Kräftiges Kursplus Börsianer begrüßen Umbau der Deutschen Bank

John Cryan räumt auf bei der Deutschen Bank: Top-Manager müssen gehen, das lange allmächtige Investmentbanking wird umgebaut. Börsianer und Aktionärsvertreter reagieren erfreut.

Weiße Baustellen-Helme mit Deutsche Bank-Logo sind im Vorfeld einer Pressekonferenz vor der Deutschen Bank in Frankfurt am Main zu sehen. Quelle: dpa

Der radikale Umbau bei der Deutschen Bank kommt bei Börsianern gut an: Am Montag setzte sich die Aktie des Instituts an die Spitze des deutschen Leitindex Dax. Das Papier legte am Nachmittag um deutlich mehr als zwei Prozent zu, während der Dax nur leicht im Plus war. „(Co-Chef John) Cryan wird seinem Ruf gerecht und erfüllt die Erwartungen des Kapitalmarkts“, sagte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

Am Sonntag hatte das Unternehmen nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung Personalrochaden in der Führungsriege angekündigt, unter anderem scheiden drei Manager aus dem Vorstand aus. Zudem will Cryan das bisher mächtige Investmentbanking aufspalten, während das Privatkundengeschäft gestärkt werden soll.

Die Auf- und Absteiger im Deutsche-Bank-Vorstand
Der Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, steht seit 1. Juli an der Spitze des Instituts – davor war er bereits zwei Jahre im Aufsichtsrat tätig. Der Ex-Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS hat zuletzt die Bilanz der Bank durchforstet und riesigen Abschreibungsbedarf entdeckt: Im dritten Quartal ist ein Verlust von mehr als sechs Milliarden Euro angefallen. Das Großreinemachen ist ein Baustein eines Neuanfangs bei der Deutschen Bank – am 18. Oktober 2015 folgte ein zweites Element: ein umfassender Umbau des Vorstands. Quelle: Presse
Der Vorstand wird von derzeit acht auf künftig zehn Mitglieder erweitert – dafür werden der erweiterte Vorstand, das „Group Executive Committee“, sowie etliche Ausschüsse abgeschafft. Zu den neuen starken Männern wird Jeff Urwin zählen. Er leitet ab Januar 2016 die umstrukturierte Unternehmenskunden- und Investmentbank (Corporate & Investment Banking) und zieht dann auch in den Vorstand ein. Der Manager war zuvor einer der Leiter des globalen Bankings der US-Großbank JP Morgan. Bislang stand Urwin noch Colin Fan zur Seite, doch Fan wird die Bank verlassen. Urwin hat bislang von New York aus gearbeitet – ob das auch nach der Berufung in den Vorstand so bleibt, hat die Deutsche Bank nicht mitgeteilt. Auch wenn er schon lange in den USA arbeitet – Urwin ist wie sein Chef John Cryan ein Brite. Quelle: imago
Der bisherige Chef des globalen Aktiengeschäfts, Garth Ritchie, führt ab sofort alle Handelsaktivitäten, die früher dem Investmentbanking zugeordnet waren. Dazu zählen sämtliche Wertpapiere wie Anleihen und Kreditausfallversicherungen sowie auch Devisen. Die Einheit trägt jetzt die Bezeichung „Global Markets“ und wird von Ritchie ab Januar 2016 auch im Vorstand repräsentiert werden. Ritchie arbeitet seinem Profil beim Karriereportal LinkedIn zufolge seit 19 Jahren für die Bank. Sein Büro ist in London. Quelle: dpa
Seit Mai leitet der zuvor für Rechtsfragen zuständige Christian Sewing den Privat- und Geschäftskundenbereich der Deutschen Bank. Ihm wird im Zuge des Konzernumbaus ein weiteres Aufgabengebiet zugeschlagen: die Betreuung vermögender Privatkunden. Dieses Segment gehörte bislang zur Vermögensverwaltung Deutsche Asset & Wealth Management. Quelle: dpa
Das Asset Management – also die Betreuung von institutionellen Anlegern und das Geschäft mit Fonds („DWS“) – übernimmt der Brite Quintin Price. Zum 1. Januar 2016 wird er sein Amt antreten und dann auch in den Vorstand einziehen. Price ist bislang für den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock tätig. Er leitete dort unter anderem das Geschäft für Fonds mit sogenannten Alpha-Strategien. Quelle: Jonas Melzer
