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Nach Stresstest-Debakel Deutsche Bank: Suche Krisenmanager, biete viel zu tun

Deutsche Bank Stresstest Quelle: REUTERS

Die Deutsche Bank ist das einzige Institut, das durch den US-Stresstest durchfällt. Sie braucht jetzt gute Krisenmanager, um eine gefährliche Abwärtsspirale zu verhindern.

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Mit dem Krisenmanagement ist es dieser Tage so eine Sache. Bundestrainer Jogi Löw demonstrierte, wie man es nicht macht. Das morgendliche Joggen am Strand von Sotschi und der Flirt mit dem Laternenpfahl halfen nicht viel, seine DFB-Elf wurde immer unsicherer und schied am Ende zu Recht aus der WM aus. Etwas besser stellte sich jüngst Bundeskanzlerin Angela Merkel an, die nach ihrem Brüsseler Gipfel in der Nacht zum Freitag die überraschende Wende im EU-Asylstreit verkünden durfte.
Auch Deutsche Bank-Chef Christian Sewing ist mehr denn je als Krisenmanager gefragt. Er muss nun weniger Löw und mehr Merkel sein, um das Steuer bei der Deutschen Bank rechtzeitig rumzureißen. Gelingt ihm das nicht, droht dem Institut eine Abwärtsspirale aus schlechten Nachrichten, die schnell in die Bedeutungslosigkeit führen könnte.

Eine dieser schlechten Nachrichten kam am Donnerstagabend um 22.30 Uhr. Als einziges der 34 untersuchten Institute ist die Deutsche Bank durch den zweiten Teil des Stresstests der US-Notenbank Fed durchgefallen. „Kritische Defizite“ bei der Kapitalplanung fanden die Aufseher. Vor allem Datenverfügbarkeit, interne Kontrollen und Prognosen waren aus Sicht der US-Prüfer nicht ausreichend. Und damit bemängeln sie insbesondere das Krisenmanagement. Ausgerechnet.

Nun bezieht sich der Test bei weitem nicht auf die gesamte Bank. Unter die Lupe genommen wird nur eine Art Zwischenholding, die DB USA Corporation. Ihre Assets entsprechen rund 28 Prozent des US-Geschäfts und nur rund sieben Prozent der Bilanzsumme der gesamten Bank. Auch die Folgen des Durchfallens dürften überschaubar ausfallen. Unter anderem darf die US-Holding kein Geld an die Frankfurter Mutter ausschütten. Es ist ja nach 2015 und 2016 auch nicht das erste Mal, dass die Deutsche Bank den Test der Fed nicht besteht. Folgerichtig versucht sie zu beschwichtigen, erklärt, sie habe „umfangreich investiert“, um Kapitalplanungen und Kontrollen zu verbessern.
Es ist aber vielmehr das düstere Signal, das von dem Test ausgeht – verdeutlicht er doch nur allzu unschön, wo die Deutsche Bank gerade steht. Diese einst so stolze, sich national und weltweit für unschlagbar haltende Bank, läuft global weit abgeschlagen hinterher. Die US-Banken sind ihr schon lange entrannt, aber auch die europäische Konkurrenz von UBS bis Credit Suisse gewinnt ein Mandat nach dem anderen und schaffte die Prüfung der US-Aufseher. Die Deutsche Bank verliert hier zunehmend Marktanteile.

Dabei ist sie kapitalseitig seit der Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr gut ausgestattet. Aber angesichts siechender Erträge und viel zu hoher Kosten fällt das für Investoren kaum ins Gewicht. Allein in den vergangenen gut drei Monaten, seit Christian Sewing an die Spitze der Bank gerückt ist, hat die Aktie noch mal um rund 20 Prozent an Wert verloren.
Sewing muss also dringend zeigen, dass er Krisenmanager kann. Muss versuchen, mit seiner Strategie gegen die schlechten Nachrichten anzuarbeiten. Leicht wird das nicht, denn Kosten zu senken kostet Zeit. Zeit, die Sewing eigentlich nicht hat. Bis seine Kürzungen im Investmentbanking und beim Personal auf der Kostenseite fruchten, wird noch Zeit vergehen. Um die Investoren auch zwischenzeitlich bei Laune zu halten, ist der Krisenmanager also auf steigende Erträge angewiesen.

Deutsche Bank fällt bei Stresstest durch.

Allein wird Sewing diese Gradwanderung kaum schaffen. Die Bank braucht zum Beispiel einen Kundenmann wie Ex-Co-Chef Jürgen Fitschen es war, um ihre Erträge im Geschäft mit deutschen Firmenkunden wieder deutlich zu steigern. Auch die überaltete IT der Bank würde einen Aufräumer gut vertragen. Sewing braucht also erfahrene Krisenmanager an seiner Seite. Nicht solche wie Löw und Merkel, sondern welche, die wirklich etwas davon verstehen.

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