Quartalszahlen Der Deutschen Bank droht Gewinnrückgang

Die Börsen haben sich zuletzt positiv entwickelt, davon profitiert bei einer Bank vor allem das Investmentbanking. Warum die Deutsche Bank morgen dennoch einen Rückgang des Gewinns verkünden dürfte.

Am morgigen Dienstag veröffentlicht die Deutsche Bank die Ergebnisse des ersten Quartals 2013. Quelle: dpa

Die Deutsche Bank ist schlechte Nachrichten gewöhnt. Das dürfte sich auch nicht ändern, wenn Deutschlands größte Bank am Dienstag ihre Zahlen für das erste Quartal 2013 bekannt gibt. Denn nach Einschätzungen von Analysten muss das Institut zum Jahresauftakt 2013 erneut einen Gewinnrückgang hinnehmen - trotz der Beruhigung an den Finanzmärkten. Erwartet wird, dass der Konzern unter dem Strich mit 1,13 Milliarden Euro fast 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor verdient hat.

Zwar hatte Co-Chef Anshu Jain bei einer Analystenkonferenz im März ein solides Quartal angekündigt. Doch der Fokus des größten deutschen Geldhauses lag auf der Stärkung des Kapitals. Dazu wollte es Risiken schnell abbauen, das drückt auf den Gewinn. Zumindest dürfte das Institut nach dem hohen Verlust im Schlussquartal 2012 aber wieder schwarze Zahlen schreiben. Im vergangenen Geschäftsjahr musste die Deutsche Bank wegen zahlreicher Rechtsrisiken und des eingeleiteten Konzernumbaus einen herben Gewinneinbruch hinnehmen: Der Überschuss sackte von 4,3 Milliarden Euro 2011 auf 291 Millionen Euro 2012 ab.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa


Wegen des Abbaus von Risiken dürften sowohl der Gewinn als auch das Ergebnis deutlich gesunken sein. Das Vorsteuerergebnis sehen die Experten um 16 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro sinken. Dabei hat sich gerade für Investmentbanken das Umfeld im ersten Quartal deutlich aufgehellt, sie profitierten vor allem von der besseren Stimmung an den Börsen. Auch bei Börsengängen war für Banken zuletzt wieder mehr zu holen als noch vor einigen Monaten.
Insgesamt hält das seit Juni amtierende Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen im laufenden Jahr ein Ende der Dauerkrise für die Finanzbranche für möglich. „In Europa könnte das Jahr 2013 für die Banken ein Wendepunkt zum Besseren bringen“, heißt es im kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht der Bank. Allerdings dürfte die „Rückkehr zu nachhaltigem Ertragswachstum kaum vor 2014 gelingen“.

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Eine Stabilisierung erwartet das Institut etwa im Kreditgeschäft vor allem mit Unternehmenskunden. Weil viele Institute ihre Kapitalpuffer inzwischen stärkten, dürfte es zudem mehr Spielraum für Neugeschäft geben. Problematisch ist allerdings, dass sich mittlerweile viele Banken auf das Firmenkundengeschäft stürzen. Damit herrscht ein enormer Wettbewerb um die Kunden.
Die Bank kämpft mit zahlreichen Altlasten, für die in der Vergangenheit immer wieder Rückstellungen gebildet werden mussten. Nicht nur die Verwicklung in die Manipulationen rund um den Interbankenzins Libor, ist noch nicht endgültig aufgeklärt. Auch wegen des noch offenen Rechtsstreits infolge der Pleite des Medienkonzerns Kirch 2002 ist die Bank seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder mit Klagen konfrontiert. Vor gut zwei Wochen musste das Institut deshalb eine außerordentliche Hauptversammlung abhalten, um wichtige Beschlüsse des Aktionärstreffens 2012 wasserdicht zu machen - unter anderem die Wahl von Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

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