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New York Notes

Banken sollen sich aufspalten

Angela Hennersdorf
Angela Hennersdorf Redakteurin Unternehmen & Märkte

Ex-Citigroup-Chef Sandy Weill fordert die Aufspaltung großer Banken – eine erstaunliche, vor allem aber späte Einsicht. Wenn es nur so einfach wäre.

Sandy Weill, damaliger Vorstandsvorsitzender der Citigroup Quelle: dapd

Hört, hört riefen sich die Banker an der Wall Street in dieser Woche zu und warfen sich ungläubige Blicke zu: Der große Sandy hält nichts mehr von seinem Lebenswerk: "Was wir wahrscheinlich tun sollten, ist, das Investmentbankengeschäft vom Bankgeschäft abzutrennen", sagte der 79-jährige Ex-Citigroup-Chef Sandy Weill in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNBC in dieser Woche.

Um keine Steuergelder aufs Spiel zu setzen, sollten Banken nicht "too big to fail" - zu groß zum Scheitern - sein. „Was ist nur in den gefahren?“, fragt ein Wall-Street-Banker erstaunt. „Will der Schlimmeres an Regulierung in Washington verhindern – oder was ist los?“

Abtrennung des Investmentbankings bisher gescheitert

Der Sinneswandel des alten Bankers ist tatsächlich sehr verwunderlich. Kurz nach der Finanzkrise hörte die Branche dazu kein Wort vom großen Sandy. Die Citigroup, dessen Chef er bis 2006 war, überlebte die Finanzkrise 2008 nur dank staatlicher Rettungsgelder in Höhe von 45 Milliarden Dollar.

Sanford "Sandy" Weill hat mit der Schaffung der Citigroup im Jahre 1998 das Zeitalter der Bankenkonglomerate an der Wall Street überhaupt erst eingeläutet. Damals hatte er die Fusion der Travelers Group mit der Bank Citicorp eingefädelt. Der Kauf ging nur durch, weil die Finanzlobby – allen voran Mr. Weill - Washington davon überzeugte, das bis dahin geltende Trennbanken-System in Amerika aufzuheben. Das Glass-Steagall-Gesetz, in dem die Trennung der beiden Bereiche festgelegt war, wurde aufgehoben. Die mit der Fusion neu geschaffene Citigroup mauserte sich zur größten Bank der Welt – bis 2008.

Seit der Finanzkrise vor fast fünf Jahren diskutieren Politiker und Finanzaufsichtsbehörden über eine Abtrennung des Investment-Banking – bisher ist daraus nichts geworden. Gescheitert sind sämtliche Versuche aufgrund der starken Gegenwehr der Finanzlobby.

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