Sylvie Matherat zieht in den Vorstand ein. Die Französin (Bild aus dem Jahr 2008) war einst Direktoriumsmitglied der französischen Zentralbank und trägt künftig den Titel „ Chief Regulatory Officer“. Damit ist sie für die Kontaktpflege zu Aufsichtsbehörden zuständig. Das Ressort Matherats umfasst auch die Regeleinhaltung („Compliance“) und den Kampf gegen die Finanzkriminalität. Matherat ist damit seit fast zwanzig Jahren die erste Frau im Vorstand der Deutschen Bank. Vor ihr hatte Ellen Schneider-Lenné von 1988 bis 1996 dem Gremium angehört. Quelle: dpa
Als zweite Frau wird Kimberly „Kim“ Hammonds in den Vorstand einziehen. Die ehemalige IT-Chefin des Flugzeugherstellers Boeing arbeitet seit 2013 für die Deutsche Bank. Die Amerikanerin erhält den Titel „ Chief Operating Officer“ und wird vor allem für die Modernisierung der technischen Infrastruktur der Bank die Verantwortung tragen. Sie kann allerdings erst mit einiger Verzögerung in den Vorstand einziehen. Sie muss zunächst Erfahrung im Kreditgeschäft erwerben, wie es das Kreditwesengesetz für Vorstandsmitglieder vorsieht. Spätestens im Oktober 2016 soll sie dann in das Gremium einrücken. Quelle: Presse
Eine Menge Arbeit wird auch Karl von Rohr haben. Derzeit administriert er die weltweiten Regionalabteilungen der Bank, jetzt wird er Arbeits- und Rechtsvorstand der Deutschen Bank. Für juristische Auseinandersetzungen hat die Deutsche Bank derzeit vier Milliarden Euro zurückgestellt – nach mehreren Milliardenzahlungen in den vergangenen Jahren. Das Sparprogramm der Bank wird von Rohr auch in seiner Funktion als Arbeitsdirektor fordern. Offiziell erhält er den Titel „ Chief Administrative Officer“. Quelle: PR
Der einstige Finanzvorstand des Energiekonzerns Eon (hier ein Archivbild aus 2010), Marcus Schenck, bleibt unverändert für die Finanzen der Deutschen Bank zuständig und behält seinen Posten im Vorstand des Instituts. Quelle: REUTERS
Für einen weiteren Briten im Deutsche-Bank-Vorstand ändert sich nichts. Stuart Lewis bleibt Risikovorstand. Zu seinen Aufgaben zählt es, dass die Bank im Wertpapierhandel und Kreditgeschäft keine zu großen Wagnisse eingeht.
Für einen weiteren Briten im Deutsche-Bank-Vorstand ändert sich nichts. Stuart Lewis (3. v. l.) bleibt Risikovorstand. Zu seinen Aufgaben zählt es, dass die Bank im Wertpapierhandel und Kreditgeschäft keine zu großen Wagnisse eingeht.
Bis zur Hauptversammlung im Mai wird Jürgen Fitschen noch Co-Vorstandschef der Deutschen Bank an der Seite von John Cryan sein. Doch ab dem kommenden Jahr führt Cryan das Institut dann nicht länger mit einem Partner. Quelle: dpa
Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat so gemeinsam mit John Cryan folgende Fakten zum Vorstand der Deutschen Bank geschaffen: - Zehn Mitglieder, spätestens ab Oktober 2016 - Frauenanteil 20 Prozent- Anteil nicht-deutscher Manager: 70 Prozent Quelle: dpa
Die VerliererEinst Finanzvorstand, dann für das Transaktionsgeschäft (Global Transaction Banking) und die interne Abwicklungseinheit NCOU zuständig, war Stefan Krause. Er verlässt den Vorstand zum 31. Oktober. Sein Amt als Aufsichtsratschef der zum Verkauf stehenden Postbank übernimmt Werner Steinmüller. Die Betreuung der NCOU obliegt künftig John Cryan. Quelle: dpa
Der bisherige Rechtsvorstand Stephan Leithner verlässt die Deutsche Bank zum 31. Oktober. Er wird zum schwedischen Finanzinvestor EQT wechseln. Leithner hatte in der Aufarbeitung des Zinsmanipulationsskandals (Stichwort: Libor) keine gute Figur gemacht und den Zorn von Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf sich gezogen. Quelle: dpa
Der bisherige Chief Operating Officer, Henry Ritchotte, tritt aus dem Vorstand ab, bleibt der Bank aber wohl erhalten. Er soll eine Digitalbank entwickeln – Details dazu sollen zu einem späteren Zeitpunkt angekündigt werden. Quelle: PR
Der Investmentbanker Colin Fan zählte zum harten Kern der „ Anshus Armee“ genannten Händler-Truppe des einstigen Chef-Investmentbankers und späteren Co-Vorstandschefs Anshu Jain. Fan hat der Bank am Wochenende den Rücken gekehrt. Quelle: Presse
Die Rentabilität der Vermögensverwaltungssparte Deutsche Wealth & Asset Management hatte Michele Faissola zwar verbessert. Dennoch wird er „nach einer Übergangszeit die Bank verlassen“, wie die Deutsche Bank mitteilte. Quelle: PR

