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Risikomanagement Wie die Deutsche Bank den Ernstfall probt

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Trügerische Sicherheit

Das Risikozentrum der Deutschen Bank ist ein Beispiel für die Anpassung einer Bank an die Finanzbranche Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Von früh bis spät bewegen sie sich durch ein Paralleluniversum von Algorithmen und Modellen, „die sie ständig an die neuen regulatorischen Anforderungen anpassen und verbessern“, wie Abteilungsleiterin Bernadette Walter erklärt. Die Angestellten kalkulieren interne Ratings, etwa für große Unternehmenskunden, setzen die Portfolios der Bank hypothetischen Krisen aus und berechnen Verluste, auch solche aus „extremen Szenarien“. Das Auseinanderfallen des Euro ist nur eines davon.

Es geht nicht nur um Katastrophen, sondern auch um Alltagsgeschäfte. So ermitteln die Experten mögliche Verluste von Derivaten und berechnen die Gegenparteirisiken bei der Absicherung von Währungsschwankungen. Die Ergebnisse senden sie nach London, Frankfurt, Singapur. Das Risikomanagement der Banken haben seit Beginn der Finanzkrise 2007 viele unter Beschuss genommen, am populärsten der frühere Börsenhändler Nassim Nicholas Taleb, der der Branche vorwirft, sich trügerische Sicherheit zu schaffen und unvorbereitet auf „Schwarze Schwäne“ zu sein.

Das sind in Modellen nicht vorgesehene, unwahrscheinliche Ereignisse, die häufiger auftreten als angenommen, extreme Auswirkungen haben und damit jedes durchkalkulierte System sprengen. Wie lückenhaft die Kontrollen sein können, zeigten Fälle wie der des Händlers Kweku Adoboli, der im Herbst die Kontrollen der UBS außer Kraft setzte und einen Verlust von fast zwei Milliarden Euro verursachte.

"So vorbereitet wie möglich sein"

„Das Unerwartete kann passieren“, sagt Paul Fraser, Leiter des Risikozentrums. „Auch wenn wir die Zukunft nicht voraussagen können, müssen wir so vorbereitet wie möglich sein.“ Der Schotte ist ein schmächtiger Mann mit Seitenscheitel, der Klarheit und Entschlossenheit ausstrahlt. 22 Jahre hat er bei der Royal Air Force gedient, in der Intelligence, was letztlich Geheimdienst bedeutet. Worum es bei den Einsätzen genau ging, sagt er nicht, aber es sei seine Aufgabe gewesen, mit Spezialisten große Menge von Daten aus verschiedensten Quellen zu sammeln, auszuwerten und daraus Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Nichts anderes machten er und seine Mitarbeiter nun in Berlin.

Frasers Rezept gegen die Unsicherheit ist eine „rigorose Analyse ständig überprüfter Daten, mit äußerster Disziplin und Genauigkeit.“ Dass dies von Berlin aus in einer eigens ausgegründeten Gesellschaft geschieht, soll die Prozesse beschleunigen und günstiger machen.

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