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Investmentbank Das Sündenregister von Goldman Sachs

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Jede Menge Vorwürfe

In der Kritik: Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein Quelle: REUTERS

2010 hatte Goldman Sachs Betrugsvorwürfe der Börsenaufsicht SEC in einem außergerichtlichen Vergleich mit einer Zahlung von 550 Millionen Dollar beigelegt. Goldman räumte damals ein, Kunden beim Vertrieb eines verlustträchtigen Hypothekenprodukts nicht ausreichend informiert zu haben. Tatsächlich soll die US-Investmentbank verbriefte Ramschhypotheken mit Hilfe des Hedgefondsmanagers John Paulson gebündelt und an ahnungslose Kunden verkauft haben. Dabei soll billigend in Kauf genommen worden sein, dass Paulson gleichzeitig auf den Wertverlust der CDO-Papiere spekulierte.

Anleger hatten in wenigen Monaten nach dem Verkaufsstart rund eine Milliarde Dollar verloren, zu ihnen gehörte auch die deutsche Mittelstandsbank IKB. In E-Mails von Goldman-Sachs-Mitarbeitern war von „den dummen Deutschen“ die Reden, denen man die wertlosen Ramschhypotheken andrehen konnte. Paulson, so die SEC, soll beim Crash eine Milliarde Dollar verdient, Goldman für der Produktverkauf Gebühren in Höhe von 15 Millionen Dollar eingestrichen haben. Kritiker monierten, dass die 550-Millionen-Dollar-Strafe für die Investmentbank, die im Quartal längst wieder Milliardenbeträge verdiente, viel zu mild gewesen sei.

Die Goldjungs an den Schaltstellen der Wirtschaft
Paul AchleitnerDer einstige Finanzvorstand der Allianz-Versicherung ist nun Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Zuvor war Achleitner Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs. Quelle: REUTERS
Christopher FlowersNach dem Harvard-Abschluss stieg Flowers bereits mit 21 Jahren bei der Investmentbank Goldman Sachs ein und leitete dort ab 1986 die Beratung für Übernahmen in der Finanzindustrie. Dann gründete er seine eigene Investmentfirma und erwarb sich einen Ruf als harter Sanierer. 2008 stieg er auch bei der Pleitebank Hypo Real Estate (HRE) ein und verlor nach der Übernahme durch den Steuerzahler nahezu sein gesamtes Geld. Achleitner und Flowers kennen sich. Gemeinsam versuchten beide billig an einen großen Teil von AIG zu kommen, als der US-Skandalversicherer in der Finanzkrise im September 2008 kurz vor der Pleite stand. Der damalige AIG-Chef Bob Willumstad empfand das Angebot als so unangemessen niedrig, dass er Achleitner und Flowers hinauswarf und seinen Sicherheitsdienst instruierte: „Lasst diese Typen nicht wieder ins Gebäude“. Quelle: REUTERS
Dorothee BlessingDie Frau von Commerzbank-Chef Martin Blessing ist Managing Director bei Goldman Sachs in Frankfurt und arbeitet mit einer kurzen Unterbrechung seit 1991 bei der US-Investmentbank. Ihr Mann Martin Blessing hat als Commerzbank-Chef beste Verbindungen zur deutschen Politik. Das Bild zeigt sie mit Dr. Frank-Dieter Freiling, Director International Affairs beim ZDF. Quelle: Presse
Mario DraghiMit seiner Ernennung zum Chef der Europäischen Zentralbank hat der Italiener Mario Draghi den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Draghi hat eine lange Laufbahn als Geldverwalter hinter sich. Von 2006 bis 2001 war er Chef der italienischen Notenbank Banca d'Italia. Auch bei Goldman Sachs brachte er es weit: Von 2002 bis 2005 war er Vizepräsident bei Goldman Sachs in London. Er war damit Partner und hielt Aktien der Bank. Quelle: dpa
Mario MontiDer italienische Premierminister Mario Monti kann auf eine lange Karriere als Wirtschaftswissenschaftler zurückblicken. Von 1989 bis 1994 war er unter anderen Rektor der renommierten Wirtschaftsuniversität Bocconi in Mailand. Zudem war Monti zwischen 1995 und 2004 erst EU-Binnenmarktkommissar und dann Wettbewerbskommissar. Bevor er 2011 zum Ministerpräsidenten berufen wurde, war er aber auch internationaler Berater von Goldman Sachs. Quelle: dpa
Jon CorzineCorzine ist eine der schillerndsten Figuren, die in den USA zwischen Wall Street und Politik hin- und herpendeln. Über die Jahre arbeitete er sich bis zum Chefposten bei Goldman Sachs hoch. Mitte der 90er-Jahre führte er den Wall-Street-Primus gemeinsam mit Hank Paulson. Jedoch kam es nach heftigen Verlusten im Handelsgeschäft 1999 zum Zerwürfnis der beiden, Corzine wechselte in die Politik. Mit Erfolg: Zunächst war er Senator für New Jersey, später führte er diesen Bundesstaat als Gouverneur. Im März 2010 übernahm Corzine die Führung des Wertpapierhändlers MF Global, der später Pleite ging. Quelle: dapd
Henry „Hank“ Paulson Auch Rubins Nachfolger Hank Paulson war von 1999 bis 2006 Chef von Goldman Sachs, bevor er Finanzminister unter US-Präsident George W. Bush wurde. Um dem Vorwurf zu entgehen, dass er Goldman Sachs in seiner neuen Position unangemessene Vorteile verschaffen würde, verkaufte er alle seine Goldman-Aktien für rund 500 Millionen Dollar und unterzeichnete freiwillig eine sechsseitige Ehrenerklärung, die es ihm verbot, während seiner Amtszeit irgendeinen Kontakt mit Goldman Sachs zu haben. Das Versprechen musste er schon zwei Jahre später brechen: 2008 war Paulson als Finanzminister direkt verantwortlich für die Rettung seines früheren Arbeitgebers Goldman Sachs und anderer Banken mit dem Geld der US-Steuerzahler. Quelle: AP

Kriminelle Machenschaften ignoriert

Die US-amerikanische Finanzmarkt-Regulierungsbehörde FINRA verdonnerte Goldman Sachs nur wenige Monate später dazu, knapp 21 Millionen Dollar an die Geschädigten der 2005 zusammengebrochenen Bayou Group zu zahlen. Die Bank hatte für Bayou einen Großteil der Geschäfte abgewickelt. Goldman habe die Anzeichen für kriminelle Machenschaften bei dem Partner ignoriert, hieß es im Vorwurf der Geschädigten. Es war das erste Mal, dass eine Bank für ihre Rolle als Mittelsmann in einem Schneeball-System zur Rechenschaft gezogen wurde.

Im Januar 2011 kamen Vorwürfe im Zusammenhang mit dem geplanten Facebook-Börsengang auf. Goldman hatte eine halbe Milliarde Dollar in Facebook investiert und daneben einen Fonds aufgelegt, mit dem Kunden in den Internet-Konzern investieren konnten. Goldman nannte diese Praxis branchenüblich und gab an, Kunden, die sich an Facebook beteiligt haben, über die Goldman-Beteiligung informiert zu haben. Auch dass Goldman Aktien möglicherweise wieder abstoßen und den Kurs so belasten könnte. Ein gutes Geschäft wird es für die Bank in jedem Fall: Goldman dürfte als Berater des Börsengangs einen zweistelligen Millionenbetrag als Honorar kassieren.

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