Bei den Anlegern weckt der Umbau die Hoffnung auf bessere Zeiten bei Deutschlands größter Bank. Der Markt würdige die Entschlossenheit des neuen Co-Chefs, sagte ein Aktienhändler am Montag. Die Anleger trauten ihm wohl eine erfolgreiche Neuausrichtung der Bank zu. Dagegen seien die Maßnahmen der alten Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen als eher zögerlich gewertet worden.

Cryan will den Konzern umkrempeln und damit wieder auf Kurs bringen. Die Sparten werden neu zugeschnitten, die Führungsgremien neu geordnet. „Wir wollen eine besser kontrollierte, kosteneffizientere und stärker fokussierte Bank schaffen“, erklärte Cryan. Im Mittelpunkt des Umbaus steht das Investmentbanking: Die Unternehmensfinanzierung wird mit dem Zahlungsverkehrsgeschäft zusammengefügt und vom Wertpapiergeschäft getrennt.

Aus Sicht des Experten Hans-Peter Burghof vollzieht die Deutsche Bank einen überfälligen Schritt. „Die Deutsche Bank zieht nach, was andere schon vollzogen haben: Sie sieht das Investmentbanking nun in erster Linie als Kundendienstleistung, nicht mehr als Selbstzweck“, sagte der Professor von der Universität Hohenheim. Zu lange habe dieses Geschäft bei Deutschlands größter Bank vorrangig dem Zweck gedient, möglichst viel am Kunden zu verdienen.

Das Investmentbanking galt lange als wichtigster Gewinnbringer der Bank. Das sei allerdings mit Risiken für den Ruf des Hauses und auf Kosten juristischer Auseinandersetzungen teuer erkauft worden, sagte Burghof. Zahlreiche Skandale hatten den Ruf der Bank beschädigt, dazu gehörten Zinsmanipulationen und fragwürdige Hypothekengeschäfte.

Das sind Deutschlands teuerste Konzernwächter
Wolfgang Büchele Quelle: dpa
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Hans Dieter Pötsch Quelle: dpa
Jürgen Hambrecht Quelle: dapd
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Gerd Krick Quelle: dpa
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Platz 2: Gerhard Cromme Quelle: dpa
Platz 1: Paul Achleitner Quelle: AP

Nieding begrüßte die Abschaffung von zehn der derzeit 16 Vorstandsausschüsse sowie insbesondere das Ende des sogenannten Group Executive Committee - eines erweiterten Vorstands: „Das GEC war uns immer ein Dorn im Auge, weil die direkte Führung durch den Vorstand pragmatischer, schneller und effektiver ist als ein Komitee unterhalb der Vorstandsebene.“ Auch DZ-Bank-Analyst Christian Koch sagte, die Deutsche Bank stelle sich deutlich agiler und effizienter auf.

Die Personalrochaden an der Spitze der Bank kämen zwar nicht überraschend, sagte Nieding. Die Zerschlagung alter Seilschaften sei aber zu begrüßen: „Hiermit wird der Neuanfang im Vorstand breiter dokumentiert als nur mit der Berufung Cryans.“ Damit habe der Aufsichtsrat den Vorwurf widerlegt, zu zögerlich zu sein.

Analyst Jeremy Sigee von der britischen Investmentbank Barclays betonte, dass das Geldhaus weitere Einschnitte und zusätzliche Kostensenkungen benötige. Auch für Markus Rießelmann vom Analysehaus Independent Research sind die angekündigten Veränderungen nur der erste Schritt. Er müsse noch durch überzeugende Maßnahmen für den Kostenabbau und die Ertragssteigerung unterlegt werden.

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