WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Libor-Skandal und Co. Knallhart und gewieft - Bankenjäger räumen auf

Seite 4/10

Die Sammelklagenspezialistin: Deborah Sturman

Deborah Sturman, 56 - US-Anwältin: Vertritt institutionelle Anleger bei Schadensersatz- und Aktionärsklagen Quelle: Privat

Der Kampf gegen Betrug und Unrecht zieht sich wie ein roter Faden durch die Anwaltskarriere von Deborah Sturman. „Ich vertrete immer diejenigen, die betrogen wurden, denen Schaden zugefügt wurde“, sagt die 56-jährige Amerikanerin. Diesem Prinzip bleibt sie auch bei ihrem jüngsten Projekt treu. Die Anwältin klagt für Klienten gegen die Banken, die im Verdacht stehen, Referenzzinssätze wie den Libor manipuliert zu haben. Einer der Kläger, die Sturman vertritt, ist die Metzler Investment GmbH – eine Fondsgesellschaft des Frankfurter Bankhauses Metzler. Die Anlagegesellschaft hat sich einer Sammelklage gegen die Deutsche Bank und andere Banken angeschlossen, weil ihre Fonds Produkte enthielten, die an den Libor gekoppelt waren.

Die US-Expertin für Sammelklagen, die fließend Deutsch, Flämisch und Französisch spricht, besetzt eine lukrative Nische: Sie hat sich auf Schadensersatz- und Aktionärsklagen spezialisiert. Anwälte können in den USA dafür Gebühren einstreichen, die bis zu 30 Prozent der Schadenssumme betragen, gehen allerdings leer aus, wenn sie den Fall nicht gewinnen oder einen Vergleich erzielen.

Die Amerikanerin vertritt überwiegend Klienten aus Europa. Ihre Kanzlei Sturman LLC mit Sitz in New York, die acht Anwälte beschäftigt, hat auch ein Büro in Wien.

