Jobabbau Beschäftigte der Commerzbank unter Druck

Deutschlands zweitgrößte Bank könnte tausende Jobs wegrasieren, die Kunden sollen profitieren. Die Drohkulisse eines massiven Stellenabbaus zwingt die Arbeitnehmer zu mehr Flexibilität.

Laut Wall Street Journal will Deutschlands zweitgrößte Bank 6.000 Jobs streichen. Hintergrund des Abbauprogramms soll das kriselnde Privatkundengeschäft der Commerzbank sein. Quelle: dapd

Die Gerüchte über einen massiven Stellenabbau bei der Commerzbank bekommen neue Nahrung. Laut Wall Street Journal will das Institut 6.000 Jobs streichen. Im November 2012 hatte die Zeit unter Berufung auf Finanzkreise bereits vor Plänen gewarnt, wonach bis zu 6.000 Stellen bedroht seien. Das Institut beschäftigt derzeit rund 58.000 Mitarbeiter.

Hintergrund des bevorstehenden Abbauprogramms ist vor allem das kriselnde Privatkundengeschäft der Commerzbank. Sparer lassen wegen der niedrigen Zinsen immer öfter die Hände von in den 1.200 Filialen angebotenen Finanzprodukten und schrecken angesichts der unsicheren Situation auf den Finanzmärkten vor Geldanlagen zurück. Die Erträge der Sparte von Privatkundenchef Martin Zielke stehen daher stark unter Druck.

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa
BoeingDer US-Flugzeugbauer will in den nächsten Monaten rund 4000 Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sei die Sparte Verkehrsflugzeuge, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Um Kosten zu sparen, würden auch Hunderte Stellen bei Führungskräften und Managern gestrichen. Insgesamt fallen damit bis Mitte des Jahres 2,5 Prozent der zuletzt rund 160.000 Jobs bei Boeing weg. Im Februar hatte der Chef von Boeings ziviler Flugzeugsparte, Ray Conner, bereits angekündigt, dass ein Personalabbau notwendig sei, um "Wachstum zu finanzieren und ein gesundes Geschäft zu führen". Quelle: dpa
RWERWE-Personalvorstand Uwe Tigges stellt die rund 60.000 Beschäftigten des Essener Energiekonzerns auf weiteren Stellenabbau ein. "Unsere bisherigen mittelfristigen Planungen sehen bis Ende 2018 einen Abbau um etwa 2000 Arbeitsplätze vor, unter anderem auch durch natürliche Fluktuation", sagte Tigges der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ, Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Innerhalb der vergangenen drei Jahre hat RWE bereits rund 10.000 Arbeitsplätze verloren. "Bisher ist es uns gelungen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und wir tun alles dafür, dass es auch weiterhin so bleibt", sagte Tigges. Quelle: dpa
Coca-Cola Quelle: dpa
Nach der Fusion der beiden genossenschaftlichen Zentralbanken sollen 700 der 5700 Stellen gestrichen werden. Das entspricht rund 12 Prozent der Belegschaft. Quelle: dapd
SEBDie Deutschland-Tochter der schwedischen Bank SEB will zehn Prozent ihrer 700 Stellen streichen. „Wir haben entschieden, unsere Standorte in Hamburg und Düsseldorf zu schließen und unsere Kompetenzen in der Zentrale in Frankfurt zu bündeln“, sagte ein Sprecher des Instituts Anfang Februar. Umgesetzt sein sollen die Maßnahmen bis zur Mitte dieses Jahres. Betriebsbedingte Kündigungen will die SEB dabei vermeiden. Neben Frankfurt soll ein kleiner Standort in München erhalten bleiben, von wo aus die SEB Mittelstandskunden in Bayern und Baden-Württemberg bedient. Die SEB macht in Deutschland nur noch Geschäfte mit Firmenkunden und institutionellen Kunden. Das Privatkundengeschäft der deutschen Tochter hatten die Schweden 2011 an die spanische Banco Santander verkauft. Quelle: dpa
General Electric Quelle: dpa
Carlsberg entlässt 2000 Mitarbeiter Quelle: REUTERS
Royal Dutch Shell Quelle: REUTERS
Toshiba Quelle: REUTERS
Rabobank Quelle: REUTERS
Dräger Quelle: dpa

Kontern will die Commerzbank mit Investitionen von rund zwei Milliarden Euro, die zu einem großen Teil der Privatkundensparte zu Gute kommen sollen. Wegen des angekündigten Investitionsprogramms werden aber keine zusätzlichen Leute eingestellt – im Gegenteil. Denn flankiert wird der neue Kurs auch durch Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen.

Die Bank hat den Mitarbeitern Diskussionen darüber während der Feiertage erspart, um den Weihnachtsfrieden zu wahren. Zu Beginn des neuen Jahres dürfte das Management unter Bankchef Martin Blessing dafür umso härter in die Verhandlungen mit Gewerkschaften und Betriebsräten einsteigen. Die Gerüchte über einen massiven Stellenabbau könnten die Arbeitnehmerseite gefügig machen und zu schnelleren Zugeständnissen gegenüber ihrem Arbeitgeber zwingen.

Während den Beschäftigten harte Einschnitte bevorstehen, sollen die Kunden der Commerzbank vom neuen Kurs profitieren. Commerzbank-Vorstand Ulrich Sieber leitet die Tarifkommission der Bankarbeitgeber. Er hat bereits im vergangenen Jahr versucht, den Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern flexiblere Arbeitszeiten abzutrotzen.

Die wichtigsten Sparten der Commerzbank

Ziel der Bank ist, ihren Kunden Beratungszeiten anzubieten, die besser zu deren Tagesablauf passen. Vor allem während der Mittagszeit und abends soll die Präsenz der Mitarbeiter in den Filialen verstärkt werden, sodass berufstätige Kunden während ihrer Arbeitspausen oder nach Feierabend mehr Zeit haben, um ihre Bankberater aufzusuchen. Auch an Samstagen sollen Bankgeschäfte für die Kunden leichter werden.

Der Commerzbank steht die Möglichkeit offen, in solchen Filialen samstags aufzumachen, wo lokale Konkurrenten wie Postbanken oder Volksbanken dies ebenfalls tun. Das allerdings muss mit den Betriebsräten vor Ort abgesprochen werden. Deren Widerstand könnte angesichts der Drohkulisse des bevorstehenden Stellenkahlschlags schnell dahin schmelzen.

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Die Frage ist allerdings, ob die Verbraucher nach der Finanzkrise und den Beratungsskandalen der Vergangenheit den Banken überhaupt noch genügend Vertrauen entgegenbringen, um regelmäßig Bankfilialen aufzusuchen. Zudem lassen sich die meisten Transaktionen auch über das Internet abwickeln. Mit diesem Kulturwandel muss sich nicht nur die Commerzbank auseinandersetzen, sondern auch andere Institute.

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