Interview Frank Annuscheit "Niedrigeres Lohnniveau"

Der Commerzbank-Personalvorstand baut Stellen ab und verlagert Aufgaben in billigere Servicetöchter.

Frank Annuscheit Quelle: PR

WirtschaftsWoche: Herr Annuscheit, Sie sind seit Januar neuer Personalvorstand und müssen gleich Tausende Jobs streichen. Wie weit sind Sie?

Annuscheit: Es läuft schneller als gedacht. Ein gutes Drittel der 5200 abzubauenden Stellen haben wir bereits geschafft und ein weiterer Abbau ist schon vertraglich fixiert. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir das wie geplant bis 2016 schaffen.

Wird der „Bankbeamte“ mit seinem sicheren und gut bezahlten Job zum Auslaufmodell?

Den gibt es schon lange nicht mehr. Internet, neue Medien, aber auch die neuen Aufsichtsregeln erfordern andere Fähigkeiten von unseren Mitarbeitern. Zudem ist das Gehaltsniveau in der Branche immer noch zu stark von den guten Zeiten des Bankgewerbes geprägt.

Wer erledigt jetzt die Aufgaben der ausscheidenden Mitarbeiter?

An vielen Stellen sorgen automatische Prozesse dafür, dass vorher manuelle Tätigkeiten wegfallen. Darüber hinaus betreiben wir schon länger spezialisierte Servicetöchter, in die zunehmend Aufgaben verlagert werden. Diese Bereiche wickeln immer mehr Geschäft ab, auch die Zahl der dort Beschäftigten steigt. Mittlerweile arbeiten dort mehr als 2000 Personen, und noch im laufenden Jahr planen wir einen weiteren Ausbau um circa 300 neue Mitarbeiter.

Was tun die Servicetöchter genau?

Zunächst wurden dort vorwiegend standardisierte Tätigkeiten wie Zahlungsverkehr oder einfache Kontoführung bearbeitet. Die Servicetöchter übernehmen nun aber immer höherwertige Aufgaben wie Softwaretests, Teile der Wertpapierabwicklung oder der Kreditsachbearbeitung.

Warum wächst die Bedeutung der Servicegesellschaften?

Die konzerneigenen Töchter ermöglichen es, unsere Dienstleistungen kostengünstiger zu erbringen. Unser Konzept ist dem Auslagern an externe Dienstleister in vielen Punkten überlegen. Wir müssen uns so die Kostenersparnis mit keinem Fremdanbieter teilen und behalten zudem die Kontrolle. Letzteres wird immer wichtiger, weil die Bankenaufsicht auch auf diesem Feld ihre Anforderungen verschärft.

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Was zahlen Sie den Leuten der internen Servicegesellschaften?

Die Standorte liegen meist in Regionen, die ein niedrigeres Lohnniveau haben als unser Hauptsitz in Frankfurt, also etwa im Osten Deutschlands oder in Polen. Aus Sicht der dortigen Bevölkerung sind die Servicegesellschaften attraktive Arbeitgeber. Es gibt dort aber zunehmend auch sehr gut bezahlte Stellen, abhängig von Ausbildung und Einsatzgebiet. So schaffen wir in strukturschwachen Regionen begehrte Arbeitsplätze, die durch ihren Effizienzgewinn auch die Jobs in der Konzernmutter sichern.

Keine Angst, dass die Servicebelegschaften in die Gewerkschaft eintreten und in den Bankentarifvertrag drängen?

Natürlich steht es den Mitarbeitern dort frei, sich zu organisieren und tarifrechtlich vertreten zu lassen. Wir müssen aber an allen Stellen Kosten sparen, dazu zwingt uns das schwierige Marktumfeld etwa durch niedrige Zinsen sowie die steigenden Kosten für strengere Regulierungsauflagen.

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