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Quotendiskussion Warum der Finanzbranche die Frauen fehlen

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Morsche Stufen auf der Karriereleiter?

Frauenanteil in Deutschlands Großkonzernen
Adidas Herbert Hainer Quelle: dapd
Elizabeth Corley Allianz Quelle: Pressebild
Sandra Peterson Bayer Quelle: Pressebild
BASFBeim Chemieriesen BASF stieg die Frauenquote im vergangenen Jahr ebenfalls nur um rund ein Prozent auf 10,9 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Hier sind auch Ziele in Sachen Frauenförderung wenig ambitioniert. Lediglich 15 Prozent sollen bis Ende 2020 in den Chefetagen des Konzerns sitzen. Auch insgesamt gibt es wenige Frauen im Konzern. Ihr Anteil an der Gesamtbelegschaft liegt bei 23 Prozent. Allerdings sitzt hier eine Frau im Vorstand. Margret Suckale ist Personalchefin des Ludwigshafener Chemieunternehmens. Bekannt wurde sie während des Lokführer-Streiks 2008 als Personalchefin bei der Deutschen Bahn. Ein weiteres bekanntes weibliches Gesicht ist RTL-Chefin Anke Schäferkordt, die im Aufsichtsrat von BASF sitzt. Quelle: dpa
Beiersdorf Quelle: dpa
Hildegard Wortmann Quelle: Pressebild
Commerzbank Quelle: dapd

Trotzdem fragen sich viele Beobachter, ob die Strukturen der großen Geldinstitute überhaupt durchlässig genug sind. Sind auf der Karriereleiter der Frauen einige Stufen morsch, während bei den Männern alles heil ist? Sind es also die Rahmenbedingungen der Institute, die die Frauen am Aufstieg hindern? Auch Elke König berichtete, dass sie bei ihrem früheren Arbeitgeber, der Münchner Rück, kaum Chancen für einen Aufstieg in den Vorstand sah. Stattdessen wechselte sie lieber in den Vorstand der etwas kleineren Hannover Rück.

Hinderliche Arbeitsstrukturen

Auch Christiane Bortenlänger, die Vorsitzende des Deutschen Aktieninstituts, sieht strukturelle Probleme. Untersuchungen der letzten Jahre hätten gezeigt, warum es nicht einen, sondern eine Vielzahl an Gründen dafür gäbe, dass Frauen noch relativ selten in Führungspositionen zu finden sind. „Sie reichen von fehlender Infrastruktur, stärkerer Einbindung von Frauen in die Kinderbetreuung, die oft mit Teilzeitarbeit verbunden ist, unterschiedlicher Gewichtung der Work-Life-Balance bis hin zu männlich geprägten Unternehmenskulturen und den berühmten gläsernen Decken“, sagt Bortenlänger. Dafür sei ein kultureller Wandel nötig, der aber bereits begonnen habe. Wichtig sei vor allem, Frauen nicht nur in den Vorständen, sondern auf allen Führungsebenen der Unternehmen zu etablieren.

Die Niederländerin Liesbeth Rigter, die das Deutschland-Geschäft der Direktbank MoneYou leitet, kritisiert ebenfalls die starren Arbeitsstrukturen. „Tatsache ist, dass die Situation für weibliche Führungskräfte mit Familie hier in Deutschland wesentlich schwieriger ist als zum Beispiel in den skandinavischen Ländern oder in den Niederlanden“, sagt Rigter. Dort wären die Arbeitszeiten deutlich flexibler organisiert – auch bei Führungskräften. Wer beispielsweise nur eine Vier-Tage-Woche hätte, gelte noch nicht als Teilzeitkraft. Was für andere Branchen gilt, gilt demnach auch für die Finanzbranche: Je besser sich Beruf und Familie miteinander vereinbaren lassen, desto mehr Frauen werden auch in den oberen Etagen der Frankfurter Banktürme ihre Büros beziehen.

Was aber in der Quotendiskussion oft unterschlagen wird, gerade wenn es um die Finanzwelt geht: Die trockene Materie ist einfach nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Nicht jeder hat, wie beispielsweise Elke König, eine Vorliebe für Mathematik und Zahlenanalysen. „Ich bin davon überzeugt, dass Frauen alles erreichen können – ob sie es wollen, muss aber jede für sich entscheiden“, sagt Bortenlänger. „Frauen wollen Top-Positionen im Bankwesen – aber sie sind eher bereit, darauf zu verzichten, wenn diese nicht in ihre Lebensmodelle passen“, sagt Rigter.

Banken



Als Dorothee Blessing verkündete, sich aus dem Investmentbanking verabschieden zu wollen, brandete eine andere Diskussion wieder auf. Sehen Frauen die Geschäfte und Zockereien in der Finanzindustrie kritischer als Männer? Haben sie das Vertrauen in die Branche komplett verloren und wollen deshalb möglichst aus dem Spiel bleiben? Die Bankerinnen selbst halten das für einen Irrglauben. „Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen dem gesunkenen Vertrauensbonus, der den Banken in den letzten Jahren entgegengebracht wurde, und einer gestiegenen Kündigungsquote bei Frauen in der Branche“, sagt Rigter. Auch die Theorie, mehr Frauen in den Führungsetagen würden in der Gesellschaft für mehr Vertrauen für Banken sorgen, scheint wenig überzeugend. „Natürlich wäre es schön, wenn allein ein Mehr an Frauen in den Vorständen der Banken dazu führen könnte, das Vertrauen in unsere Banken wieder herzustellen“, sagt Bortenlänger. Aber so einfach sei es dann doch nicht.  

Nicht verstecken!

Statt Vertrauen scheint es etwas ganz anderes zu sein, was den Führungsanwärterinnen fehlt. Das Beispiel von BaFin-Chefin König macht das deutlich. Denn es war König selbst, die ihre Ambitionen auf einen Vorstandsposten gegenüber den Kollegen deutlich gemacht hat. Tatsächlich fehlen solche Initiativen oft noch. „Wir müssen Frauen mit Führungsqualitäten im Unternehmen noch sichtbarer machen“, sagt Eileen Taylor, die bei der Deutschen Bank weltweit für Diversity verantwortlich ist. Denn während Männer oft sofort „Hier“ schreien, wenn es um das Verteilen freier Stellen geht, lassen sich ihre weiblichen Kolleginnen gerne bitten. Ähnlich wie bei einem Heiratsantrag, nach dem Motto: Solange er nicht fragt, wird auch nicht geheiratet. Diese weibliche Erwartungshaltung ist an den Finanzplätzen dieser Welt definitiv fehl am Platz!   

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