Medienberichte Klösges und Sieber müssen bei Commerzbank gehen

Die Commerzbank macht ernst mit dem Kürzungsplänen in der Führungsetage. Zwei der neun Vorstandsmitglieder sollen das Gremium verlassen, der Aufsichtsrat soll schon in der kommenden Woche darüber entscheiden.

Wie gut ist die Nummer zwei der deutschen Bankenwelt?
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
 Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen be- und entladen Quelle: dpa
Eine Auszubildende schraubt an einem Motor Quelle: dpa
Das Logo der Dresdner Bank vor dem Gebäude der Commerzbank Quelle: dpa
Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Quelle: dpa
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens Quelle: dpa
Der Kurswert der Commerzbank-Aktie am 9. Januar 2009 Quelle: AP
Feuer brennt auf einem Haufen Ein-Euro-Münzen Quelle: dapd

Die Commerzbank macht ernst mit dem Kürzungsplänen in ihrer Führungsetage. Zwei der neun Vorstandsposten der Bank sollen wegfallen, die beiden für die "interne Bad Bank" verantwortlichen Vorstände Jochen Klösges und Ulrich Sieber sollen die Bank deshalb verlassen, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Der Aufsichtsrat solle schon am kommenden Mittwoch (7. August) darüber entscheiden, sagten drei Insider. Das Thema sei nachträglich auf die Tagesordnung der Sitzung genommen worden. Vom 48-jährigen Klösges hatte sich die Bank schon vor einem Jahr trennen wollen, der Abschied vom 47-jährigen Sieber, der auch das Personalressort verantwortet, kommt dagegen überraschend.


Die Commerzbank wollte sich zu den Personalien nicht äußern. "Mit neun Mitgliedern ist der Commerzbank-Vorstand eher üppig besetzt", räumte ein hochrangiger Bankmanager ein. Die ungleich größere Deutsche Bank kommt mit sieben Vorständen aus. Auch zahlreiche Bereichsvorstände müssen um ihren Job zittern. 51 Commerzbank-Manager tragen diesen Titel, darunter sind vier Frauen. "Es ist klar, dass man für eine so stark geschrumpfte Bank weniger Manager braucht - zumal, wenn gleichzeitig mehr als 5000 Stellen an der Basis abgebaut werden", hatte ein Insider Reuters vergangene Woche gesagt.

Ein erster Versuch von Vorstandschef Martin Blessing, den Vorstand nach der Fusion mit der Dresdner Bank vor fünf Jahren zu verkleinern, war vor einem Jahr gescheitert. Nach der Entscheidung, das Immobilien- und das Schiffsfinanzierungsgeschäft einzustellen, sollte der dafür im Vorstand zuständige Klösges gehen. Doch das Bundesfinanzministerium hatte Aufsichtsratskreisen zufolge sein Veto eingelegt, weil die Auszahlung seines gerade erst bis 2017 verlängerten Vertrages oder eine Millionen-Abfindung nicht in die politische Landschaft passte. Doch inzwischen hält der Staat mit 17 Prozent keine Sperrminorität mehr, sein Einfluss ist begrenzt. Bankchef Blessing nannte ihn einen "ganz normalen Großaktionär".

Klösges kümmert sich seit einem Jahr gemeinsam mit Sieber um die Abwicklung der internen "Bad Bank". Diese umfasst immerhin rund ein Viertel der Bilanzrisiken (RWA) der Commerzbank. Dass auch Sieber gehen muss, berichtete zuerst das "Handelsblatt". Dass es diese beiden treffe, liege daran, dass der Abbau des Immobilien- und Schiffs-Finanzierungsgeschäfts schneller gehe als gedacht, sagte einer der Insider. Beide sind seit Juni 2009 im Commerzbank-Vorstand, die Verträge laufen jeweils noch vier Jahre.

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Wer sich künftig um die Abbau-Einheit kümmern soll, blieb in den Aufsichtsratskreisen offen. Einer der verbleibenden sieben Vorstände muss auch den Posten des Arbeitsdirektors übernehmen. Diese Funktion ist im Betriebsverfassungsgesetz vorgeschrieben, vor Sieber hatte sie der damalige Finanzvorstand Eric Strutz nebenbei inne.

Bei der Online-Tochter Comdirect Bank ist ein Wechsel im Vorstand bereits öffentlich: Der seit fünf Jahren amtierende Finanzvorstand Christian Diekmann verlässt die Bank und wechselt als Geschäftsführer zum Hamburger Nahrungsmittel-Konzern Zertus, der Traubenzucker-Produkte ("Dextro Energy"), Zuckertütchen und Waffeln herstellt. An seine Stelle rückt bei Comdirect zum 1. Oktober der 41-jährige Holger Hohrein. Er war seit 2008 Bereichsleiter in Diekmanns Ressort und vorher neun Jahre lang Unternehmensberater bei McKinsey.

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