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Nach Credit-Suisse-ÜbernahmeUBS-Vermögensverwaltung ernennt weitere rund 180 Manager

Für ein Dutzend Team sollen neue Manager ernannt worden sein. In den meisten Fällen werden die Posten mit UBS-Führungskräfte besetzt. Doch es gibt auch Ausnahmen. Was bedeutet das? 06.07.2023 - 20:25 Uhr
Foto: REUTERS

Nach der Übernahme der Credit Suisse hat die UBS im Kerngeschäft mit Millionären und Milliardären die nächste Führungsebene bestimmt. Für ein Dutzend Teams innerhalb der Division Global Wealth Management ernannte die Großbank rund 180 Manager, wie eine mit der Situation vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Die Ernennungen erfolgten mit wenigen Ausnahmen mit Wirkung zum 17. Juli. „Ziel ist es, unseren Kunden so schnell und nahtlos wie möglich das Beste aus unserer gemeinsamen Organisation zu bieten“, erklärte Divisionschef Iqbal Khan einer Reuters vorliegenden internen Mitteilung zufolge. Ein UBS-Sprecher bestätigte die Angaben.

Während die Mehrheit der Posten an Führungskräfte der alten UBS gehen, kommen in bestimmten Fällen auch Credit-Suisse-Manager zum Zug. Andreea Grob werde Leiterin der neugeschaffenen Region Türkei, Israel, Griechenland und Afrika. Puneet Matta übernehme die Leitung des Geschäfts mit indischen Kunden, das sowohl das Vorort-Geschäft der Credit Suisse als auch das grenzüberschreitende und bisher aus Dubai, London und Singapur betriebene Geschäft der UBS umfasse.

UBS – das ist der neue Bankenriese aus der Schweiz
Die UBS ist selbst ein Fusionsprodukt. 1998 schlossen sich der Schweizerische Bankverein (SBV) und die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) zur UBS zusammen. Die Wurzeln des Instituts reichen bis in das Jahr 1862 zurück. Seit damals wurden mehr als 370 Privatbanken, Sparkassen, Vermögensverwalter, Broker und Geschäftsbanken integriert. In der Finanzkrise 2008 musste das Institut von der Schweizerischen Nationalbank und der Regierung des Landes gerettet werden. Danach dampfte sie das riskante Investmentbanking ein und richtete sich vor allem auf das Geschäft mit Millionären und Milliardären aus. 2021 verlor die Bank im Zuge des Archegos-Zusammenbruchs aber nochmals hunderte Millionen Dollar. Negativ-Schlagzeilen machte die Bank auch mit Rechtsfällen wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung wie etwa in Frankreich und den USA.
Die UBS gehört zu den weltweit größten Vermögensverwaltern für reiche Privatpersonen. Zusammen mit Credit Suisse wird sie mit Anlagevermögen von 3,4 Billionen Dollar hinter der amerikanischen Morgan Stanley zur globalen Nummer zwei in dem Geschäft. Daneben betreibt sie wie die Credit Suisse im Heimmarkt ein großes Privat- und Firmenkundengeschäft. Zusammen werden sie vor Raiffeisen die klare Nummer eins mit Kundeneinlagen von 333 Milliarden Franken und einem Kreditvolumen von 307 Milliarden Franken. Im Asset Management für Profikunden wie Pensionskassen steigt die fusionierte Bank mit Anlagevermögen von 1,5 Billionen Dollar zu den führenden Häusern Europas auf. Das vierte Geschäftsfeld ist das Investmentbanking mit Handel und der Beratung von Firmen etwa bei Unternehmenszusammenschlüssen. Das Handelsgeschäft der Credit Suisse, das dem Institut Milliardenverluste einbrockte, wird abgewickelt.
Dank der Größenvorteile dürfte die UBS die Kosten senken und das Angebot ausbauen können. Im Wachstumsmarkt Asien schließen sich die Nummer eins UBS und die Nummer zwei im Geschäft mit Reichen und Superreichen zusammen. Vor allem in Südostasien verstärkt sich die UBS dank des Zukaufs. Im zweiten Wachstumsmarkt USA nimmt die Schlagkraft der UBS im Geschäft mit Ultrareichen zu. Ab 2027 dürfte sich der Deal positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken. 2022 fuhr die UBS einen Gewinn von 7,6 Milliarden Dollar ein und schaffte damit das beste Ergebnis seit 16 Jahren. Credit Suisse erlitt dagegen einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken.
Zusammen kommen UBS und Credit Suisse gegenwärtig auf rund 120.000 Mitarbeiter. Einem Insider zufolge dürften aber mindestens 10.000 Jobs abgebaut werden, vor allem bei der Credit Suisse.Die kombinierte Bilanzsumme von 1,7 Billionen Dollar ist laut Analysten von Citi mehr als das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts der Schweiz. Dies läuft den Interessen der Schweiz eigentlich zuwider, denn eine Rettung dieses Giganten könnte die Kräfte des Landes übersteigen. Bereits heute gelten Credit Suisse und UBS als zwei der weltweit 30 Banken, deren Ausfall das ganze Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen könnten.
„Aus der Komplexität der Transaktion ergeben sich diverse Unwägbarkeiten“, erklärte ZKB-Analyst Michael Klien. Dazu gehörten Umsetzungsrisiken und Kulturkonflikte. Kunden, die Konten bei beiden Banken haben und ihre Risiken streuen wollten, könnten zudem einen Teil ihres Geldes abziehen. Dazu könnten Rechtsstreitigkeiten kommen. „Dieser Deal wird zwangsläufig juristischen und politischen Widerstand hervorrufen“, erklärte Octavio Marenzi, Chef der Finanzberatung Opimas. Die Schweizer Regierung habe von Notstandsbefugnissen Gebrauch gemacht, um diese Fusion durchzusetzen. „Eine rechtliche Anfechtung durch die Aktionäre der Credit Suisse, die ihr Eigentum als widerrechtlich beschlagnahmt sehen, ist garantiert.“
Am Ruder bleiben die bisherigen UBS-Steuermänner, Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher und CEO Ralph Hamers. Kelleher dementierte in der Vergangenheit Spekulationen, dass die beiden Konflikte haben. Zudem warfen Medien zuletzt die Frage auf, ob nicht der krisengestählte frühere Morgan-Stanley-Finanzchef Kelleher besser für den CEO-Posten geeignet sein könnte als der Retailbanker und Digitalisierungsexperte Hamers.(Stand: 20. März 2023)

