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„Kreative Alternative, keine Nothilfe“Darum boomen Kreditfonds trotz Zinstief

Die Zinsen für klassische Bankkredite sind seit Jahren historisch günstig. Trotzdem boomt das Geschäft von Kreditfonds, auch in Deutschland. Christian Fritsch, Gründer von ELF Capital, erklärt wieso.Cornelius Welp 04.03.2022 - 13:06 Uhr

Trotz niedriger Zinsen erleben Kreditfonds einen Boom

Foto: WirtschaftsWoche

Herr Fritsch, in den vergangenen Jahren konnten sich deutsche Unternehmen bei Banken Geld so günstig wie kaum je zuvor leihen. Wofür braucht es da einen Kreditfonds wie den von Ihnen geführten ELF European Lending Fund?
Das Bedürfnis von Unternehmen ist ebenso groß wie das Interesse von Investoren. Wir konzentrieren uns auf Finanzierungen, bei denen sich Banken eher zurückhaltend zeigen. Unser Angebot richtet sich vor allem an Mittelständler in herausfordernden, in speziellen Situationen. Wir stellen eine kreative Alternative zu klassischen Finanzierungsformen dar.

Sie meinen also weniger solide Adressen, die anderswo kein Geld mehr bekommen?
Nein, wir sind ganz sicher keine Anlaufstelle für hoffnungslose Fälle. Wenn ein Mittelständler sich über uns finanziert, kann das ganz verschiedene Ursachen haben. Da geht es etwa um größere Akquisitionen, eine Neuordnung im Gesellschafterkreis oder eine komplette Refinanzierung von verschiedenen bestehenden Finanzierungen.

Schwer vorstellbar, dass sich dafür keine Bank oder Sparkasse findet. 
Natürlich gibt es Unternehmen, denen zuletzt Kredite mit einem Zinssatz von zwei Prozent fast schon hinterhergeworfen werden. Das ist nicht unsere Klientel. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass allein schon die Regulierung den Banken manche Finanzierung erschwert. Das gilt etwa für Unternehmen, die schon aus strukturellen Gründen eine niedrigere Eigenkapitalquote haben. In Branchen, die derzeit unter Druck stehen, kommen zudem selbst solide Unternehmen nur schwer an Geld. Zudem konzentrieren wir uns auf Finanzierungen zwischen 20 und 40 Millionen Euro. In dieser Größenklasse ist der Wettbewerb nicht so ausgeprägt. Für die Sparkasse oder Volksbank vor Ort ist das fast schon zu groß, für die Großbank, die einen Kredit syndizieren will, ist es zu klein.

Christian Fritsch ist Gründer von ELF Capital

Foto: PR

Sie stecken Ihr Geld aber sicher auch nicht ohne weiteres in einen Autozulieferer oder einen stationären Einzelhändler?
Anders als eine Bank schauen wir uns immer den Einzelfall an. Wir haben etwa das Unternehmen Deutsche Versand Service finanziert. Das ist ein großer Zusteller von Briefen für Geschäftskunden, den der Geschäftsführer gemeinsam mit einem Investor aus dem niederländischen Anbieter Postcon herausgekauft hat. Das Geschäft ist sehr stabil – wirkte für Banken aber vermutlich etwas altbacken. Wir haben auch Pacoma finanziert, einen Hersteller von Hydraulikzylindern. Dabei ging es um den Erwerb von Anteilen der bisherigen Minderheitsgesellschafter und die Grundlage für künftiges Wachstum. Der Mehrheitsgesellschafter hält jetzt wieder 100% an dem Unternehmen und hat damit viel mehr Handlungsfreiheit, um mit unserem zusätzlichen Kapital attraktive Wachstumsalternativen zu verfolgen.

Bei einem Zinssatz von sieben oder acht Prozent dürfte das dem Unternehmen nicht leicht fallen.      
Unsere Konditionen spiegeln das Risiko der jeweiligen Finanzierung wider. Wir erarbeiten zusammen mit dem Unternehmen maßgeschneiderte Finanzierungskonzepte und bieten dem Unternehmen jede Menge Flexibilität. Doch selbst ein höherer Zinssatz verschafft dem Unternehmen aber zunächst einen erheblichen Spielraum. Denn unsere Darlehen sind in der Regel endfällig. Das heißt, dass Unternehmen während der Laufzeit teilweise keine Zinsen oder Tilgungen zahlen. Bei Banken und Sparkassen ist das unüblich.

Womöglich mit gutem Grund, die Konstruktion gilt schließlich als besonders riskant.
Wir analysieren unsere Engagements genau und achten während der Laufzeit genau auf deren wirtschaftliche Entwicklung. Alle Verträge enthalten detaillierte Kreditbedingungen, sogenannte Covenants. Wenn ein Unternehmen sich etwa höher verschuldet als vorgesehen, analysieren wir mit ihm gemeinsam, wie es am besten gegensteuern kann. Wir haben schließlich ganz sicher kein Interesse daran, das Geld unserer Investoren zu verlieren.

Das mag sein, doch viele Regulierer überzeugt das anscheinend nicht. Sie halten Kreditfonds für einen Teil des Schattenbankensektors, vor dessen unkalkulierbaren Risiken sie immer wieder warnen.
Wenn das so sein sollte, fühle ich mich davon nicht angesprochen. Wir sind nach europäischem Recht reguliert und halten uns an unsere Vorgaben. Selbst viele Banken akzeptieren im Übrigen, dass Kreditfonds eine sinnvolle Alternative bei der Finanzierung sein können.

Derzeit zeichnet sich ab, dass Finanzierungen von Unternehmen teurer werden. Was heißt das für ELF?
Wir rechnen mit weiterem Wachstum. Wir registrieren etwa ein erhöhtes Interesse von Unternehmen, die sich während der Pandemie mithilfe der KfW finanziert haben und sich nun von den dabei festgelegten Restriktionen wie dem Verzicht auf Dividenden lösen wollen. Wir haben kürzlich für einen neuen Fonds einen höheren dreistelligen Millionenbetrag eingesammelt und peilen in näherer Zukunft zwölf bis 15 Finanzierungen an. Ich wüsste nicht, wieso uns das nicht gelingen sollte.

Themen wie Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie die gute Führung von Unternehmen werden bei Finanzierungen immer wichtiger. Welche Rolle spielen diese ESG-Kriterien für Sie?
Wir ermutigen Portfoliounternehmen nachdrücklich, sicherzustellen, dass Umwelt-, Sozial- und Governance-Überlegungen in jede ihrer Tätigkeiten integriert werden. Wir haben auch gerade eine Wachstumsfinanzierung für die Green Mobility Holding, einem der führenden Anbieter von Elektro-Mobilitätslösungen in Deutschland, abgeschlossen. Dadurch dokumentieren wir als ELF auch unser Engagement für mehr emissionsfreie Mobilität und eine gesündere Gesellschaft.


Mehr zum Thema: Erstmals seit Jahren zahlen Unternehmen wieder mehr für Kredite. Warum Finanzierungen noch teurer werden dürften und wie Unternehmen jetzt am besten reagieren


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