBF und Malekis Unternehmen im Detail offenzulegen, was offenbar nicht in befriedigendem Umfang geschah.

Der elfköpfige Ausschuss tritt nun zum Jahresende zurück, weil die „mehrfach vorgetragenen Bedenken“ hinsichtlich Finanzierung, Transparenz und Governance „bislang nicht ausgeräumt werden konnten“, heißt es in einem Brief an den IBF-Vorstand. Die WGZ Bank trat infolgedessen aus dem Verein aus. Die Düsseldorfer Börse lässt ihre Mitgliedschaft ruhen.

Im Kern forderten die Düsseldorfer Auskünfte zu zwei Ausgabe-Positionen:

  • Verwaltungspauschale: Circa ein Drittel seiner Mitgliedsbeiträge überwies der IBF 2013 an Malekis IBF GmbH, damit die das Clubleben organisiert. Die Düsseldorfer wollten wissen, wofür das Geld genau ausgegeben wurde. Maleki sagt hierzu gegenüber der WirtschaftsWoche, das Geld werde unter anderem für die Betreuung der Mitglieder, die Büromiete und circa 60 Veranstaltungen pro Jahr verwendet.
  • Vereinsmagazin: 2012 verkaufte Maleki 60 Prozent seiner Unternehmensgruppe an den Deutschen Fachverlag mit Sitz in Frankfurt, der unter anderem die Blätter „Textilwirtschaft“ und „Lebensmittelzeitung“ herausgibt.

Nach dem Einstieg des Fachverlags legte die Maleki-Gruppe ein 50 Seiten starkes professionell gemachtes Hochglanzmagazin namens „International Bankers Forum“ auf, das IBF-Mitglieder alle zwei Monate automatisch erhalten. Der Verein zahlt zwar nur 12,50 Euro pro Ausgabe statt des Einzelverkaufspreises von 21 Euro. Im Jahr kommen so aber dennoch 60.000 Euro zusammen. Die Kosten seien zu hoch, und inhaltlich könnten sie die Zeitschrift auch nicht mitgestalten, kritisieren die Düsseldorfer.

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Maleki sagt, das Ziel, eine Zeitschrift herauszugeben, sei bereits vor Jahrzehnten in der IBF-Satzung festgehalten worden.

Mehr Prominenz erwünscht

Bei einem Treffen der Düsseldorfer mit Vorständen des Vereins ist der Zwist dann eskaliert. Die Opponenten wollen die erbetenen Auskünfte nicht erhalten haben. Der IBF bestreitet das. Aus den Düsseldorfer Reihen heißt es gar, dass ein IBF-Vorstand ihnen verboten habe, das Gespräch mitzuschreiben. Der IBF sagt, es habe sich nicht um ein Treffen eines beschlussfassenden Gremiums gehandelt. Entsprechend sei auch nicht protokolliert worden.

Maleki vermutet persönliche Motive hinter der Attacke. Das Düsseldorfer Gremium solle prominenter besetzt werden. „Das hat einigen Personen aus dem alten Regionalausschuss nicht gepasst“, sagt er. Da er die restlichen Anteile an seinem Unternehmen nicht „mit in den Himmel nehmen“ will, wird sich das Problem von allein lösen. Nach einem Verkauf hätte er nur noch den Hut des IBF-Präsidenten auf.

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