Sal. Oppenheim-Prozess Ein Bankier packt aus – ein wenig

Im Strafprozess gegen die frühere Führungsriege von Sal. Oppenheim hat der frühere Topmanager Friedrich Carl Janssen eine äußerst ergiebige Aussage gemacht.

Der angeklagte Bankier Friedrich Carl Janssen (M) betritt am 26.06.2013 das Landgericht Köln zur Fortsetzung des Sal. Oppenheim-Prozesses. Quelle: dpa

Der Fall des Kölner Bankhauses Sal. Opppenheim und seiner früheren Führung fasziniert vor allem deshalb, weil der gesellschaftliche Absturz so dramatisch und offensichtlich ist. Dass die einst hoch angesehenen Bankiers Matthias Graf von Krockow, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt  ihre Mittagspause einmal gemeinsam in einer Pommesbude neben dem Kölner Landgericht verbringen würden, hätten sie sich vor fünf Jahren nicht träumen lassen. Wobei gemeinsam nicht wirklich zutrifft. Die hier Versammelten haben sich nicht mehr viel zu sagen, jeder besetzt mit seinen Anwälten einen Tisch für sich.

Dafür redet einer von ihnen drinnen, wo sie mit dem vierten früheren Topmanager Christopher von Oppenheim und dem Immobilienentwickler Josef Esch wegen Untreue angeklagt sind,  umso mehr. Janssen will in allen Details seine Sicht der Dinge schildern. Mit 69 Jahren ist der frühere Wirtschaftsprüfer der älteste Angeklagte, der aber am Kürzesten in der Bank tätig war. Seine langen, streng zurück gegelten Haare sind etwas ergraut, seine Stimme ist klar und kräftig. Da ist auch notwendig, denn er hat sich einiges vorgenommen. Um die 240 Seiten hat er mit seinem Anwalt Franz Salditt zu Papier gebracht und liest sie nun wohl betont vor. Wenn es ihm zu viel wird, übernimmt der Anwalt.

Die Geschichte von Sal. Oppenheim

Die Darstellung ist so ausführlich weil „alles mit allem verzahnt“ ist, wie Janssen sagt.  So schildert er zunächst, wie er zu dem Job bei Oppenheim kam. Aufhorchen lässt seine Einschätzung, dass es aus heutiger Sicht ein Fehler war, bei der renommierten Privatbank anzufangen und aus seiner „gelassenen Lebenslage in eine nicht vertraute Welt“ zu wechseln, die von „familiären Strukturen und Beziehungen“ dominiert war. Es sei keine finanzielle Motivation und auch kein Streben nach Macht, sondern der Reiz gewesen, noch einmal etwas Neues anzufangen, der ihn motiviert habe. 

Worin der Fehler dann konkret lag, wird allerdings während der Aussage nicht so ganz klar. Denn Janssen schildert ausgiebig den Aufbau und die Entscheidungswege in der Bank. Mehrfach erklärt er, dass er die Führung und die Eigentümerfamilie für höchst vertrauenswürdig hielt und keine Gründe hatte, an deren Kompetenz zu zweifeln. Ausgiebig schildert er die Kontrollmechanismen und die Rolle der früheren Oppenheim-Chefs Alfred von Oppenheim und Karl Otto Pöhl.  Ebenso ausgiebig zitiert er teilweise im Auftrag der BaFin erstellte Gutachten von Wirtschaftsprüfern, die zu keinen Einwänden führten.

Eine klare Trennlinie zieht er zu den Geschäften mit Josef Esch. Die waren für die Bank zwar von ganz erheblicher Bedeutung, wie er an deren prozentualem Beitrag zum Ergebnis verdeutlicht. Er habe aber keine detaillierten Einblicke gehabt, weil von Krockow und von Oppenheim die Beziehung exklusiv für sich reserviert hätten. Da die Beziehung  aber seit zwei Jahrzehnten erfolgreich lief, habe er auch hier keinen Grund für Misstrauen gesehen.

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Erst ganz am Schluss gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Rest seiner Aussage für die Mitangeklagten unangenehm werden könnte. Da geht es konkret um den ersten Anklagepunkt, das Geschäft mit einer Villa, die die Bank einem früheren Topmanager abkaufte und dann an die Mutter von Oppenheims vermietete. Janssen bezeichnet manche Erkenntnisse aus den Ermittlungsakten als „mysteriös“. So gehe aus einer Aufstellung hervor, dass Sonderwünsche der Adligen zwei Millionen Euro kosteten. Offenbar wurden diese aber über die Bank verrechnet, jedenfalls habe er nur eine Gesamtaufstellung der Renovierungskosten gesehen. Er selbst habe ein Dokument  unterschrieben, ohne Genaueres über den Inhalt zu wissen. Ob das schon der große Fehler war? Bei Seite 120 bricht Janssen ab. Eine weitere Sitzung ist exklusiv für seinen Vortrag reserviert.    

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