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Kohlekraft zurückdrängen Europäische Investitionsbank investiert massiv in Klimaschutz

Europäische Investitionsbank steckt Milliarden in Umweltschutz Quelle: imago

Die Europäische Investitionsbank hat im vergangenen Jahr allein 17 Milliarden Euro in Umweltprojekte gesteckt. Doch die meisten Europäer glauben nicht, dass der Kampf gegen den Klimawandel auch Arbeitsplätze schafft.

In seinem Auftakt-Statement zum Weltklimagipfel, der gerade in seinem Land stattfindet, fordert der polnische Präsident Andrzey Duda Entschlossenheit, die Erderwärmung zu stoppen. Die Welt stehe vor einem „historischen Test“, sagte das Staatsoberhaupt bei der offiziellen Eröffnung des Gipfels in Kattowitz (Katowice). „Wir müssen beweisen, dass wir bereit sind, den Plan endgültig umzusetzen, den wir 2015 entworfen haben“, sagte Duda mit Blick auf das Abkommen von Paris. Dort wurde beschlossen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius, möglichst sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Doch weltweit sind mehr als 700 neue Kohlekraftwerke geplant. Und ausgerechnet das Gastgeberland Polen hat laut Weltgesundheitsorganisation 33 der 50 schlimmsten Smog-Städte Europas. Knapp 80 Prozent seines Stroms gewinnt Polen aus der Verbrennung des fossilen Gesteins. Die Modernisierung veralteter Kohlekraftwerke geht nur schleppend voran. Und nach den Plänen der nationalkonservativen Regierung Polens wird Kohle auch in Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen. Die polnische Regierung kündigte an, europäische Klimaziele mit neuen, „sauberen“ Kohlekraftwerken einhalten zu wollen. Rund 80.000 Arbeitsplätze hängen allein in Polen an der Kohle. Und diese Arbeitsplätze will keiner gefährden, weder in Polen noch in Deutschland, wo die Kohlekommission gerade ihren Abschlussbericht, bis wann Deutschland aus der Kohle aussteigen will, auf Anfang nächsten Jahres verschoben hat.

Deutsche fürchten finanzielle Folgen des Klimawandels

Nur 14 Prozent der Deutschen denken, der Kampf gegen den Klimawandel könne zu Wirtschaftswachstum und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Europäischen Investitionsbank. „Die wirtschaftlichen Chancen, die durch den Kampf gegen die Klimawandel entstehen können, sehen viele Europäer nicht“, sagt Martin Berg, verantwortlich für Klimainvestitionen bei der EU-Bank in Luxembourg. In einer aktuellen Umfrage, die das Institut gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt hat, gaben sogar fast 40 Prozent der befragten Deutschen mit einem jährlichen Bruttohaushaltseinkommen von weniger als 24.000 Euro an, dass sich Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken werden. Und bei den Deutschen mit höherem Einkommen glauben das immer noch 35 Prozent. Die Zahlen überraschen angesichts der Tatsache, dass im Energiewendeland Deutschland in den vergangenen Jahren Milliarden Euro in neue Technologien für Wind- und Solarkraftanlagen gesteckt wurden.

Amerikaner sind optimistischer

Insgesamt kam die Studie der EU-Bank zu dem Ergebnis, dass die Menschen in der EU sich größere Sorgen über die finanziellen Folgen des Klimawandels machen als etwa US-Amerikaner oder Chinesen. Fast die Hälfte der befragten Europäer glauben, dass sie finanzielle Auswirkungen des Klimawandels persönlich treffen werden, beispielsweise durch steigende Versicherungskosten, höhere Preise für Energie und Lebensmittel oder höhere Steuern.

Die Amerikaner sehen, trotz aller Anstrengungen von US-Präsident Donald Trump, den Klimawandel zu verleugnen, Investitionen in Projekte, die den Klimawandel bekämpfen, am optimistischsten. Immerhin 26 Prozent der für die Studie befragten US-Amerikaner glauben, dass sich Klimaschutzmaßnahmen positiv auf die Wirtschaft auswirken können, während das nur 21 Prozent der Europäer und nur elf Prozent der Chinesen tun.

Es sei noch viel zu wenigen Menschen bewusst, dass sich der Kampf gegen den Klimawandel auch wirtschaftlich lohne, sagt Berg von der Europäischen Investitionsbank. Die Bank ist jetzt schon einer der größten Geldgeber für den Kampf gegen den Klimawandel. Seit 2011 hat die EU-Bank weltweit mehr als 130 Milliarden Euro für Klimainvestitionen bereitgestellt. „Wir erschließen damit Wachstum und fördern Innovationen“, so Berg.

Die Europäische Investitionsbank hat 2017 fast 17 Milliarden Euro in Umweltprojekte investiert. Weitere 18 Milliarden Euro flossen in die Förderung von Infrastruktur. So gewährte die EU-Bank etwa in Deutschland ein Darlehen von 350 Millionen Euro zur Errichtung der Stromtrasse „NordLink“, der ersten durch die Nordsee verlaufenden Stromverbundleitung zwischen Deutschland und Norwegen. Auch für 2019 sucht die Bank wieder nach neuen Finanzierungsprojekten, mit denen der Klimawandel bekämpft werden könne. Ein Viertel aller Investitionen der Bank sollen 2019 in Klimaprojekte fließen. Kohlekraftwerke, so Berg, gehörten mit Sicherheit nicht dazu.

Die EU-Kommission will mit einer neuen Strategie den Ausstoß von Treibhausgasen in Europa bis Mitte des Jahrhunderts komplett unterbinden. Allein wird die EU aber die Erderwärmung nicht stoppen können. Die Länder der Europäischen Kommission sind derzeit nur für zehn Prozent des globalen Ausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich.

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