Wie in Indien kehrt die UBS durch den Zukauf auch in Australien in einen Markt zurück, den das Institut zuvor verlassen hatte. Head Global Wealth Management Australia wird CS-Manager Michael Marr.

Mit der Ernennung der Führungskräfte ist nun auch klar, dass die UBS das Schiffsfinanzierungsgeschäft der Credit Suisse übernimmt. Dieses wird dem Insider zufolge Teil der neu formierten Einheit Aircraft and Shipping Finance, die der UBS-Manager Ruben Mangold verantworte. UBS war bisher in der Flugzeugfinanzierung stark. In der Region Nord- und Südamerika stoße die Morgan-Stanley-Bankerin Lisa Golia in den kommenden Monaten zur UBS und übernehme dort die Funktion Chief Operating Officer für die USA.

Um einen Bankensturm zu beenden, orchestrierte die Schweizer Regierung Mitte März eine Not-Übernahme der Credit Suisse durch die UBS. Mitte Juni wurde die größte Übernahme in der Bankbranche seit der Finanzkrise vollzogen. Erste Weichenstellungen hatte der für die Integration der Credit Suisse zurückgeholte UBS-Chef Sergio Ermotti bereits vorgenommen.

So stellte er im Mai die Konzernleitung neu auf, im Juni folgte die Ebene unter der Konzernleitung und nun die Stufe darunter. Im Investmentbanking sollen die Führungskräfte dieser Ebene bis Mitte Juli feststehen. Das Asset Management hat dies bereits abgehakt.

Länger dauern dürfte es im Schweizer Geschäft. Ermotti hat in Aussicht gestellt, bis zum Ende des Sommers eine Entscheidung zu treffen, ob das Schweizer Geschäft der Credit Suisse in die UBS integriert oder abgespalten werden soll. „UBS prüft weiterhin sorgfältig alle Optionen für das Schweizer Geschäft der Credit Suisse“, erklärte Khan. In seiner eigenen Division Wealth Management hat er sich vorgenommen, die nächste Management-Stufe bis zum Ende des Monats zu ernennen.

Lesen Sie auch: Das bedeutet der UBS-Credit-Suisse-Deal

rtr
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