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Razzia wegen Geldwäscheverdachts Deutsche Bank: Leiden aus Leidenschaft

Deutsche Bank: Razzia wegen Verdachts der Geldwäsche Quelle: imago images

Die Razzia wegen des Verdachts der Geldwäsche ist ein neuer Schlag für die Glaubwürdigkeit der Deutschen Bank – und Vorstandschef Christian Sewing. Die Perspektiven sind niederschmetternd.

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Der unheilvolle Rhythmus hat bei der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren schon Tradition. Immer dann, wenn sich das Institut gerade einigermaßen zu berappeln scheint, trifft es ein neuer Schlag. Dabei sieht seine Welt am Donnerstagmorgen von vorne betrachtet noch in Ordnung aus. Über dem Haupteingang der Zwillingstürme in der Frankfurter Taunusanlage prangt ein riesiges Werbebanner, der Slogan #PositiverBeitrag ist darauf schon von weitem zu erkennen. Nur ein einzelner ziviler Einsatzwagen mit Blaulicht parkt vor dem Haupteingang von Deutschlands größter Bank.

Auf der Rückseite der Türme, vor dem Wareneingang, sieht die Welt dagegen ganz anders und ziemlich negativ aus. Da, wo sonst Lieferanten und Paketboten parken, stehen mindestens zehn Polizeiwagen. Schnell schließen die Wachleute das Einfahrtstor, ungebetene Gäste sind unerwünscht. Die Ermittler seien alle noch im Gebäude, sagt ein Wachmann.

Sie sind dort wegen des Verdachts der Geldwäsche, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Es habe sich der Verdacht ergeben, dass die Bank Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich war. Dabei seien Gelder aus Straftaten auf Konten der Bank transferiert worden, ohne dass diese Verdachtsanzeigen erstattete.

Was letztlich bei den Ermittlungen herauskommt, ist natürlich völlig offen. Tatsächlich geht es aber um deutlich mehr als nur um die Frage, was Beschäftigte des Instituts über eine Tochtergesellschaft auf den britischen Jungferninseln denn so alles getrieben haben. Es geht um die Reste von Vertrauen in das angeschlagene Institut. Und es geht auch um die Glaubwürdigkeit von Vorstandschef Christian Sewing.

Wo sind die Fortschritte im Kontrollwesen?

Öffentlich verkünden Manager des Instituts seit Jahren große Fortschritte beim Kampf gegen Missstände im Kontrollwesen. Topmanager der Bank berichteten über „Nulltoleranz“ und die Vorteile der „Three Lines of Defense“, große Projekte wie das „House of Governance“ sollten endlich Strukturen in das vorher offensichtlich herrschende Chaos einziehen. Dafür stellte die Bank hunderte Mitarbeiter zur Bekämpfung der Finanzkriminalität neu ein. Sewing hat sich seit seinem Amtsantritt im April als besonders entschlossener Anpacker gegeben. Zumindest hat er in fast jeder Rede auf Kontrollverbesserungen hingewiesen.

Wie so oft fallen Anspruch und Wirklichkeit bei der Deutschen Bank hier auseinander. Denn offensichtlich haben all die Initiativen und Projekte nichts oder zumindest zu wenig gebracht. Die Razzia ist dabei nur der fast filmreife Höhepunkt einer Chronik immer offener zu Tage getretener Versäumnisse. Die Geldwäschebeauftragten des Instituts wechselten zuletzt nahezu im Jahresrhythmus, die Finanzaufsicht Bafin war mit den Zuständen bei der Bank so unzufrieden, dass sie ihr einen externen Aufpasser an die Seite stellte - ein in Deutschland bislang einmaliger Vorgang. Unklar ist derzeit noch, wie stark die Deutsche Bank in den Skandal um die dänische Danske Bank verwickelt ist. Erst vorgestern machte ein Bericht die Runde, dass die für Kontrollen und Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden zuständige Vorständin Sylvie Matherat um ihren Job fürchten muss.

Schwarzes Loch?

All das sind Indizien für fortlaufendes Systemversagen. Da dieses seit vielen Jahren anhält, bleiben nur zwei Schlüsse übrig: Entweder ist die Bank ein unkontrollierbarer Moloch, in dem alle Bemühungen wie in einem Schwarzen Loch verschwinden. Oder diese Bemühungen sind eben doch nicht so entschlossen und kompromisslos wie es nach außen aussehen soll. Egal ob die Deutsche Bank nicht will oder nicht kann – die Diagnose ist in jedem Fall erschreckend.

Ein schwerer Schlag sind die Vorkommnisse auch für Vorstandschef Christian Sewing. Er, der angetreten ist, der Bank neuen Stolz und Selbstbewusstsein zu bringen, muss nun selbst um seine bislang weitgehend intakte Glaubwürdigkeit kämpfen. Die verdächtigen Geldströme, die zur Razzia geführt haben, fanden wohl im Geschäft mit reichen Kunden und damit im von Sewing vor seiner Beförderung zum Vorstandsvorsitzenden geführten Privatkundengeschäft statt. Als Leiter der internen Revision sollte Sewing vorher Missstände aufspüren und Abläufe verbessern. Offensichtlich waren die strukturellen Fortschritte während seiner zweijährigen Amtszeit recht überschaubar.

Für die Zukunft muss das nichts heißen. Die Zweifel, ob die Bank überhaupt in den Griff zu bekommen ist, aber wachsen weiter.

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