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Nachhilfe von "Maschi" Maschmeyer coachte bei der Deutschen Bank

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"Maschmeyer passt nicht zum Image der Deutschen Bank"

Maschmeyer bewegte sich zwar im Bereich des Erlaubten. Doch fraglich ist, ob das ausreicht, um als Vorbild für die Deutsche Bank zu taugen, die im Privatkundengeschäft ein vergleichsweise seriöses Image genießt. Welcher Manager der Bank entschieden hat, Maschmeyer zu engagieren, will das Institut nicht sagen.

Es bestätigt aber, dass Führungskräfte aus dem Vertrieb zwischen November 2012 und August 2013 von Maschmeyer zu den Themen Mitarbeitermotivation und Personalakquise geschult wurden. Zum Honorar heißt es nur, dass es „marktüblich“ gewesen sei.

Maschmeyer gab Autogramme

Ein Teilnehmer erinnert sich, dass es ein „launiger Termin“ gewesen sei. Man habe viel gelacht. Maschmeyer habe am Ende sein Buch „Selfmade“ verteilt und signiert.

Die Botschaft, die die Deutsche Bank mit dem Engagement Maschmeyers an die eigenen Truppen aussendet, ist erklärungsbedürftig. „Sollen wir uns jetzt am AWD orientieren?“, rätselt ein Deutschbanker. Maschmeyer stehe doch für eine aggressive Vertriebskultur, von der sich die Deutsche eher distanzieren solle, sagt ein anderer. Der Ex-AWD-Chef passe nicht zum Image der Bank.

Als Maschmeyer seine Dienste 2010 bei dem Institut anbot, lernte er auch Frank Strauß kennen, damals Top-Manager im Privatkundengeschäft. Strauß kümmerte sich später um die Kooperation mit der Postbank, die die Deutsche ab 2008 in mehreren Schritten übernommen hat, und wurde Mitte 2012 Postbank-Chef.

Die hatte unter dem Namen Postbank Finanzberatung AG einen Vertrieb mit selbstständigen Beratern hochgezogen, die die Postbank-Kunden abgrasen und ihnen zusätzlich zum Giro- und Sparkonto Anlageprodukte wie Fonds oder Bausparverträge verkaufen sollten.

Maschmeyer sollte den Laden umkrempeln

Als Strauß das Ruder übernahm, war die Tochter in einem katastrophalen Zustand. Die Berater wurden Postbank-Produkte wie Fonds nur schwer los, teilweise waren sie gar nicht imstande, alle Produkte anzubieten, weil es ihnen an Qualifikation mangelte. Führungskräfte hatten versucht, das Problem mit Druck zu lösen.

Die WirtschaftsWoche deckte auf, dass Vertreter in Süddeutschland, die zu wenig verkauften, von ihrem Chef als „Schwachmaten“ bezeichnet wurden und sich die Vertriebsvorgaben an den Wünschen der Bank anstatt am Bedarf der Kunden orientierten. Aber auch diese Methoden nutzten nichts: Zwischen 2009 und 2012 schrieb die Tochter – teils zweistellige – Millionenverluste pro Jahr.

In Arbeit
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Strauß holte Maschmeyer an Bord, um den Laden umzukrempeln. Er half dabei, die Sparte Vermögensberatung für wohlhabende Kunden abzuwickeln. Das Produktportfolio wurde um riskante Anlagen wie geschlossene Fonds bereinigt.

Hinzu kamen Maschmeyers Motivationsseminare, die laut einer Stellungnahme der Postbank schwerpunktmäßig in den Jahren 2011 und 2012 im Rahmen des Veränderungsprozesses bei der Postbank Finanzberatung stattgefunden haben sollen.

Ob Maschmeyer sein Geld wert war, ist allerdings unklar: Die Postbank ließ Fragen zum Erfolg der Seminare unbeantwortet.

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