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Investmentbanken Die mächtigsten Investmentbanker Deutschlands

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Großes Ego, großer Deal

Stephan Leithner Quelle: dpa

Mit nie nachlassendem Verve beackern die Investmentbanker ihre Kundschaft. Die wichtigen Industriesektoren haben sie ständig unter "Coverage", zu Deutsch: unter Beobachtung. In der Praxis bedeutet das: unter Dauerbeschuss. Auf Branchen spezialisierte Banker präsentieren „ihren“ Unternehmen immer neue Finanzprodukte und Finanzierungsstrategien, aber auch Ideen für mögliche Übernahmepartner. Die Bereitschaft der Gegenseite zum Verkauf haben sie oft schon vorab diskret erfragt. Etwa zweimal im Jahr darf der zuständige Investmentbanker beim Finanzchef vorsprechen.

Bei diesen Treffen schaukeln sich die Milliardenjongleure nicht selten mit ihren Gastgebern so lange hoch, bis waghalsige Pläne entstehen, die ganze Branchen erschüttern. "Die Unternehmen werden in Übernahmen getrieben, aber meistens nicht nur von den Bankern, sondern auch vom Ego der eigenen Manager", sagt ein Insider. Ist der Beschluss erst einmal gefasst, treten die Banker nur selten auf die Bremse, sondern leiten beflissentlich die nötigen Schritte ein.

In dieser Rolle agierten zum Beispiel Meryll Lynch und Morgan Stanley, als Porsche 2008 versuchte, VW zu übernehmen und am Ende scheiterte. Als Urheber der spektakulärsten Übernahmeschlacht der vergangenen Jahre sehen Branchenkenner zwar den früheren Porsche-Finanzchef Holger Härter. Die Finanzinstrumente, mit denen er bei der Annäherung an VW die Meldepflichten an der Börse umging, lieferte allerdings die Investmentbank Merrill Lynch. Als Porsche dabei fast an die Wand fuhr, kam wiederum Morgan-Stanley-Statthalter Notheis zum Zug. Im Juni 2009 entwickelte er für die Porsche-Eigentümer im Auftrag von VW den Rettungsplan mit dem Titel "Kooperationsmodell".

Wissen um das eigene Können

Ähnlich lief es wohl auch bei der feindlichen Übernahme des Autozulieferers Continental aus Hannover durch den nur halb so großen Kugel- und Wälzlagerhersteller Schaeffler aus Herzogenaurach. Auch hier war Merrill Lynch Blaupausenlieferant für die Übernahmestrategie und Vollstreckungsorgan für die notwendigen Transaktionen. Beim Übernahmeplan selbst dürfte der machtbewusste Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger der Hauptakteur gewesen sein – inspiriert durch die Porsche-VW-Aktion.

Bei Schaeffler agierte aber auch Goldman-Chef Dibelius als Oberversteher. An ihrem Urlaubsort Kitzbühel suchte er Marie-Elisabeth Schaeffler Ende 2009 eigens auf, um mit ihr die Platzierung einer Anleihe für die hoch verschuldete Conti zu verhandeln und stach damit in letzter Minute noch zwei eigentlich mit der Transaktion betraute Konkurrenten aus.

Stephan Leithner wirkt in dieser Welt der schnellen Schnitte mitunter fast wie ein Fremdling, aber das täuscht.

Stephan Leithner - Deutsche Bank

Der Österreicher tritt auf den ersten Blick bescheiden, bedächtig und unauffällig auf, aber natürlich weiß er, was er und nur er kann. Über die Jahre hat er im Dienste der Deutschen Bank die ganz großen Geschäfte vor allem in Deutschland gemacht. Er hat für Bayer in Leverkusen den Verkauf der Chemiesparte, heute Lanxess, organisiert und für Linde die Übernahme des britischen Konkurrenten BOC. Damit wurde der Münchner Gasehersteller zu einem der größten Anbieter der Welt. Auch die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank hat er für seinen Arbeitgeber ausgehandelt. Seit knapp einem Monat zeigt er der Welt der Deals den Rücken und ist im neu aufgestellten Vorstand der Deutschen Bank für Recht, Personal und Europa-Geschäft zuständig.

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