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Prozess Die Fehler im System Deutsche Bank

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Kein Plan zur Restrukturierung

So stützt sich die Anklage vor allem auf die Vorbereitung der Top-Manager für ihre Aussagen im Zivilprozess. Die eigene Rechtsabteilung und Anwälte der Kanzlei Hengeler Müller sollen sie auf eine gemeinsame Linie eingeschworen haben. Übereinstimmend erklärten die Deutschbanker dann vor Gericht, dass es keinen Plan zur Restrukturierung des Kirch-Konzerns gegeben habe.

Selbst im Umfeld einiger Angeklagter wird das heute ziemlich fassungslos gesehen. „Man hätte einfach schweigen können“, sagt ein Beteiligter. Allerdings sollen die Terminpläne der Banker zeigen, dass kein umfangreiches Training stattfand.

Die Köpfe des Aufsichtsrates
Foto von Frank Bsirske Quelle: dpa
Henning Kagermann Quelle: dpa
Johannes Teyssen Quelle: dapd
John Cryan Quelle: dpa
Katherine Garrett-Cox Quelle: REUTERS
Paul Achleitner Quelle: dapd
Peter Löscher Quelle: dapd

Auch das wäre aber kein gutes Zeichen. Ein Termin vor Gericht wäre für einen echten Top-Manager der Deutschen Bank vor allem lästige Zeitverschwendung: Er erledigt das nebenbei. So wie der damalige Chefkontrolleur Clemens Börsig. Der sollte nach seiner lustlos vorgetragenen Aussage für spätere Rückfragen noch im Gerichtssaal bleiben. Doch der eng getaktete Börsig hatte einen Termin. Sichtlich zerknirscht sagte er den ab.

Merkwürdiges Rechtsverständnis

Es sind Szenen wie diese, die das mitunter merkwürdige Rechtsverständnis einiger Deutschbanker zeigen. Sie folgen eigenen Notwendigkeiten, die allein entscheiden, was richtig und was falsch ist. Wer das anzweifelt, versteht nichts vom Geschäft oder ist schlicht fehlgeleitet. So wie die Kirch-Anwälte Wolf Rüdiger Bub und Peter Gauweiler und der zuständige Richter Guido Kotschy, der, wie Vertreter der Bank gerne betonten, Mitglied der SPD war.

Wo diese Logik hinführt, zeigt die Aussage eines früheren Investmentbankers der Bank. Der hatte schon Ende 2001 ein Szenario für eine mögliche Zerschlagung des Kirch-Konzerns entworfen. Dass der Medienunternehmer nebenbei Kreditkunde war, störte nicht. Angeblich waren die Entwürfe reine Planspiele. Dummerweise widersprach der Banker dem bei seiner Vernehmung in München. Auch auf diese Erkenntnis stützt sich die Anklage.

Die in der Causa Kirch demonstrierte Haltung hat der Bank ihre heutigen Probleme eingebrockt. Loyalität zum Kunden hält nur so lange, bis sich ohne sie mehr verdienen lässt. So verkaufte sie bis 2007 auf US-Immobilienkrediten basierende Wertpapiere an Kunden, während sie selbst längst mit dem Zusammenbruch des Marktes rechnete.

Und sie drehte Kommunen und Mittelständlern angeblich sichere Finanzinstrumente an, die, statt Zinszahlungen zu reduzieren, diese immens in die Höhe schraubten. Das alles folgt einer eigenen Logik, der Logik der Investmentbanker.

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