Kontrollinstanz der EZB Die neuen Wächter der Finanzwelt

Morgen nimmt Europas Bankenaufsicht ihre Arbeit auf. Welche Veränderungen auf die deutschen Finanzhäuser zukommen.

Diese Banken sind beim Stresstest durchgefallen
Nova Kreditna Banka Maribor Quelle: dpa
Nova Ljubljanska banka Quelle: REUTERS
Bank of Cyprus Quelle: AP
Dexia Quelle: dpa
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permanent tsb Quelle: dpa
Österreichischer Volksbanken-Verbund Quelle: dpa
Banco Commercial Portuges Quelle: REUTERS
Banca Carige Quelle: dpa
National Bank of Greece Quelle: AP
Monte dei Paschi die Siena Quelle: dpa
Eurobank Quelle: dpa

Die härteste Daumenschraube für die Herren des Geldes verbirgt sich hinter Ziffer 451, versteckt in der knapp 200 Seiten starken Aufsichts-Richtlinie. Sie ist die Bibel der neuen Banken-Aufpasser von der Europäischen Zentralbank (EZB) und all der Geldhäuser, die künftig von ihnen überwacht werden.

Die dürr formulierten Zeilen, deren Lektüre sich bisher nur Feinschmecker des Bankrechts befleißigt haben, verhelfen den Aufsehern zu nie da gewesener Macht. Denn da steht im schönsten angelsächsischen Regulierungsjargon: „Stellt die Aufsicht Defekte im Geschäftsmodell einer Bank fest, kann sie die betroffenen Aktivitäten einschränken.“

Historischer Wachwechsel

Für die deutschen Banken ist dieser Ansatz neu, konzentrierten sich die bisherigen Bankenwächter von der Bonner Finanzaufsicht BaFin und der Bundesbank doch eher darauf, bei riskanten Geschäftsaktivitäten die bankinternen Frühwarnsysteme und das hinterlegte Haftungskapital zu stärken. „Das Geschäftsmodell wird nun Gegenstand aufsichtlicher Beurteilung“, sagt Daniel Quinten, Experte für Bankregulierung und Partner beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Frankfurt.

Europas Bankentests in Zahlen

Einschnitte wie diese zeigen: Wenn vom Dienstag dieser Woche an die Wacht über Deutschlands wichtigste Banken nicht mehr am Rhein liegt, sondern am Main im Eurotower der EZB im Frankfurter Finanzviertel, ändert sich für die Banken wesentlich mehr als nur die Ansprechpartner.

Der historische Wachwechsel zur EZB mit rund 800 frisch eingestellten Aufpassern bedeutet tief greifende Veränderungen für die 120 bedeutendsten europäischen Kreditinstitute, darunter 21 deutsche, die nun unter EZB-Aufsicht stehen.

Streng, aber fair

Denn die kündigt angriffslustig an, zukünftig öfter, gründlicher und breiter zu prüfen als die nationalen Aufseher, die bisweilen eine harmonische Symbiose mit ihren jeweiligen Schäfchen pflegten. Der Stresstest war nur ein Vorgeschmack, so die Marschroute der neuen Oberaufseherin Danièle Nouy und Vizin Sabine Lautenschläger. „Ich kann Ihnen versprechen, dass die neue Aufsicht strenger und fairer wird als bisher“, verspricht Nouy.

Dazu gehört auch, dass die EZB laut KPMG-Experte Quinten einschätzen will, wie nachhaltig eine Bank wirtschaftet. Die jährlichen Prüfungen seien vom Umfang mit einer Due Diligence zu vergleichen, also der Durchleuchtung eines Unternehmens durch kaufinteressierte Investoren. Banken müssen der EZB dann wie einem Eigentümer in spe erklären, womit sie in den kommenden zwölf Monaten ihr Geld verdienen wollen und wie nachhaltig ihre Strategie ist.

In der deutschen Finanzbranche will man sich mit dieser neuen Aufsichtswelt noch nicht so recht abfinden. „Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass sich die EZB-Aufsicht direkt in Managemententscheidungen der Banken einmischt“, sagt Liane Buchholz, Hauptgeschäftsführerin beim Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) in Berlin.

Sie hofft, dass bei der Umsetzung die deutsche Aufsichtspraxis Vorbild sein wird. Das heißt: Will eine Bank neue Kunden oder Märkte erschließen, prüft die Aufsicht nur, ob die neuen Risiken durch genug haftendes Eigenkapital abgedeckt sind.

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