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Josef Ackermann Gerechter Tadel für Anshu Jain

Josef Ackermann kritisiert seinen Nachfolger, weil der eine Bundestagsanhörung schwänzt. Das ist stillos, aber richtig.

Rüge für Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank - Josef Ackermann kritisierte Jains Fehlbleiben seiner Bundestagsanhörung Quelle: dpa

Josef Ackermann hat seinen Mitteilungsdrang auch als Halbprivatier nicht verloren. Der Schweizer („Ich bin der Meinung, dass man immer das sagen soll, was man wirklich denkt“) sucht weiter die  große Bühne. Und plaudert von da munter und meinungsstark über all die Themen, die gerade so anstehen  – allen Usancen zum Trotz auch über das Wirken seiner Nachfolger an der Spitze der Deutschen Bank. So hat er seinen Nachfolger Anshu Jain nun öffentlich und mehr als deutlich dafür getadelt, dass der Berliner Bundestagsabgeordneten bei einer Anhörung heute nicht persönlich erklären will, wie das so zugegangen ist - oder sein könnte - mit der Manipulation des Referenzzinses Libor. „Ich finde schon, dass der Chef auf die Bühne gehört“, hat Ackermann gesagt. Und dass er selbst sich dieser unangenehmen Aufgabe selbstverständlich gestellt hätte.

Die wichtigsten Antworten zum Libor-Skandal

Ackermanns Groll

Ackermann hat Jain und dessen Mit-Chef Jürgen Fitschen nur zähneknirschend als Nachfolger akzeptiert. Der Groll hat sich auch ein halbes Jahr nach seinem Abschied aus dem Amt nicht gelegt. Immer mal wieder hat er seitdem gegen seine Nachfolger gestichelt. Wenn er diesen Kompetenz oder Persönlichkeit abspricht, wirkt das wie das Kläffen eines alten Leitwolfs, der den Abschied von der ganz großen Macht nicht verkraftet hat. Hier verhält es sich aber anders: Mit seiner Kritik hat der Schweizer in der Sache Recht. Jain hätte in der Tat nach Berlin fahren sollen.

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Mag sein, dass Rechtsvorstand Stephan Leithner als interner Oberermittler formal der richtige Ansprechpartner für Fragen der Volksvertreter ist. Und natürlich geht es bei der Befragung nicht nur um sachdienliche Hinweise, sondern auch um Show und Selbstprofilierung als besonders aufklärerischer Abgeordneter. Dass Jain darauf keine Lust hat, ist menschlich verständlich.  Zumal bis zum Beweis des Gegenteils nicht einmal der Anschein entstehen soll, dass er in die Affäre verwickelt sein könnte. Bislang gibt es keine Hinweise, dass er von der Manipulation des Libors wusste. Ob er von ihr hätte wissen müssen, ist eine andere Frage.

Zur Chefsache wird das Thema für den Co-Boss der Deutschen Bank aber durch die über Detailfragen hinausgehenden Implikationen. Jain selbst hat diesen bei seinem ersten öffentlichen Auftritt  in Berlin so formuliert: „Die größte Herausforderung für die Bankbranche steht uns noch bevor: Wir müssen unseren Vertrag mit der Gesellschaft erneuern“.  Wie ernst er das meint, zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern bei unangenehmen Auftritten wie dem heutigen. Mit seiner Absage in Berlin hat er eine Chance verpasst, den eigenen Anspruch einzulösen. „Man begegnet Banken heute mit Misstrauen“, hat Jain richtig erkannt. Wer sich dem Dialog – aus welchen Gründen auch immer - entzieht, braucht sich nicht zu wundern, wenn es vorerst dabei bleibt.   

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