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KfW-Tochter IPEXDas 25-Milliarden-Kreuzfahrt-Risiko des Bundes

Die Krise der Kreuzfahrt trifft nicht nur die Reedereien. Die KfW-Tochter IPEX ist einer der größten Finanzierer der Schiffe, zusätzlich sichert die Bundesregierung das Geschäft über Exportversicherungen ab. Neue Zahlen zeigen, wie stark der Bund engagiert ist.Saskia Littmann 15.09.2020 - 17:36 Uhr

Das neue Kreuzfahrtschiff "Spirit of Adventure" wird von der Meyer-Werft in Papenburg an der Ems zur Nordsee geschleppt.

Foto: dpa

Bremerhaven, Marseille, Las Palmas. In vielen Häfen liegen aktuell leere Kreuzfahrtschiffe, aus denen zwar die Schornsteine qualmen, in deren Kabinen aber zurzeit maximal die Crewmitglieder wohnen.

Corona hat die Branche massiv erschüttert, an normales Reisen ist wohl frühestens ab dem nächsten Jahr wieder zu denken. Gerade erst hat Tui Cruises erklärt, spätestens ab Frühjahr 2021 wieder mit allen sieben Schiffen und etwas weniger Auslastung unterwegs sein zu wollen. Bisher waren lediglich Reisen ohne Landgang auf Nord- und Ostsee möglich.

Die Einbußen treffen nicht nur die Reedereien hart, sondern auch die Banken, welche die Schiffe finanziert haben. In vielen Fällen ist das die KfW IPEX-Bank, ein Tochterunternehmen der KfW. Laut einem Bericht des ARD-Magazins „Panorama“ hat allein die IPEX-Bank 73 Kreuzfahrtschiffe mit Krediten über 8,4 Milliarden Euro finanziert.

Allein über die Staatsbank steckt der Bund also tief drin in der Krise der Kreuzfahrtbranche – fallen die Kredite aus, trifft das die KfW-Tochter IPEX hart.

Bund sichert Milliarden ab

Das ist allerdings nicht alles. Viele dieser Schiffe gehören internationalen Reedereien wie der britisch-amerikanischen Aida-Mutter Carnival oder der in Miami ansässigen Royal Caribbean. Allerdings werden sie oft in deutschen Werften gebaut, und deshalb sichert der Bund sie über Exportversicherungen, sogenannte Hermesdeckungen, ab.

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Wie massiv der Bund auf diese Weise im Kreuzfahrtgeschäft steckt, zeigt eine aktuelle Kleine Anfrage der FDP-Fraktion an das Bundeswirtschaftsministerium, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Demnach sichert der Bund aktuell „Zahlungsverpflichtungen für Finanzierungen von in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiffen in Höhe von insgesamt 25 Milliarden Euro ab“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Circa 18 Milliarden Euro entfallen dabei auf Kapital-, etwa sieben Milliarden Euro auf Zinsforderungen.

„Der Betrag von 25 Milliarden Euro ist der maximale Betrag, den der Bund in einem vollumfänglichen Schadensfall aller gedeckten Finanzierungen für von deutschen Werften gebaute oder in Bau befindliche Kreuzfahrtschiffe leisten muss“, heißt es in der Anfrage. Dabei sei der Selbstbehalt der Reedereien schon abgezogen.

Inwiefern ein Teil dieser Hermesdeckungen im Zuge der Coronakrise abzuschreiben ist, konnte die Bundesregierung nicht sagen, darüber lägen „derzeit keine Kenntnisse vor“. Das Risiko dürfte aber bestehen, da Reedereien Aufträge im Zuge der Krise stornieren könnten, wenn die Nachfrage nach Kreuzfahrten weiter niedrig bleibt.

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Angesichts des enormen Ausfallrisikos wundert es nicht, dass auch die Schifffahrtsbranche von den Corona-Nothilfen der KfW profitiert. Ende Juni belief sich das Volumen der Notkredite demnach auf etwa 841 Millionen Euro, schreibt das Bundeswirtschaftsministerium. So prüft zum Beispiel Aida, welche Hilfen des Bundes der Konzern nutzen könnte. Auch die großen Werften wie die Meyer-Werft in Papenburg oder MV Werften aus Mecklenburg-Vorpommern haben Hilfen des Bundes beantragt. Letztere gehört aktuell zum Hongkonger Konzern Genting. Kritiker befürchten, die Staatskredite könnten am Ende nicht in Wismar und Rostock, sondern in Hongkong landen.

Für die KfW-Tochter IPEX sieht die Bundesregierung laut der Anfrage aktuell keine Risiken. Es sei bisher nicht zu höheren Kreditausfällen gekommen und die Bank sei gut kapitalisiert, heißt es. Trotzdem ist das Kreuzfahrt-Engagement für die IPEX nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie problematisch.

Während die KfW selbst Nachhaltigkeit als Geschäftsziel betont, grüne Anleihen emittiert und Klimaprojekte fördert, finanziert die Tochter IPEX reihenweise Kreuzfahrtschiffe, die mit ihrem Abgasen die Luft verschmutzen, selbst in den Häfen ihre Motoren laufen lassen und deren Passagiere die Städte am Mittelmeer über ihre Belastungsgrenzen bringen. Auch intern sei das große Kreuzfahrt-Engagement umstritten, heißt es. Diese Zweifel dürften noch größer werden, sollten im Zuge der Krise auch noch einige der Kredite ausfallen.


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Hinzu kommt, dass das Kreuzfahrt-Engagement aktuell nicht das einzige Problem der IPEX-Bank ist. Gerade erst wurde bekannt, dass die Frankfurter eine Kreditlinie an den mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard erst im vergangenen September erneut verlängert haben - als der Verdacht auf Manipulation schon längst öffentlich war.

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