Kommentar Milliardengrab HRE sorgt für Albträume

Das plötzliche Plus für den Bundeshaushalt aus dem ehemaligen Portfolio der Hypo Real Estate ist keine gute Nachricht. Die Angst vor Zombiepapieren aus dem Milliardengrab der Bad Bank raubt Steuerzahlern den Schlaf.

Ein Schild hängt über einer Anzeigetafel, die den Kurs der Aktie der der Hypo Real Estate zeigt Quelle: dpa

Eigentlich hätte die Bad Bank des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) in Frieden ruhen sollen. Vor einem Jahr beerdigten Politiker und Banker Risikopapiere und Randgeschäfte im Nennwert von 173 Milliarden Euro in der Abwicklungsanstalt FMS Wertmanagement. Zweck der Entsorgungsaktion: Die gesunden Reste des krisengebeutelten Instituts HRE durften in der neuen Pfandbriefbank weiter leben.

Nun beschert die Korrektur eines am Wochenende bekannt gewordenen Buchhaltungsfehlers von mehr als 55 Milliarden Euro Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eine geringere Defizitquote. Grund zum Jubeln besteht allerdings keiner. Die Auswirkungen des berichtigten Fehlers tragen zwar ein positives Vorzeichen, doch bei Steuerzahlern dürften die Zweifel steigen. Zweifel daran, ob es bei bislang rund 175 Milliarden Euro an öffentlichen Hilfen bleibt, die in Form von Garantien und Kapitalspritzen mobilisiert wurden – oder ob noch weitere unerwartete Belastungen auf den Staatshaushalt zukommen.

Wird demnächst vielleicht ein weiterer Fehler bekannt, dessen Korrektur dann wirklich Geld kostet? Das dürften sich derzeit viele fragen. Schon bald nach der staatlichen Beerdigungsaktion vom vergangenen Herbst waren dem Milliardengrab der Abwicklungsanstalt finanzielle Zombies entstiegen. So sorgte im Sommer eine Schätzung des Darmstädter Bankexperten Dirk Schiereck für Beunruhigung, wonach die Bad Bank zusätzlich zum offiziell festgestellten Schaden weitere 50 Milliarden Euro abschreiben müsste.

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