Sal.-Oppenheim-Prozess Angeklagte bitten das Gericht um Milde

Die Angeklagten im Sal.-Oppenheim-Prozess bitten das Gericht um einen Verzicht auf Haftstrafen. In der kommenden Woche wird das Urteil gegen vier Ex-Bankiers gesprochen.

Der ehemalige Banker Matthias Graf von Krockow steht im Landgericht in Köln. Quelle: dpa

Zum Abschluss des Strafprozesses um den Niedergang des Bankhauses Sal. Oppenheim haben die Angeklagten das Gericht um einen Verzicht auf Haftstrafen gebeten. Er habe sein Versprechen nicht halten können, die traditionsreiche Privatbank an eine neue Generation zu übergeben, sagte der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter der Bank, Matthias Graf von Krockow, am Donnerstag vor dem Kölner Landgericht.

"Daran trage ich schwer." Er habe viele Fehler gemacht, wolle aber nun helfen, die Folgen abzumildern. "Ich bitte sie, mir diese Perspektive nicht zu nehmen."

Die fünf Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

Die Staatsanwaltschaft hatte für die vier angeklagten Ex-Bankiers Haftstrafen wegen schwerer Untreue in zwei Fällen gefordert. Hintergrund waren Investments in den späteren Pleite-Konzern Arcandor und eine umstrittene Immobilien-Transaktion.

Auf der Anklagebank sitzen neben Krockow auch Dieter Pfundt, Christopher von Oppenheim und Friedrich Carl Janssen, die alle persönlich haftende Gesellschafter der Bank waren. Für Krockow fordert die Anklage drei Jahren und drei Monate Gefängnis, für Oppenheim zwei Jahre und acht Monate, für Pfundt zwei Jahre und zehn Monate sowie für Janssen drei Jahre und sechs Monate.

Die Verteidiger bestritten, dass sich ihre Mandanten der schweren Untreue schuldig gemacht haben. Krockow und Oppenheim hatten in dem Prozess, der sich über mehr als zwei Jahre hinzog, Fehlverhalten eingeräumt. Janssen betonte, er sei davon ausgegangen, "dass wir Arcandor erfolgreich sanieren können".

Die Ankläger hatte den Ex-Bankiers Pflichtverletzungen beim Arcandor-Engagement des Bankhauses vorgeworfen. Sie hätten sich unter anderem notwendige Informationen nicht beschafft, gegen Geschäftsordnungen der Bank verstoßen und persönliche Interessen mit denen des Bankhauses vermischt.

Die fatale Beziehung zwischen Karstadt-Quelle und der Sal. Oppenheim

Durch die Billigung eines Kredits und einer Beteiligung an Arcandor im Jahr 2008 sei der Bank allein ein Schaden von rund 80 Millionen Euro entstanden. Die Bank hatte sich der Anklage zufolge ab 2001 über Engagements ihrer Großkundin Madeleine Schickedanz mit immer neuen Krediten eng mit dem damaligen Karstadt-Quelle-Konzern verbunden, dem Vorgänger von Arcandor.

Die Bank habe darauf gesetzt, das Unternehmen von der Börse zu nehmen und Immobilien der Karstadt-Warenhäuser unter Einbindung des fünften Angeklagten Josef Esch verwerten zu können. Diese Pläne hätten sich aber zerschlagen - wie auch die Hoffnung auf Kursgewinne der Arcandor-Aktien, mit denen Kredite der Bank besichert waren.

Als Arcandor im Frühjahr 2009 zusammenbrach, geriet Sal. Oppenheim in den Sog. Die Privatbank wurde letztlich von der Deutschen Bank aufgefangen. Dem ehemaligen Sal-Oppenheim-Geschäftspartner Esch droht nach dem Willen der Staatsanwaltschaft nun eine Geldstrafe. Das Urteil soll kommenden Donnerstag, dem 9. Juli, verkündet werden.

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