Kirch-Prozess Deutsche-Bank-Manager sollen gelogen haben

Die ehemalige Führungsriege der Deutschen Bank ist noch immer im Visier der Ermittler. Die Staatsanwaltschaft München will nun hochrangige Manager vernehmen, weil sie im Kirch-Prozess gelogen haben sollen. Deren Anwälte sprechen von einem "Feldzug" der Strafverfolger.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf Breuer, steht zusammen mit der gesamten Führungsriege noch immer im Visier der Ermittler. Quelle: dpa

Seit zwei Jahren laufen Ermittlungen wegen versuchten Prozessbetrugs und Falschaussage gegen die gesamte frühere Führungsriege der Deutschen Bank. Nun treibt die Münchner Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen stärker voran: Nach Informationen der "F.A.Z." haben die Strafverfolger zahlreiche Vorladungen an hochrangige Mitarbeiter verschickt, um sie in den kommenden Wochen zu vernehmen.

Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht, dass die Bank-Manager das Oberlandesgericht München im Kirch-Prozess nicht nur angelogen, sondern dies auch untereinander verabredet haben sollen. Laut dem Bericht geht es nicht nur um die mündlichen Aussagen der Banker vor Gericht, sondern auch um schriftliche Einlassungen ihrer Verteidiger.

Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank

Im berühmten Kirch-Prozess verlangen die Erben des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch von der Deutschen Bank Schadenersatz in Millionenhöhe. Der frühere Deutsche-Bank-Vorstands- und Aufsichtsratschef Rolf-Ernst Breuer soll durch eine Äußerung in einem Fernsehinterview, in der er die Kreditwürdigkeit des Kirch-Konzerns anzweifelte, für dessen Untergang gesorgt haben.

Guido Kotschy, Vorsitzender Richter in der Schadenersatzklage, hatte demnach bereits im Jahr 2011 den Verdacht geäußert, dass Breuer in dem Verfahren gelogen habe; auch der damalige Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig sowie der damalige Personalvorstand Tessen von Heydebreck sollen vor Gericht die Unwahrheit gesagt haben. Mehrfach wurden ihre Büros und Privaträume durchsucht, Akten beschlagnahmt. In einem schriftlichen Teilurteil stufte Kotschy die Aussagen von Ackermann, Breuer, Börsig und auch des aktuellen Ko-Vorstandschefs Jürgen Fitschen als "ersichtlich unwahr" ein.

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Die Anwälte der vier ehemaligen Vorstände zeigten sich von den erneuten Vorladungen überrascht. Sie sprachen gar von einem "Feldzug" der Münchner Strafverfolger. Sie hätten bislang trotz mehrfacher Anträge noch keine Einsicht in die Akten nehmen dürfen. Die Staatsanwaltschaft München bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag, dass die Ermittlungen andauerten. "Aus ermittlungstaktischen Gründen werden wir uns in dem laufenden Verfahren derzeit nicht äußern", sagte ein Behördensprecher. Die Deutsche Bank erklärte im Namen der Betroffenen, sie wolle sich dazu nicht äußern.

Ein Abschluss des Verfahrens ist damit noch immer in weiter Ferne. Die Vorladungstermine reichen bis in den Oktober hinein. Anschließend müsste den Verteidigern Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben und entschieden werden, ob Anklage erhoben wird - über deren Zulassung müsste dann wiederum eine Strafkammer befinden. Da es im Fall der Banker allenfalls um versuchten Betrug gehe, würde die Strafe weniger als zehn Jahre Haft betragen, so die "F.A.Z.".

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