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Prozess Die Fehler im System Deutsche Bank

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"Weder gelogen noch betrogen"

Dass die sich meilenweit vom normalen Rechtsempfinden entfernt hat, blitzte schon im Zivilverfahren immer mal wieder durch. So erklärte der damals amtierende Bankchef Ackermann, dass der Kunde Kirch erster Ansprechpartner bei einer möglichen Restrukturierung der Mediengruppe gewesen wäre. Nur wenn er ablehnte, hätte die Bank auch seine Konkurrenten bei einer möglichen Verwertung des Konzerns beraten. Für Ackermann war das ein nobles Verhalten. Die Richter sahen darin eine milde Form der Erpressung.

Das fatale Selbstbewusstsein der Deutschbanker fußt im Glauben an die Beherrschbarkeit von Risiken. Kirch haben sie über Jahre unterschätzt, die Bank glaubte sich sicher. Die juristische Wende in München traf sie erst unvorbereitet, und als sie absehbar war, taktierte das Institut zögerlich.

Das hat wie im Libor-Verfahren eine frühere, günstigere Einigung verhindert. Der Vergleich mit den Kirch-Erben ist lange auch an Konflikten im Vorstand gescheitert. So hatte Ackermann selbst kurz vor seinem Abschied Anfang 2012 einen deutlich günstigeren Vergleich ausgehandelt. Seine Kollegen pfiffen ihn zurück.

Als die Bank sich Anfang 2014 letztlich doch verglich, hoffte sie auf ein Ende der Ermittlungen, doch die Staatsanwaltschaft machte unbeirrt weiter. Angeblich hat sie zwischendurch angeboten, das Verfahren gegen Fitschen gegen eine Geldbuße einzustellen.

Kirch-Prozess: Das ABC einer Affäre

Die Behörde bestreitet das jedoch. Eine Seite nimmt es mit der Wahrheit offenbar nicht so genau.

Fitschen bleibt im Amt, er beteuert, „weder gelogen noch betrogen“ zu haben. Die Vorwürfe gegen ihn sind etwas weniger schwer: Er soll die falschen Aussagen seiner Ex-Kollegen nicht korrigiert haben.

Der 66-Jährige ist wenig umstritten, auch weil personelle Alternativen für die Spitze fehlen. Und weil zwei von der Bank beauftragte Gutachter finden, dass es für die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft keine Grundlage gibt. Auf die Meinung renommierter Juristen hat sich das Institut auch im Kirch-Zivilverfahren verlassen. Das Ergebnis war eine Katastrophe. Und dieses Mal?

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