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Martin Blessing Ende der Geduld bei der Commerzbank

Der hohe Abschlag bei der Kapitalerhöhung auf neue Aktien verschärft den Druck auf Martin Blessing. Mit der jetzigen Kapitalerhöhung will die Bank bei Investoren 2,5 Milliarden Euro frisches Geld einsammeln.

Wie gut ist die Nummer zwei der deutschen Bankenwelt?
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
 Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen be- und entladen Quelle: dpa
Eine Auszubildende schraubt an einem Motor Quelle: dpa
Das Logo der Dresdner Bank vor dem Gebäude der Commerzbank Quelle: dpa
Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Quelle: dpa
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens Quelle: dpa
Der Kurswert der Commerzbank-Aktie am 9. Januar 2009 Quelle: AP

Auf den Tag genau seit fünf Jahren ist Martin Blessing Chef der Commerzbank. Grund zum Feiern gibt es nicht. Seit Mai 2008 hat die Aktie 95 Prozent an Wert verloren. 2012 verdiente die Bank nichts, 2013 soll es schlechter werden. Warum ist der Mann noch da?

Bisher kamen er und Aufsichtsratschef Klaus Peter Müller damit durch, dass sie angeblich alles richtig machen, aber der Markt nicht mitspielt. Wenn die Mühlsteine Staats-, Immobilien- und Schiffsfinanzierung erst mal abgeworfen wären, so das Versprechen, würden sie in neuem Glanz empor steigen.

Dabei ist ihre mit dem Kauf der Dresdner Bank 2008 verfolgte Strategie längst gescheitert, eine neue nicht in Sicht. Das Privatkundengeschäft kommt nicht voran, es dominiert der Kundenkauf: Neben ihrer etablierten 50-Euro-Willkomensprämie wirbt die Bank mit für 30 Tage kostenlosen Test-Konsumentenkrediten. Das ist schon fast mitleidserregend. Auch der Ausblick für die eigentliche Perle Mittelstandsbank hat sich verdunkelt.

Neue Aktien aus der am Dienstag gestarteten Kapitalerhöhung gibt es mit 55 Prozent Abschlag. Die aktuelle Kapitalerhöhung hilft der Commerzbank, aber nicht ihren Aktionären. Ihr hartes Kernkapital wird von 7,5 Prozent auf 8,4 Prozent steigen. Das ist knapper Durchschnitt unter europäischen Banken. Die Bundes-Beteiligung wird von 25 Prozent auf unter 18 Prozent sinken. Das spart jährlich 200 Millionen Euro Zinszahlungen und drückt den ungeliebten staatlichen Einfluss unter die Sperrminorität.

Dennoch ist es zu früh, auf eine Erholung zu spekulieren oder neue Papiere zu zeichnen. Nach 94 Millionen Euro Verlust im ersten Quartal und dem geplanten Stellenabbau wird es für die Coba schwer, 2013 überhaupt echte Gewinne zu machen. Und auch wenn die Bank 2014 den von Analysten prognostizierten Nettogewinn von 950 Millionen Euro schaffen sollte, wären das nach der Kapitalerhöhung (bei insgesamt 1138,5 Millionen einzelner Anteile) nur 80 Cent Gewinn je Aktie. Selbst eine zehnfache Bewertung (KGV) ergäbe nur Kurse um acht Euro.

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Investoren sind für Blessing ohnehin erst mal zweitrangig. Er agiert nach der Devise Hauptsache, der Staat ist bald raus. Im Grunde hat er Recht. Ernsthafte Aktionäre sind eh kaum noch an Bord. Die Papiere der zweitgrößten deutschen Bank sind ein Tummelplatz für Zocker.

Es ist ein Trauerspiel. 2014 soll es angeblich besser werden. Mal wieder. Leider glaubt das keiner mehr. Jedenfalls nicht diesen Hauptdarstellern.

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