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Postbank Deutsche Bank kehrt mit eisernem Besen

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Umbau bei Postbank und Deutscher Bank

Um ihre Ziele zu erreichen, muss die Deutsche Bank an dem Kurs festhalten. „Wir wollen die Lücke zu den besten Wettbewerbern schließen“, sagt Manager Ricken. Von denen ist das Institut weit entfernt. So geht aus Präsentationen der Deutschen Bank hervor, dass Angestellte bei Konkurrenzinstituten doppelt so viel Zeit für die Beratung von Kunden haben und deutlich effizienter arbeiten. Das Verhältnis von Kosten zu Erträgen soll bei Deutscher Bank und Postbank deshalb von mehr als 70 auf etwa 60 Prozent sinken.

Der Umbau findet nicht nur bei der Postbank statt. So hat die Deutsche Bank auch ihr eigenes Privatkundengeschäft umstrukturiert. Die bisher für alle Geschäfte in größerem Umkreis zuständigen rund 20 Regionalleiter werden entmachtet. Stattdessen wird das Geschäft zentral nach Sparten organisiert. Die Struktur zieht sich vom Vorstand bis hinunter in die Filialen.

Auch bei der Deutschen Bank wird der Zusammenschluss für einen Stellenabbau sorgen. Ein großer Teil der geplanten Einsparungen stammt aus der Informationstechnik. In beiden Banken laufen derzeit rund 600 Programme, künftig sollen es deutlich weniger sein. Dass die Bank ein einheitliches SAP-System einführt, gilt in der Branche als wegweisendes Projekt. 2013 sollen die Konten umgestellt werden, 2014 folgen das Kredit- und Wertpapiergeschäft, 2015 soll der Transfer abgeschlossen sein. Knapp 1000 Beschäftigte beider Banken arbeiten schon jetzt ausschließlich an der Zusammenführung beider Institute.

Deutlich entschlacken will die Deutsche Bank auch ihr Angebot. Derzeit haben beide Institute zusammen rund 500 Produkte auf Lager. Künftig sollen es nur noch um die 60 sein, die im Prinzip gleich funktionieren und lediglich im Marketing einen individuellen Zuschnitt bekommen.

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Standort erkennen

    Zweigstellen hübscher machen

    Auch die oft schäbig wirkenden Zweigstellen der Postbank will der neue Eigentümer auf Vordermann bringen. Dabei soll der „Bankcharakter“ in den Vordergrund treten, heißt es in den Planungen. Postdienstleistungen sollen eher nebenbei und schneller abgewickelt werden. Denkbar sind dazu etwa neue „Expressschalter“. Um den Plan umzusetzen, wird die Deutsche Bank investieren: Ein dreistelliger Millionenbetrag scheint vorstellbar.

    Der Umbau soll die Postbank auf den Vertrieb einfacher Finanzprodukte an durchschnittliche Privatkunden reduzieren. Das betrifft auch den 2005 übernommenen Baufinanzierer BHW. Was aus den unabhängigen Finanzberatern wird, die dem BHW angeschlossen sind, immer wieder durch Beratungsskandale auf sich aufmerksam machten und deutlich unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, ist offen. Die Finanzberatereinheit könnte verkauft oder auch zugemacht werden.

    Einlagenüberschuss

    BHW zählt zu den Käufen „von zweifelhafter Passung und Wert“, von denen in einer Analyse der Citigroup die Rede ist. Die größere Altlast sind die sogenannten „Finanzanlagen“. Da die Postbank einen deutlichen Überschuss von Einlagen hat, investierte sie in großem Stil in alles, was der Wertpapiermarkt so hergab. Hierzu zählen Staatsanleihen aus Krisenländern und strukturierte Kredite. Noch immer sitzt sie auf verbrieften Immobiliendarlehen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro.

    Den Berg hatte vor allem der bis 2007 amtierende Kapitalmarktvorstand Loukas Rizos aufgehäuft. Er ist nicht die einzige Ex-Spitzenkraft, die bei den neuen Herren nicht gut gelitten ist. Wolfgang Klein, der die Bank von 2007 bis 2009 führte, gilt dort als leicht größenwahnsinnig. Klein stilisierte sich bei seinem Abgang zum wackeren Unabhängigkeitskämpfer. Grund für sein Ausscheiden dürfte aber sein rasanter Expansionskurs gewesen sein, mit dem er das Institut etwa in die riskante Finanzierung von Gewerbeimmobilien rund um die Welt trieb.

    Postbank als Vertriebseinheit

    Demnächst stehen im Postbank-Vorstand erneut Veränderungen an. Der Vertrag des 65-jährigen Vorsitzenden Stefan Jütte läuft im Sommer aus und wird nicht verlängert. Als möglicher Nachfolger gilt der Deutsche-Bank-Manager Frank Strauß, der im Sommer zur Postbank gewechselt ist. Insider rechnen damit, dass das mit neun Mitgliedern üppig besetzte Gremium zusammengestutzt wird. Weitere Top-Manager werden in den kommenden Monaten wohl gehen.

    Die Deutsche Bank will sich zu all dem nicht äußern. Klar ist aber, dass Funktionen überflüssig werden. Die Postbank braucht unter der neuen Herrschaft keinen Vorstand fürs Personal mehr und auch keinen für das Kapitalmarktgeschäft. Dass sich drei Vorstände um Privatkunden und Vertrieb kümmern, scheint ebenfalls überflüssig. Mit dem Kürzungskurs auf allen Ebenen wird klar, wie die Zukunft in Bonn aussieht und was Deutsche-Bank-Manager als „Realität, die akzeptiert werden muss“, bezeichnen: Die Postbank wird nach der Übernahme keine vollständige Bank mehr sein. Sondern eine große Vertriebseinheit des großen Bruders in Frankfurt.

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