Alpha-Tiere im Visier
Josef Ackermann, November 2006ehemals Vorstandschef Deutsche Bank Der Fall: Bei der Mannesmann-Übernahme 2000 durch Vodafone segnete der Aufsichtsrat 60 Millionen Mark Extra-Prämien und Abfindungen für Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und weitere Manager ab. Die Folgen: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf erhob Anklage wegen schwerer Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu. Nachdem der BGH die erstinstanzlichen Freisprüche kassiert hatte, stellte das Landgericht Düsseldorf 2006 gegen Geldauflagen die Verfahren ein. Ackermann zahlte 3,2 Millionen Euro, Esser 1,5 Millionen, Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk eine Million und Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel 60.000 Euro. Quelle: dpa
Klaus Zumwinkel, Januar 2009Ex-Vorstandschef Deutsche Post Der Fall: Steuerhinterziehung in Höhe von einer Million Euro. Die Folgen: Gegen Hinterlegung von vier Millionen Euro entging Zumwinkel der U-Haft. Das Landgericht Bochum verurteilte ihn 2009 zu zwei Jahren auf Bewährung und zu einer Geldauflage von einer Million Euro. Quelle: dpa
Heinrich von Pierer, März 2010Ehemals Siemens-Vorstandschef Der Fall: Siemens hatte von 1999 bis 2006 rund 1,3 Milliarden Euro Schmiergeld für Auslandsgeschäfte gezahlt und heimlich die Betriebsräteorganisation AUB finanziert. Die Folgen: Von Pierer zahlte 2010 ohne Schuldeingeständnis 250.000 Euro Geldauflage, weil er laut Staatsanwaltschaft München seine Aufsichtspflicht fahrlässig verletzt hatte. Andere Manager erhielten Bewährungsstrafen, zahlten Millionenbußgelder und saßen in U-Haft – Ex-AUB-Chef Wilhelm Schelky zwei Jahre und vier Monate. Quelle: dapd
Stefan Ortseifen, Januar 2010Ehemaliger Vorstandschef der IKB-Bank Der Fall: Die Bank machte mit US-Subprime- Papieren desaströse Verluste.Ortseifen hatte behauptet, sie sei kaum betroffen. Die Folgen: Das Landgericht Düsseldorf verurteilte Ortseifen 2010 wegen vorsätzlicher Marktmanipulation zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und zu 100.000 Euro Geldbuße. Quelle: dpa
Johann-Friedrich Haun (mitte), Dezember 2011 (Archivbild)Ehemals Vorstand bei Ferrostaal Der Fall: Ferrostaal hatte bei U-Boot-Deals im Ausland mit rund 62 Millionen Euro geschmiert. Die Folgen: Rüstungsmanager Haun saß mehrere Monate in U-Haft. Im Dezember 2011 verurteilte das Landgericht München ihn wegen Bestechung zu je zwei Jahren Haft auf Bewährung und zu Geldauflagen. Ferrostaal zahlte 140 Millionen Euro Geldbuße. Gegen Ex-Vorstandschef Matthias Mitscherlich, der die Vorwürfe zurückweist, laufen Ermittlungen. Quelle: dpa
Gerhard Gribkowsky, Juni 2012Ehemals Risikovorstand der BayernLB Der Fall: Als die BayernLB 2005 ihre Formel-1-Anteile für 840 Millionen Dollar an den von Bernie Ecclestone präferierten Investmentfond CVC Capital Partners verkaufte, kassierte Gribkowsky verdeckt 44 Millionen Euro. Die Folgen: Wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verurteilte das Landgericht München Gribkowsky im Juni zu achteinhalb Jahren Haft. Sein Vermögen von geschätzt 25 Millionen Euro wird als Schadensersatz verwertet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen Ecclestone, der die Vorwürfe bestreitet, wegen Bestechung. Von ihm fordert die BayernLB gut 300 Millionen Euro, weil sie laut Gribkowsky für die Formel-1-Anteile deutlich mehr hätte erlösen können. Quelle: REUTERS
Anton Weinmann, September 2012Ehemals Vorstandschef MAN-Nutzfahrzeuge Der Fall: MAN zahlte von 2002 bis 2009 im Vertrieb Millionenschmiergelder. Die Folgen: Zehn Monate Haft auf Bewährung und 100.000 Euro Geldauflage für Weinmann. Gegen Ex-MAN-Chef Håkan Samuelsson und Ex-Finanzchef Karlheinz Hornung, die eine Schuld bestreiten, wird wegen Beihilfe zur Bestechung ermittelt. Quelle: dpa

Besondere Beziehung zu Deutschland

Denn Sturman ist eine Wanderin zwischen vielen Welten, beruflich und privat, mit einer ganz besonderen Beziehung zu Deutschland und zur klassischen Musik. Nach Europa kam die damals 17-Jährige in den Siebzigerjahren der Musik wegen: Die Waldhornspielerin ließ sich in Brüssel ausbilden, wurde später Solistin in Antwerpen, zog 1979 zum WDR-Rundfunkorchester nach Köln und heiratete einen deutschen Juden.

Sie lebte mehrere Jahre in Deutschland, wo die Musikerin nebenbei begann, sich für Menschen zu engagieren, die in der DDR enteignet worden waren.

Sie entschloss sich nach der Geburt ihrer Tochter zur Rückkehr in die USA. Sie studierte Jura an der School of Law der University of California und war in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre wie ihr Kollege Michael Hausfeld an den Sammelklagen der NS-Zwangsarbeiter gegen die deutsche Wirtschaft sowie gegen die Schweizer Banken beteiligt. Später vertrat sie Aktionäre – etwa gegen den holländischen Einzelhandelskonzern Ahold wegen einer Bilanzfälschungsaffäre. Die Sammelklage endete mit einem Vergleich, der Ahold über eine Milliarde Dollar kostete.

Als Bankenjägerin erlitt Sturman auch Niederlagen – etwa bei einer Klage gegen Goldman Sachs, in der es um Missmanagement bei CDOs ging. Die Klage wurde aus prozessrechtlichen Gründen nicht zugelassen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Mary Jo White, designierte SEC-Chefin.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%