Nach Kirch-Urteil Horrorwoche für die Deutsche Bank

Vorwurf der Bilanzfälschung, Ermittlungen gegen Co-Chef Fitschen und die Niederlage im Kirch-Prozess - eine so heftige Woche gab es noch nie. Die Deutsche Bank muss umsteuern.

Vorwurf der Bilanzfälschung, Ermittlungen wegen Steuerbetrug und jetzt die Niederlage im Kirch-Prozess - eine ähnlich heftige Woche hat es für die Deutsche Bank wohl noch nie gegeben. Quelle: dpa

Dass die Deutsche Bank den Prozess wegen ihrer Verwicklung in die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch Anfang 2002 verlieren würde, war seit Monaten absehbar. Dennoch ist es zehn Jahre nach Beginn der Auseinandersetzungen eine Sensation. Vor Beginn des Verfahrens vor dem OLG München hatte kaum mehr jemand mit einer Niederlage gerechnet. Zu lästig waren die Auftritte der Kirch-Vertreter bei den Hauptversammlungen, zu gewagt manche Verschwörungstheorien, die sie dort und anderswo präsentierten.

Die Brennpunkte der Deutschen Bank
BerlinDas Verhältnis der Deutschen Bank zur Politik war unter Ackermann zwiespältig. Das soll nun vor allem Co-Chef Fitschen pflegen. Quelle: Reuters
FrankfurtIn der Deutschen-Bank-Zentrale fürchten einige Manager zu viel Einfluss der Investmentbanker. Als Beleg sehen Skeptiker die Besetzung der Top-Position im Risikomanagement durch einen Getreuen von Co-Chef Jain. Quelle: Laif
BonnDer kommende Postbank-Chef Frank Strauß soll Ertragskraft und Effizienz des größten Zukaufs der Ära Ackermann stärken. Dafür muss er vor allem kulturelle Differenzen in den Griff bekommen. Quelle: dpa
LondonDie Zentrale der Investmentsparte der Deutschen Bank sitzt in London und beeindruckt Besucher mit moderner Kunst. Sie will von der Schwäche der Konkurrenz profitieren und weltweit unter die Top 3 vorstoßen. Quelle: Laif
New YorkWegen ihrer zweifelhaften Rolle in der Verbriefung minderwertiger Hypothekenkredite protestieren Hausbesitzer in den USA gegen die Deutsche Bank. Die Schadensersatzforderungen belasten das neue Duo an der Spitze. Quelle: Reuters
PekingDas Geschäft in Asien wird für die Deutsche Bank trotz staatlicher Beschränkungen immer wichtiger. Am größten sind die Wachstumsaussichten in China. Aber auch Indien erweist sich als unausgeschöpftes Finanzreservoir. Quelle: Laif

Dass Richter Guido Kotschy überhaupt in die Beweisaufnahme eintrat und Zeugen vernahm, galt deshalb schon als Überraschung. Im Lauf der Jahre fräste er sich immer tiefer in die in Jahren aufgetürmten meterhohen Aktenberge. Mag der Prozess dabei teilweise auch skurrile Züge angenommen haben, mag die juristische Argumentation in vielen Beschlüssen des Gerichts auch grenzwertig sein, mag Kotschys Meinung sich nach einer Weile auch derart verfestigt haben, dass er sich durch nichts und niemand mehr von ihr abbringen ließ: Letztlich blieben Widersprüche, die die Bank auch durch Aufbieten ihres gesamten Vorstands als Zeugen nicht komplett ausräumen konnte. Ihre letzten Argumente waren nicht mehr als Rückzugsgefechte.

Die wichtigsten Stationen im Streit zwischen Deutscher Bank und Kirch

Eine schwere Niederlage ist das Urteil auch für die Deutsche-Bank-Hauskanzlei Hengeler Müller. Die hatte von Beginn an die Auffassung vertreten, dass die Bank auf keinen Fall zahlen müsse. Das war zwar durchaus nachvollziehbar, aber eben nicht die einzige Wahrheit, an die man glauben konnte. Sämtliche immer mal wieder versuchten Vergleichsgespräche scheiterten letztlich an diesem Dogmatismus. Selbst als die Deutsche Bank sich vergleichen wollte, konnte sie das nicht m ehr, weil sie den Widerstand ihrer Aktionäre fürchten musste. Nun hat das Gericht nicht einmal die Revision zugelassen. Auch dagegen kann die Bank noch vorgehen. Die Aussichten aber stehen schlecht. Ein Triumph ist das Urteil in jedem Fall für die Kirch-Anwälte der kleinen Kanzlei Bub Gauweiler.

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