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Kirch-Prozess Friede Springer kommt umsonst

Im Verfahren gegen die Deutsche Bank und ihren Ex-Chef Rolf Breuer gibt es die nächste spektakuläre Wende - aber längst kein Ende.

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Anwälte der Deutschen Bank und Ex-CEO Rolf Breuer warten auf die Zeugin Friede Springer im Leo Kirch-Prozess Quelle: REUTERS

Die Prozesse zwischen Leo Kirch auf der einen und der Deutschen Bank mit ihrem Ex-Chef Rolf Breuer auf der anderen Seite laufen seit mittlerweile fast zehn Jahren. Auch nach Kirchs Tod vor einigen Monaten ist kein Ende der unendlichen Auseinandersetzung in Sicht. Sieht man das unvermindert heftige Hauen und Stechen in erster Linie als zusehends absurdes Unterhaltungsprogramm, ist das auch gut so. Denn wohl kaum ein Verfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist von beiden Seiten derart unerbittlich ausgekämpft worden, keines dürfte reicher sein an überraschenden Wendungen und merkwürdigen Auftritten deutscher Wirtschaftsprominenz.

Verschwörungstheorien und verbale Nackenschläge

Seit heute ist der Prozess um ein denkwürdiges Kapitel reicher. Um Punkt zehn Uhr sollte die Verlegerin Friede Springer aussagen. Mit ihrer Hilfe wollte das Gericht klären, ob in erster Linie sie und Breuer den Plan ausgeheckt hatten, Kirchs Medienkonzern zu zerschlagen und seine Beteiligung am Springer-Verlag kostengünstig an die Verlegerwitwe zu verschachern. Das Gericht, so haben es die vergangenen Sitzungen gezeigt, hält das keinesfalls für eine abstruse Verschwörungstheorie, sondern – trotz gegenteiliger Aussagen zahlreicher Topmanager der Deutschen Bank – für durchaus plausibel.

Fünf Minuten-Auftritt

Falls Frau Springer wider Erwarten vorgehabt haben sollte, diese Sicht zu bestätigen, muss sie damit nun erstmal auf unbestimmte Zeit warten. Die Anwälte der Deutschen Bank, denen der Vorsitzende Richter Guido Kotschy in den vergangenen Monaten so manch verbalen Nackenschlag verpasst hatte, blicken ungewohnt siegesgewiss, als sie in den Gerichtssaal kommen, ihre Aktenordner packen sie gar nicht erst aus. Dagegen schaut Richter Kotschy noch etwas grimmiger drein als sonst. Er hat gerade mal drei Sätze gesagt, als Friede Springer um kurz nach zehn den Saal betritt, zierlich, im adretten Kostüm nimmt sie vor den Richtern Platz. Für fünf Minuten.

Theater in mehreren Akten

Friede Spinger auf dem Weg zu ihrem Kurzauftritt am Münchner Gericht Quelle: REUTERS

Denn ihre Aussage, so erklärt Richter Kotschy, muss leider ausfallen. Um 9.40 Uhr habe ein Anwalt der Deutschen Bank ihm einen Antrag überreicht, mit dem er und seine Beisitzer wegen Befangenheit abgelehnt werden sollen. Über den muss nun in den kommenden Wochen entschieden werden. Der Richter bedauert, dass Springer eigens aus Hamburg anreisen musste. Allzu böse scheint sie ob des ungeplant kurzen Aufenthalts nicht zu sein. Auf die Erstattung ihrer Auslagen verzichtet sie. Nach knapp zehn Minuten ist die Sitzung schon wieder zu Ende.

Ermittlungen gegen Ackermann

Wie es dazu gekommen ist, erklären die Anwälte der Deutschen Bank unmittelbar im Anschluss. Am Freitag habe einer von ihnen Einsicht in die Prozessakten genommen. Und in diesen deutliche Indizien dafür gefunden, dass das Gericht sich unzulässigerweise bereits im März eine feste Meinung gebildet habe und deshalb nicht mehr objektiv sei. So habe Richter Kotschy den als Zeugen geladenen Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er als früherer Bundestagsabgeordneter nicht aussagen muss. Eine Seitenzahl sei mit einem kleinen Buchstaben als Zusatz versehen worden, damit sie unbemerkt entfernt werden könne. Vor allem habe der Richter in einem weit über das übliche Maß mit der Staatsanwaltschaft korrespondiert, um strafrechtliche Ermittlungen gegen Deutsche-Bank-Manager zu befördern. So ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen ihrer Aussagen im Prozess seit kurzem gegen frühere und aktive Topmanager des Instituts, auch gegen Bankchef Josef ! Ackermann.

Der Vorhang fällt
Für die Anwälte der Deutschen Bank ist klar: Mit diesen Richtern geht es nicht weiter.

Für die Kirch-Anwälte ist die Sache ebenfalls klar: Der Antrag der Deutschen Bank ist eine der letzten Finten in einer längst aussichtslosen Lage. Sie hätten früher oder später damit gerechnet und selbstverständlich keine Zweifel daran, dass sich die Richter jederzeit vorbildlich verhalten hätten.

Interessiert belauschen Vertreter jeder Seite, was die Prozessgegner den versammelten Journalisten denn so erzählen. Der gegenseitige Abscheu ist deutlich spürbar. Ein Kirch-Anwalt geht einen Deutsche-Bank-Vertreter verbal an, der droht ihm direkt mit einer Anzeige wegen Beleidigung.

Dann ist die Bühne leer. Vorerst.

Fortsetzung folgt.

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