WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Landesbanken Nur Fusionen können die Landesbanken-Misere beenden

Seite 2/2

Die Probleme der Geldhäuser im Einzelnen

  • HSH Nordbank Der größte Berg Altlasten türmt sich mit 34 Milliarden Euro bei der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein. Die beiden Länder schützen die Gläubiger der HSH mit einer Garantie von zehn Milliarden Euro vor möglichen Ausfällen. Dafür muss die Bank jährlich mehrere Hundert Millionen Euro Gebühren zahlen.

Ein hohes Risiko liegt darin, dass die Erhöhung der Garantiesumme von sieben auf zehn Milliarden Euro noch von der EU-Kommission gebilligt werden muss. Brüssel könnte zur Kompensation eine weitere Schrumpfung der Bilanz fordern oder das Neugeschäft mit mittelständischen Kunden stoppen.

Meilensteine des größten Banken-Checks aller Zeiten

Nach einem solchen Einschnitt hätte die HSH keine Zukunft mehr. Der Versuch, das lange auf die Schifffahrt fokussierte Geschäft zu verbreitern, wäre gescheitert. Schon überlegen die Landesregierungen in Hamburg und Kiel, wie die Steuerzahler im Fall einer Abwicklung vor Verlusten zu schützen sind.

  • Nord/LB Die Niedersachsen haben ebenfalls hohe Kredite an Reedereien vergeben, insgesamt stecken rund 17 Milliarden Euro in der kriselnden Schifffahrtsbranche. So prekär wie die der HSH ist die Lage der Nord/LB in Hannover zwar nicht. Trotzdem erwartet Fitch, dass neue Rückstellungen für Kreditausfälle in der Bilanz für 2015 das Kapitalpolster der Niedersachsen schrumpfen lassen. Die Nord/LB müsste dann ihr Geschäft drosseln oder frisches Kapital von Ländern und Sparkassen besorgen.
  • BayernLB Die Münchner konnten ihre Altlasten aus der Finanzkrise zwar deutlich auf 7,2 Milliarden Euro reduzieren, haben aber bei den Verkäufen von notleidenden Investments 2014 einen hohen Vorsteuerverlust von 348 Millionen Euro verbucht. Ende 2017 muss die Landesbank dem Freistaat rund 2,3 Milliarden Euro Hilfsgelder zurückzahlen. Außerdem könnten noch rund 1,3 Milliarden Euro Abschreibungen auf Anleihen der pleitegegangenen österreichischen Bad Bank Heta fällig werden. Fitch bezweifelt daher, dass die Bayern in den kommenden Jahren in der Lage sein werden, ihre Kapitalpolster aufzustocken. Konsequenz war bereits eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit und ein niedrigeres Rating für die Anleihen der BayernLB.
  • LBBW Die Stuttgarter haben ihre Krisen-Altlasten Ende 2014 im Umfang von 4,7 Milliarden Euro komplett an Investoren verkauft und profitieren von der momentanen Stärke ihrer Kunden aus dem schwäbischen Mittelstand und der Autoindustrie. Doch die Konzentration auf diese Branchen stellt ein Risiko dar, falls die Konjunktur nach unten dreht. Zudem kämpft die LBBW weiter mit hohen Personal- und Verwaltungskosten.

Steigender Druck aus Brüssel

Einen Ausweg aus der versammelten Landesbanken-Misere können Fusionen bieten, zu denen sich die Landespolitiker bisher nicht durchringen konnten. Auch die Vorgaben der mächtigen Brüsseler Wettbewerbshüter weisen in diese Richtung. „Ich sehe nicht, dass die bisher auf Druck der EU-Kommission erfolgte Konsolidierung bei den Landesbanken schon ausreicht“, sagt Gerhard Schick, Bundestagsabgeordneter und Finanzmarktexperte der Grünen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Zum Vergleich: Die rund 1100 Volks- und Raiffeisenbanken sind wie die Sparkassen klein und regional verstreut. Sie kommen aber mit zwei Zentralbanken aus, der DZ Bank in Frankfurt und der WGZ Bank in Düsseldorf. Und selbst diese sollen bald fusionieren, um die steigenden Kapitalanforderungen der Finanzaufsicht leichter erfüllen zu können. Fusionen zwischen großen Landesbanken wären auch für die Sparkassengruppe eine Lösung, durch die diese ihre Haftungsrisiken reduzieren könnte. Doch der steht noch zu viel regionalpolitischer Egoismus entgegen.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%