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Portugal Banco Espirito Santo bemüht sich um Schadensbegrenzung

Die Aktien von Portugals Großbank Espírito Santo wurden vom Handel ausgesetzt. Die Finanzmärkte reagierten nervös, die Angst vor einer neuen Krise geht um. Das portugiesische Geldhaus versucht, zu beruhigen.

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Espirito Santo widerspricht Pleitegerüchten

Machtkampf in einer Bankerdynastie und finanzielle Schwierigkeiten eines Großaktionärs: In Portugal wachsen die Sorgen um die Großbank Banco Espírito Santo (BES). Die Börsenaufsicht CMVM in Lissabon setzte am Donnerstag die Notierung der Aktien der größten Privatbank des Landes bis auf weiteres aus. Die Lage des Geldhauses, das in Portugal bislang als ein Inbegriff der Seriosität gilt, löste auch auf den internationalen Finanzmärkten Unruhe aus.

Nun bemüht sich die portugiesische Bank Espirito Santo in der Debatte über Zahlungsprobleme ihrer Gründerfamilie um Schadensbegrenzung. Die eigene Kapitaldecke sei ausreichend dick, erklärte das größte börsennotierte Geldhaus des Landes in der Nacht zum Freitag. Zum Ende des ersten Quartals seien die regulatorischen Mindestanforderungen um gut zwei Milliarden Euro übertroffen worden, im Juni sei eine weitere Milliarde durch eine Kapitalerhöhung hinzugekommen. Damals verlor die gleichnamige Bankiersfamilie die Kontrolle über die Bank. Sie blieb mit einem Anteil von 25 Prozent aber größter Aktionär.

Portugal

In genau dieser engen Verflechtung liegt das Problem: Denn das Aktienpaket ist in der Espirito Santo Financial Group (ESFG) gebündelt, die wiederum an die Muttergesellschaft Espirito Santo International (ESI) angedockt ist. Gegen diese in Luxemburg ansässige Holding ermitteln die Behörden seit einiger Zeit wegen massiver Unregelmäßigkeiten. Laut Medienberichten soll die Gesellschaft über sieben Milliarden Euro Schulden haben, die sie nicht komplett bedienen kann. Finanzkreisen zufolge wird nach wie vor mit Hochdruck an einem Rettungsplan gearbeitet.

Investoren müssten nicht um die Stabilität des Finanzsystems fürchten, sagte Portugals Ministerpräsident Pedro Passos Coelho. Am Donnerstag hatte unter Anlegern die Sorge dominiert, die Probleme könnten in letzter Konsequenz auch das Bankhaus erfassen, völlig außer Kontrolle geraten und damit den gesamten portugiesischen Finanzsektor in die Krise stürzen. Das wäre ein Rückschlag für das südeuropäische Euro-Land, das gerade erst den Rettungsschirm verlassen hat und sich mühsam wieder über die Kapitalmärkte finanzieren kann.

Nicht zuletzt zählt die Banco Espirito Santo zu jenen Großbanken, die künftig von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt werden sollen und ist damit Teilnehmer des laufenden Stresstests. Jede Negativ-Schlagzeile ist hier Gift für das Vertrauen der Anleger. Daher stellte sich inzwischen auch die portugiesische Zentralbank hinter das Institut und erklärte, dieses stehe solide da.

„Wenn es Espírito Santo gut geht, geht es auch Portugal gut.“

Der BES-Großaktionär ESFG (Espírito Santo Financial Group) hatte am Donnerstagmorgen zuvor die Notierung seiner Aktien in Lissabon und Luxemburg auf eigenen Wunsch aussetzen lassen. Die Aktienkurse der Bank und der Holding ESFG waren in den vergangenen zwei Wochen um mehr als 40 Prozent gesunken.

Dazu dürfte ein Machtkampf innerhalb der Gründerfamilie des alteingesessenen Geldhauses um die Nachfolge des langjährigen Konzernchefs Ricardo Salgado beitragen haben. Die Aktionärsversammlung soll am 31. Juli einen Nachfolger wählen. Die Bank spielt in der Wirtschaft Portugals eine herausragende Rolle. Seit langem kursiert in dem Land der Spruch: „Wenn es Espírito Santo gut geht, geht es auch Portugal gut.“ Zu den Werbeträgern gehört der Weltklassefußballer Cristiano Ronaldo.

Portugals Ministerpräsident Pedro Passos Coelho hatte kürzlich davor gewarnt, die - von der Gründerfamilie kontrollierte - Holding mit der Bank zu verwechseln. „Die Holdinggesellschaft hat gewisse Schwierigkeiten, und die Verantwortlichen werden diese Probleme lösen“, betonte der Regierungschef.

„Aber es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es bei der Bank ein Problem gibt.“ Die ESFG ist mit 25 Prozent am Aktienkapital beteiligt. „Beide Unternehmen hießen zwar 'Espírito Santo' (auf Deutsch: Heiliger Geist), sind aber zwei völlig verschiedene Dinge“, sagte Passos Coelho. Die Lösung der Probleme bei der Holding sei nicht die Aufgabe der Regierung.

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Die Ratingagentur Moody's hatte die Kreditwürdigkeit der Holding Anfang der Woche auf Ramschniveau herabgestuft. Sie begründete dies damit, dass die Eigentumsverhältnisse und die Aufteilung des Aktienkapitals nicht genügend transparent seien. Außerdem fehle es an Informationen über die finanzielle Lage.

Am Dienstag hatten Meldungen die Runde gemacht, dass es bei einem zur Holding gehörenden kleineren Kreditinstitut zu Zahlungsverzögerungen bei einem kurzfristigen Schuldtitel gekommen sei. Portugiesische Medien berichteten, einige Kunden seien aufgefordert worden, die kurzfristigen Papiere gegen Aktien und langfristige Schuldtitel einzutauschen.

Der Wirbel um die Großbank löste Spannungen auf dem Kapitalmarkt in Portugal und anderen europäischen Ländern aus. Die Staatsanleihen des Landes gerieten unter Druck. Der Zinssatz, den der portugiesische Staat für zehnjährige Anleihen zahlen muss, stieg auf etwa vier Prozent, den höchsten Wert seit drei Monaten. Portugal hatte im Mai den Rettungsschirm der EU verlassen.

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