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Milliarden-Strafen für Banken Ein schwarzer Tag für die Londoner City

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Vertrauen in die Finanzmärkte soll wieder aufgebaut werden

Aitan Goelman von der US-Aufsicht CFTC brachte es so auf den Punkt: "Ein Markt funktioniert nur dann, wenn die Menschen Vertrauen haben können, dass der Prozess bei der Festlegung von Referenzwerten (Benchmarks) fair verläuft und nicht durch Manipulation und Missbrauch durch einige der größten Banken dieser Welt verzerrt wird".

Leider war dies aber nicht der Fall: Denn die Aufsichtsbehörden konstatierten, dass der Missbrauch in einigen Banken schon vor vielen Jahren begann und sich zum Teil bis in den Oktober 2013 hinein fortsetzte. Devisenhändler sprachen sich mit ihren Counterparts in anderen Häusern ab, um die sogenannten Fixingkurse zu beeinflussen. Dabei gaben sie Informationen über Kunden-Aufträge weiter oder einigten sich auf bestimmte Handelsstrategien.

Warum Referenzkurse so wichtig sind

Im Zentrum steht dabei das tägliche Fixing von Devisenkursen um vier Uhr nachmittags Londoner Zeit. Anders als beim Libor oder Goldpreis beruht das Fixing im Devisenhandel zwar nicht auf Schätzgrößen, sondern auf tatsächlich gehandelten Werten. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass während des fraglichen Zeitfensters von 60 bis 120 Sekunden gezielt große Orders platziert wurden, um den Kurs zu beeinflussen.

Ferner dürften manche Händler die eigenen Aufträge ihrer Bank in Kenntnis großer Kundengeschäfte abgewickelt haben, was im Grunde eine Art Insidergeschäft wäre. "Die Festlegung dieser Referenzkurse darf für die Banken nicht einfach eine weitere Gelegenheit sein, Gewinne zu machen.

Denn zahllose Individuen und Unternehmen auf der ganzen Welt verwenden diese Referenzwerte, um ihre Geschäfte abzuwickeln", so Goelman. Deshalb sei deren Integrität auch von so großer Bedeutung.

Osborne: "Ausrottung der Missstände"

Die Bank of England (BoE) veröffentlichte eine Erklärung, in der es hieß, kein einziger ihrer Mitarbeiter habe sich im Zusammenhang mit den Devisenmarktmanipulationen ein ungesetzliches oder unangemessenes Verhalten zu Schulden kommen lassen. Eine Aussage, die überrascht, weil die Notenbank den Chef ihrer Devisenmarktabteilung, Martin Mallet, entlassen hat.

Banken



Mallet war vor einiger Zeit kritisiert worden, weil er seine Vorgesetzten nicht alarmiert hatte, obwohl er von den Absprachen einiger Devisenhändler Kenntnis hatte. Laut BoE aber hatte Mallets Entlassung andere Gründe als die Vorgänge an den Devisenmärkten. Sie stehe im Zusammenhang mit einem internen Disziplinarverfahren.

Der britische Schatzkanzler (Finanzminister) George Osborne erklärte nach der Veröffentlichung der Strafgelder gegen die Spekulanten, diese seien Teil eines langfristigen Plans zur Ausrottung der Missstände in den britischen Banken und der britischen Wirtschaft. "Das Ganze bedeutet, dass die Welt wieder Vertrauen in die Integrität der Finanzmärkte Großbritanniens haben kann", versicherte er.

Die Aufarbeitung der Skandale in der City ist mit dem heutigen Tag aber keineswegs abgeschlossen, denn die Verhängung der Milliarden-Strafen gegen die fünf Großbanken stellt für die Aufsichtsbehörden nur ein Kapitel im Kampf gegen Marktmissbrauch und Manipulation dar.

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