WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen

Jahresbilanz Deutsche Bank zwischen Altlasten und Gutmenschentum

Die Deutsche Bank ist auf ihrem holprigen Weg in eine bessere Zukunft noch längst nicht am Ende. Gute Nachrichten gab es für die Aktionäre - sie bekommen wieder eine Dividende in gewohnter Höhe.

Deutsche Bank Co-Chefs Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain. Quelle: REUTERS

Die Führungsriege der Deutschen Bank gibt sich verhalten optimistisch. "Wir sind heute da, wo wir uns sehen wollten", sagte der Co-Vorsitzende Jürgen Fitschen am Mittwoch auf der traditionellen Jahrespressekonferenz der Bank in Frankfurt. Der Vorstand sei sich bewusst, dass die Herausforderungen enorm sind, sei aber zuversichtlich, die angestrebten Ziele zu erreichen.

Die Zuversicht wird nötig sein, schließlich hat Deutschlands größte Bank mit ihrer Strategie 2015+ nahezu einen kompletten Sinneswandel angekündigt. Fast die Hälfte der Zeit, die sich die Bank für die Umsetzung der Strategie gegeben hat, ist mittlerweile vergangen - und weiterhin lastet die Vergangenheit schwer auf dem Institut. Wie die Bank bereits vorab mitteilte, trieben Rückstellungen für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten und ein schwächelndes Investmentbanking den Konzern im Schlussquartal des letzten Jahres in die roten Zahlen. Im Gesamtjahr 2013 reichte es zwar für einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro, dieser lag aber weit unter den Erwartungen der Analysten.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Aber die Deutsche Bank wäre nicht sie selbst, wenn sie die Ergebnisse nicht gut verkaufen könnte. "Angesichts des Gegenwindes können wir stolz auf dieses operative Ergebnis sein", erklärte Co-Chef Anshu Jain. Es sei eines der besten der vergangenen Jahre.

Entsprechend gute Nachrichten gab es für die Aktionäre: Für 2013 will die Bank erneut eine Dividende von 75 Cent je Aktie zahlen. Das werde der Vorstand dem Aufsichtsrat vorschlagen, so Finanzchef Stefan Krause. Für die Anteilseigner stellt sich also eine Art Routine ein, bereits zum fünften Mal in Folge liegt die Ausschüttung auf demselben Niveau. Routine ließen auch die beiden Vorstandschefs bei der zweiten Jahrespressekonferenz ihrer Amtszeit erkennen.

Im so wichtigen Assetmanagement musste die Deutsche Bank zuletzt Federn lassen, der Handel mit Anleihen und Devisen lief in den vergangenen Monaten weniger erfolgreich als erhofft. Im Wealthmanagement, dem Geschäft mit reichen Privatkunden, sah Jain bereits eine "ausgezeichnete Performance". Dennoch sei die Bank in diesem Bereich noch nicht groß genug. Aber es gebe natürlich keinen Grund dafür, dass die Bank nicht da oben mitspielen könne. "Wir erfüllen alle Voraussetzungen, um einen Platz unter den führenden Banken einzunehmen", so Jain.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%