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Libor-Skandal und Co. Knallhart und gewieft - Bankenjäger räumen auf

Seite 9/10

Der kühle Rechner: Jochen Weck

Diese Bosse schimpfen auf die Banker
Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG"Die Politik muss die Großbanken in kleine Teile, in Einzelteilen organisieren, deren mögliches Scheitern gefahrlos für die Volkswirtschaften wäre. Größe allein darf kein Freifahrtschein für einen unbekümmernden, rücksichtslosen Egoismus sein." Quelle: dpa
Frank Appel, Chef der Deutschen Post:„Ich halte es für falsch, dass bei der Regulierung der Finanzmärkte nur wenig passiert. Da werden noch immer Produkte angeboten und kreiert, die das Risiko erhöhen und die Stabilität gefährden, ohne einen wirklichen Mehrwert zu stiften.“ Quelle: dpa
Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI):„Banken sind kein Selbstzweck. Sie müssen sich wieder mehr als Dienstleister der Realwirtschaft verstehen. Auf keinen Fall darf das Kurzfristdenken wieder Oberwasser bekommen. Maßstab des Bankenhandelns sollten die langfristigen Wachstumsperspektiven der deutschen Volkswirtschaft sein.“ Quelle: dapd
Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm:„Die Bank muss der Diener der Realwirtschaft sein. Banken sind dazu da, die regionale Realwirtschaft zu unterstützen. Und nicht dazu, um mit einer Tochtergesellschaft in Irland mit Zertifikaten zu handeln.“ Quelle: dpa
Jürgen Heraeus, Aufsichtsratschef der Heraeus Holding und Vorsitzender von Unicef Deutschland:„Schauen Sie, wie mit großen Summen gegen Währungen einzelner Staaten spekuliert wird, ohne dass hinter diesen Geschäften irgendetwas an realen Werten steckt. Das ist nicht nur unglaublich. Das ist vor allem schädlich.“ Quelle: dapd
Franz Fehrenbach, Aufsichtsratschef der Robert Bosch GmbH:„Ist eine Bank der Meinung, die Finanzierung von Boni sei Unternehmenszweck, dann machen wir mit ihr keine Geschäfte mehr.“ Quelle: dapd
Wolfgang Schmitt, Chef des Pumpenherstellers KSB:„Es wäre sehr ärgerlich, wenn durch Probleme in der Finanzbranche nun zum zweiten Mal nach 2008 eine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst würde.“ Quelle: dapd

Jochen Weck bevorzugt den leisen, unauffälligen Auftritt – anders als die extrovertierten Protagonisten der angelsächsischen Juristenzunft, die ihre Gegner von der Wall Street oder aus der Londoner City gern unter Mediengetöse vor den Kadi zerren. Trotzdem ist der Münchner Anwalt mit den grauen Koteletten und der randlosen Brille nicht minder gefährlich für die Banken, die er ins Visier nimmt.

Weck gilt als juristischer Pionier im Dschungel der strukturierten Finanzprodukte. Er hat die viel zitierte Weisheit „Richter rechnen nicht“ um eine Erkenntnis ergänzt: „Anwälte aber schon“. Mit dieser Methode konnte Weck für deutsche Städte, Gemeinden und Unternehmen zahlreiche Vergleiche oder Schadensersatz erstreiten. Seine Mandanten wie der Maschinenbauer Teamtechnik oder der Hygieneartikelhersteller Ille aus der hessischen Wetterau haben mit Zinswetten der Deutschen Bank viel Geld verloren. „Banken verschleiern diese Produkte als Zinsoptimierung, tatsächlich sind es Spekulationsgeschäfte“, sagt Weck. Teamtechnik verlor durch einen Zinsabsicherungsvertrag binnen zwei Wochen eine Million Euro.

Die Brennpunkte der Deutschen Bank
BerlinDas Verhältnis der Deutschen Bank zur Politik war unter Ackermann zwiespältig. Das soll nun vor allem Co-Chef Fitschen pflegen. Quelle: Reuters
FrankfurtIn der Deutschen-Bank-Zentrale fürchten einige Manager zu viel Einfluss der Investmentbanker. Als Beleg sehen Skeptiker die Besetzung der Top-Position im Risikomanagement durch einen Getreuen von Co-Chef Jain. Quelle: Laif
BonnDer kommende Postbank-Chef Frank Strauß soll Ertragskraft und Effizienz des größten Zukaufs der Ära Ackermann stärken. Dafür muss er vor allem kulturelle Differenzen in den Griff bekommen. Quelle: dpa
LondonDie Zentrale der Investmentsparte der Deutschen Bank sitzt in London und beeindruckt Besucher mit moderner Kunst. Sie will von der Schwäche der Konkurrenz profitieren und weltweit unter die Top 3 vorstoßen. Quelle: Laif
New YorkWegen ihrer zweifelhaften Rolle in der Verbriefung minderwertiger Hypothekenkredite protestieren Hausbesitzer in den USA gegen die Deutsche Bank. Die Schadensersatzforderungen belasten das neue Duo an der Spitze. Quelle: Reuters
PekingDas Geschäft in Asien wird für die Deutsche Bank trotz staatlicher Beschränkungen immer wichtiger. Am größten sind die Wachstumsaussichten in China. Aber auch Indien erweist sich als unausgeschöpftes Finanzreservoir. Quelle: Laif

Erfolg motiviert

Für Ille-Gründer Wilhelm Blatz zog Weck bis vor den Bundesgerichtshof, der die Deutsche Bank im März 2011 zu 540.000 Euro Schadensersatz verurteilte. Auch für Kunden der untergegangenen WestLB und der Baden-Württembergischen Landesbank LBBW erstritt er Schadensersatz. Wecks Motivation ist nicht Jagdfieber, er will seine Kanzlei zur gefragtesten deutschen Adresse für Verfahren gegen Geldhäuser und andere Kapitalmarktakteure machen. Sein Motto: „Zufrieden sind wir erst, wenn uns die Anwälte der Gegenseite empfehlen.“ Geduld und Durchhaltevermögen sind Wecks Stärken, mit Akribie arbeitet der Jurist sich in komplizierte Finanzfragen ein, die die Gerichte unterer Instanzen überforderten. Erst bei höheren Instanzen drang er mit seinen Argumenten durch.

Nach dem Erfolg gegen die Deutsche Bank hat Weck nun die WestLB-Rechtsnachfolgerin Portigon im Visier. Er vertritt NRW-Kommunen wie Hückeswagen oder Kamen vor dem Landgericht Köln. Auch deren Kämmerer hatten sich Zinswetten andrehen lassen, weil sie glaubten, es handele sich um Absicherungsgeschäfte. Wecks nächster Mandant könnte Salzburg sein – die Stadt sucht Anwälte, die sie gegen die Deutsche Bank vertreten könnten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Elke König, die Präsidentin der Bafin, die im Libor-Skandal gegen die Deutsche Bank ermittelt.

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