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Neue Strategie Warum die Commerzbank gegen den Strom schwimmt

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Bescheidene Erwartungen

Da die Commerzbank vor allem von Zinserträgen lebt, scheint schnelle Besserung schwierig. Die Erwartungen an die neue Strategie sind entsprechend bescheiden. „Ich erhoffe mir davon keinen großen Wurf“, sagt Equinet-Analyst Philipp Häßler. Intern wird die Strategie, die der Vorstand gemeinsam mit Beratern von McKinsey ertüftelt, allerdings sehnsüchtig erwartet.

Die Unsicherheit unter den Mitarbeitern ist groß, viele rechnen fest damit, dass die Bank um Stellenstreichungen nicht herumkommen wird. Aber selbst auf einem wichtigen Branchentreffen am Mittwoch ließ sich Zielke keine Details zum neuen Weg entlocken, vertrat aber selbstsicher sein Bekenntnis zur Filiale. „Die künftige Strategie ist digital und analog“, sagte Zielke. Neben dem Sparprogramm soll das Modethema Digitalisierung Euphorie entfachen. Hier sieht sich die Bank als Vorreiterin. Auf einer einzigen Plattform will sie künftig sämtliche Aktivitäten aller Kanäle digital bündeln. In Kreisen der Bank heißt es, das Konstrukt mit dem recht einfallslosen Namen „One“ gehe im vierten Quartal dieses Jahres an den Start.

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Kunden und Berater können dann auf eine Datenbank zugreifen und dort von Kanal zu Kanal springen, Bankgeschäfte per Smartphone oder in der Filiale abwickeln. „Wir machen das so, wie ein Fintech das machen würde“, sagt ein hochrangiger Commerzbanker. Innerhalb der nächsten drei Jahre will die Bank rund 80 Prozent ihres Geschäfts digitalisieren. Als Vorbild dient die polnische Konzerntochter Bank, das digitale Versuchslabor der Commerzbank. Auch das Konzept der Flagship-Filiale stammt aus Warschau. Bis zu 100 Vorzeigezweigstellen plant die Bank, in denen es neben Beratungstischen auch Lounges mit Kaffeeautomaten und WLAN geben soll. Rund eine Million Euro kostet der Umbau jeweils. Ergänzt werden sie durch kleine City-Filialen, in denen Kunden auf komplexe Beratung verzichten müssen.

Anders als die anderen

„Wer Filialen schließt, wächst nicht“, sagte Zielke am Mittwoch in Frankfurt. Experten sind skeptisch, ob der Plan in einer digitalen Welt, die Filialbesuche zunehmend überflüssig macht, aufgeht. „Auch die Commerzbank wird sich dem Trend auf Dauer nicht entziehen können“, warnt ein Branchenkenner. Vor allem langfristig würden sich Filialschließungen kostenseitig auszahlen.

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Zielke und Mandel halten dem entgegen, dass der Filialbetrieb nur einen Bruchteil der Kosten im Privatkundengeschäft ausmacht. Sie wollen vor allem für eine bessere Auslastung sorgen. Statt wie bisher 8000 Kunden soll eine Filiale künftig eher 12.000 Kunden betreuen. Rund 300.000 Neukunden im Jahr würden die Vorstände gerne begrüßen. Willkommensboni und Kostenloskonto haben das Wachstum zuletzt befördert. An Letzterem wollen Mandel und Zielke festhalten, das Begrüßungsgeld soll es aber nicht immer geben. „Sonst verliert das seinen Aktionscharakter“, heißt es in der Bank.

Auf dem Papier war die Kundenoffensive erfolgreich. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete das Privatkundengeschäft 371 Millionen Euro vor Steuern, davon 58 Millionen aus einem Beteiligungsverkauf, und stützt so wesentlich das Konzern-Vorsteuerergebnis von 615 Millionen Euro.

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