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Niedrigzinsenphase Kunden ziehen Geld bei Sparkassen ab

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase und der steigenden Konkurrenz durch ausländische Institute ziehen offenbar zahlreiche Kunden Geld bei den Sparkassen in Hessen und Thüringen ab.

Das Logo der Sparkasse. Quelle: dpa

Im ersten Halbjahr seien die Kundeneinlagen um 419 Millionen Euro auf 83,6 Milliarden Euro zurückgegangen, wie der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen (SGVHT) am Montag mitteilte. Der Rückgang ist bisher zwar moderat, SGVHT-Chef Gerhard Grandke fürchtet in den kommenden Monaten aber eine Fortsetzung des Abwärtstrends - ähnlich wie viele andere Sparkassen in ganz Deutschland.

Zahlreiche Banken aus dem In- und Ausland - darunter auch staatlich gestützte Institute - würden Sparer in Deutschland mit vergleichsweise hohe Zinsen locken, klagte Grandke. "Diese Institute bieten Konditionen, die betriebswirtschaftlich nicht zu rechtfertigen sind. Damit graben sie uns das Wasser ab." Den Sparkassen macht zudem zu schaffen, dass ihre Kunden wegen der niedrigen Zinsen verstärkt auf kurzfristige Anlageformen setzen - und ihr Erspartes oft auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen. Um diese Gelder zur Vergabe langfristige Kredite verwenden zu können, müssen die Sparkassen teure Absicherungsgeschäfte eingehen. Im ersten Halbjahr gaben die 50 Sparkassen in Hessen und Thüringen dafür rund 160 Millionen Euro aus - den Großteil davon für Zinsswaps.

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Weil auch der Verwaltungsaufwand stieg, ging das Betriebsergebnis vor Bewertungseffekten im ersten Halbjahr um sechs Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück und dürfte auch im Gesamtjahr schwächer ausfallen als 2011. Unter dem Strich werden die Banken nach Ansicht von Grandke aber mehr Gewinn machen, da im Gegensatz zu 2011 dieses Mal nicht mit Abschreibungen auf ihren Anteil an der Landesbank Berlin zu rechnen sei.

Die Sparkassen in Hessen und Thüringen sind Mehrheitseigner der Helaba. Das Institut ist nach der Übernahme der WestLB -Verbundbank zu einer der wichtigsten Landesbanken aufgestiegen und künftig als Zentralbank für 40 Prozent aller Sparkassen in Deutschland zuständig. Der Fokus müsse nun auf der Integration der Geschäfte und von 451 Mitarbeiter liegen, sagte Grandke. Eine weitere Expansion stehe nicht auf der Agenda. "Wir treten nicht kolonial an."

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Grandke, der für die SPD lange Zeit Oberbürgermeister von Offenbach war, zählt dank des Aufstiegs der Helaba zu einem der stärksten Männer in der Sparkassen-Finanzgruppe - und als potenzielles Gegengewicht zu CSU-Mann Georg Fahrenschon, der seit Mitte Mai Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) ist. Er habe ein entspanntes Verhältnis zu Fahrenschon und sei mit ihm bei vielen Fragen einer Meinung, erklärte Grandke. In bestimmten Bereichen könne es aber durchaus "divergierende Interessen" geben.

Gar nicht angetan ist Grandke beispielsweise von Fahrenschons Gedankenspielen, die zehn Landesbausparkassen (LBS) enger aneinander zu binden. In Hessen und Thüringen sei die LBS in die Helaba integriert und erfolgreich, sagte Gradke. "Ich sehe keine Veranlassung, daran etwas zu verändern." Dass der DSGV in der Öffentlichkeit über das Thema spricht, ohne Eigner der Landesbausparkassen zu sein, findet Grandke befremdlich. "Dem DSGV gehört gar nichts. Die Kisten gehören uns." Auch Bayerns Sparkassenpräsident Theo Zellner ist gegen eine Fusion der bayerischen LBS mit anderen Landesbausparkasse.

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