Postbank Das Postbank-Problem der Deutschen Bank

Das Bonner Institut steigert seinen Gewinn, leidet aber unter den niedrigen Zinsen. Die geplante Trennung vom Mutterkonzern wird immer schwieriger.

Ein Verkauf der Postbank scheint in diesem Jahr unwahrscheinlich. Quelle: dpa


Die Postbank müht sich kräftig, verdient deutlich mehr und hat doch zusehends Probleme, die auch die Mutter Deutsche Bank belasten. So lassen sich die heute veröffentlichten Jahresergebnisse des Bonner Instituts zusammenfassen. Die Bank steigerte ihr Ergebnis vor Steuern kräftig von 432 auf 582 Millionen Euro. Doch das verdankt sie vor allem einer niedrigeren Risikovorsorge und internen Zahlungen. In ihrem  Kerngeschäft treibt die Bank die Modernisierung zwar konsequent voran und macht dabei vieles richtig. Trotzdem gerät dieses zunehmend sichtbar unter Druck.

Wie andere Kreditinstitute, die vor allem von den Spareinlagen und der Vergabe von Krediten an ihre Kunden leben, leidet die Bank unter den Vorgaben der EZB. Die lassen die Spanne zwischen den Zinsen für Guthaben und Ausleihungen immer weiter schrumpfen. Obwohl die Bank die Kreditvergabe an Konsumenten, Immobilienkäufer und Unternehmer deutlich steigerte und die Kosten senkte, gingen für sie besonders wichtigen Zinserträge im Jahr 2015 um drei Prozent zurück. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, die Lage dürfte sich durch die jüngst erfolgte abermalige Senkung der Leitzinsen eher verschärfen. Dass auch die Provisionsergebnisse fielen, macht die Perspektiven nicht besser.

Das ist eine große Herausforderung für die Deutsche Bank, die sich von dem ab 2008 übernommenen Institut trennen will. Eigentlich sollten Verkauf oder Börsengang schon in diesem Jahr stattfinden. Mittlerweile rechnet niemand mehr damit, die Trennung ist auf das Jahr 2017 verschoben. Bis dahin dürfte sich das Umfeld allerdings kaum verändert haben, das Interesse von Investoren entsprechend verhalten bleiben. Eine Wachstumsgeschichte kann und will die Postbank nicht erzählen, die Bank kann sich nur als stabiler Dividendenwert präsentieren und auf ihre Fortschritte bei der Digitalisierung verweisen. Ob das reicht?

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

Aktuell bewertet die Deutsche Bank ihre Tochter mit rund vier Milliarden Euro. Gerade erst hat Finanzvorstand Marcus Schenck versichert, dass er weitere Abschreibungen nicht für nötig hält. Dabei glauben Analysten und Banker nicht, dass die Deutsche Bank einen solchen Preis bei einem Börsengang tatsächlich erzielen kann, sie schätzen den Wert des Instituts auf maximal drei Milliarden Euro. Obwohl die technischen Voraussetzungen dafür mittlerweile weitgehend geschaffen sind, bezweifeln In der Postbank einige deshalb schon, dass es in absehbarer Zeit überhaupt zur Trennung kommt. Doch eine abermalige Kehrtwende kann sich die Deutsche Bank kaum leisten. Fraglich ist, ob sie sich die Trennung leisten kann.

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