Kreditinstitute Samstags gehört mein Bankberater mir

Mit flexibleren Beratungszeiten am Wochenende könnten die Bankbeschäftigten ihre bedrohten Jobs retten. Warum wehren sie sich trotzdem so vehement dagegen?

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Ein Mann hält eine Check-Liste in den Händen Quelle: Fotolia
Staßenschilder warnen Fußgänger vor herabfallenden Steinen Quelle: dpa
Alternativen einfordernOft präsentieren Berater ihren Kunden nur ein Produkt – nach dem Motto „Das habe ich nur für Sie ausgewählt“. Nicht selten sind das die Produkte, für die der Berater die höchste Provision bekommt, aber eben nicht die für den Kunden passenden Anlagen. Sparer sollten unbedingt Alternativen einfordern, um vergleichen zu können. Genauso ist es wichtig, nicht nur eine Bank nach guten Anlagen zu fragen. Gehen Sie lieber zu mehreren Geldinstituten und vergleichen die Angebote. Quelle: Fotolia
Eine Dame in einem Beratungsgespräch Quelle: Fotolia
Ein Mann schaut durch eine Lupe Quelle: Fotolia
KostenrechnungHohe Gebühren fallen auch dann an, wenn der Kunde nicht in Wertpapiere investiert. Bei Bausparverträgen etwa verlangen Banken in der Regel einen Prozent der Bausparsumme als Abschlussgebühr. Anleger sollten eine genaue Übersicht einfordern, auf der alle anfallenden Gebühren und Provisionen aufgeführt sind. Wer ein kompliziertes Produkt wie einen Bausparvertrag nicht braucht, sollte sich nicht scheuen, nach einfacheren Anlagen wie einem Banksparplan zu fragen. Quelle: Fotolia
Ein Beratungsgespräch Quelle: Fotolia


Bei den diesjährigen Tarifverhandlungen prallen Banken und ihre Arbeitnehmer gerade ungewöhnlich hart aufeinander. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert 3,5 Prozent mehr Gehalt, doch der Streit um die Vergütung ist nur ein Nebenkriegsschauplatz. Die Arbeitgeber wollen erst dann in weitere Gespräche einsteigen, wenn die Gewerkschaft ihren Widerstand gegen die Samstagsarbeit aufgibt. Zum Showdown soll es am Montag kommen, wenn die Tarifverhandlungen für 210.000 Bankbeschäftigte in Wiesbaden fortgesetzt werden.

Am Freitag gab es schon Warnstreiks und Kundgebungen, auf denen die Arbeitnehmer etwa am Bankenstandort Frankfurt gegen Samstagsarbeit auf die Straße gingen. Warum ist das Thema gerade in der Finanzbranche so umkämpft?

Klassische Filialbanken kämpfen gegen die Herausforderung der voranschreitenden Digitalisierung. Computer und Smartphones ermöglichen es den Bankkunden, ihre alltäglichen Geldgeschäfte nicht nur von zuhause aus, sondern auch unterwegs abzuwickeln. Mit neuen und immer komfortableren Apps für mobile Endgeräte sorgen die Banken dafür, dass das sonst langweilige Konto sogar Spaß machen kann. Viele Kunden treibt es überspitzt gesagt nur noch einmal im Leben in eine Filiale, wenn die Finanzierung des Eigenheims ansteht.

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Die Kreditinstitute reagieren mit massivem Stellenabbau. Nicht nur in den Hinterzimmern fallen Jobs weg, weil die Abwicklung von Zahlungsaufträgen und Krediten mehr und mehr durchautomatisiert wird. Auch an der Filialfront werden Berater gestrichen, weil Kunden fern bleiben und angesichts immer tiefer sinkender Zinsen Personalkosten gespart werden müssen. Vor diesem Hintergrund fällt es den Arbeitgebern schwer zu begründen, warum die ausgedünnten Belegschaften nun auch noch ausgerechnet an Samstagen Dienst schieben sollen. "Dabei ist schon heute auch ohne Samstagsöffnungen ein normaler Betriebsablauf aufgrund der dünnen Personaldecke nicht immer gewährleistet", sagt ein Verdi-Sprecher.

Die Hoffnung der Retailbanken besteht nun darin, dass Sparer und Anleger an Wochenenden mehr Geduld und Zeit mitbringen, um sich direkt in der Filiale beraten zu lassen. Mit Samstagsöffnungen wollen sie also hauptsächlich Bestandskunden öfter in die Filiale locken. Der Plan klingt plausibel. Während der laufenden Woche nutzen gestresste Arbeitnehmer schließlich lieber den Feierabend, um vom heimischen Rechner aus mal schnell die Tagesgeld- oder Kreditkonditionen unterschiedlicher Banken zu vergleichen, statt tagsüber ein Treffen mit dem Berater in den vollen Terminkalender zu quetschen.

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Mit ihrem Einverständnis zur Samstagsarbeit in Filialen könnte die Gewerkschaft also den Bedeutungsverlust der Bankberater aufhalten, was deren Jobs sichern würde. Ein fairer Freizeitausgleich muss dann dafür sorgen, dass es nicht zu unbezahlter Mehrarbeit kommt. Ihre Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden und Mitarbeitern behalten die Banken dann übrigens nur, wenn sie ihren Mitarbeitern an Samstagen den Rücken frei halten, damit sie sich an diesen kostbaren Tagen ausschließlich um Beratungsgespräche kümmern können. Denn der Samstag ist tatsächlich zu schade, um während der Woche liegengebliebene administrative Arbeiten zu erledigen.

Für die Banken war es nach den Tarifverträgen bis 2008 möglich, in bestimmten Fällen Samstagsarbeit anzuordnen. Damals wurde allerdings von den Unternehmen wenig Gebrauch von dieser Möglichkeit gemacht. Ob die Kunden tatsächlich darüber jubeln, wenn der Bankberater an Samstagen ihnen gehört, ist aus Sicht der Gewerkschaften aufgrund der Erfahrungen in der Vergangenheit nicht sicher. Den erneuten Versuch sollte es ihnen im Interesse ihrer Mitglieder aber wert sein.

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