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Neue Commerzbank-Strategie Per Radikalumbau ins Ungewisse

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Aufspaltung und doppeltes Wachstumstempo

Zielke wollte sich nicht festlegen, ob es auch betriebsbedingte Kündigungen geben wird. Offen ist auch, in welchen Bereichen die Stellen wegfallen, viele davon dürften im Back-office angesiedelt sein. Ihm sei der Personalabbau sehr schwer gefallen, sagte der Commerzbank-Chef.

2. Die Umstrukturierung

Wie bereits durchgesickert war, wird die Commerzbank ihre bisherige Mittelstandsbank in zwei Teile auftrennen. Die sogenannten Unternehmerkunden, laut Zielke eigentümergeführte Unternehmen mit bis zu 15 Millionen Euro Jahresumsatz, werden künftig in der Privatkundensparte von Vorstand Michael Mandel betreut. Größere Firmenkunden, bei denen die Bank unter anderem das Auslandsgeschäft begleiten will, werden im neuen Segment Firmenkunden betreut, welches aus einer reduzierten Version der Investmentbank hervorgeht und von deren Vorstand Michael Reuther geleitet wird. Das Investmentbanking wird deutlich reduziert, die Bank trennt sich von Geschäften, die keinen Bezug zu den Kernkunden haben. "Zum Beispiel den Handel mit exotischen Derivaten", sagt Zielke.

3. Wo will die Bank wachsen?

Neben Effizienzsteigerungen durch digitalisierte Prozesse will die Commerzbank im Segment Privat- und Unternehmerkunden "schnelles Wachstum" erzielen. Bis 2020 will die Bank zwei Millionen neue Kunden gewinnen. Ihr Ziel, bis Ende 2016 netto eine Million neue Kunden zu gewinnen, wird das Institut wohl erreichen, das Wachstum soll nun verdoppelt werden. Ende 2020 will die Bank dann rund 14 Millionen Kunden vorweisen. Das sei "ambitioniert", sagte Zielke, der vor seinem Wechsel auf den Vorstandsposten selber Chef der Sparte war. Pro Kunde rechnet die Bank mit Erträgen zwischen 200 und 300 Euro im Jahr. Vor allem aus dem Geschäft mit Ratenkrediten, welches künftig in die eigenen Bücher genommen wird, sollen die Erträge deutlich steigen.

Wachstum sollen auch die Unternehmerkunden bringen, hier will die Bank ihren Marktanteil von fünf auch acht Prozent steigern. Bescheiden sind dagegen die Ambitionen im Firmenkundengeschäft, statt auf radikales Wachstum setzt die Bank hier lieber auf bewerte Stärken. Das heiße nicht, so Zielke, dass man nicht auch hier wachsen könnte. Die Bank sei aber in diesem Bereich schon Marktführer, das Niveau sei einfach ein anderes als im Privatkundengeschäft.

Insgesamt sind die ambitionierten Wachstumspläne umstritten. Auch viele Commerzbanker sind nicht davon überzeugt, dass mit Gratis-Konten und Willkommensbonus die richtigen Kunden gewonnen werden. Zumal es kaum Banken gibt, die einen ähnlichen Weg gehen. Während die Konkurrenz reihenweise Filialen schließt, will die Commerzbank in der Fläche bleiben.

"Wir digitalisieren vollständig und über alle Prozesse", erklärte Zielke am Freitag in seiner Rede. Innovationen wie der Digital Campus, in dem Mitarbeiter einzelne Prozesse digitalisieren sollen zeigen, wie radikal Zielke die Commerzbank verändern will.

Gut möglich also, dass derlei Pannen im Intranet künftig nicht mehr passieren. Ob die Commerzbank 4.0 aber langfristig profitabel wird, das steht wohl trotzdem in den Sternen.

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