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Schuldenkrise Wo die Banken sich schön rechnen

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Großbritannien

Die Großbank RBS besitzt wie die Lloyds Banking Group eine verstecke Bad Bank - Und ist bis heute zum Großteil in Staatsbesitz. Quelle: dapd

In Großbritannien gibt es eine offene und zwei versteckte Bad Banks. Die versteckten gehören zu den Großbanken Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds Banking Group, die im Jahr 2008 für insgesamt 62,6 Milliarden Pfund (78 Milliarden Euro) vom britischen Steuerzahler gerettet wurden. Beide Institute sind bis heute zu 82 Prozent (RBS) und 43 Prozent (Lloyds) im Staatsbesitz. Verwaltet werden die Anteile über die eigens dafür gegründete Gesellschaft UK Financial Investments Ltd.

Für ihre Schrottpapiere haben die beiden Institute keine Bad Bank gegründet, stattdessen behielten sie die faulen Investments in ihren Büchern und wickeln sie nun Stück für Stück ab. Die Abwicklung funktioniert aber nach dem gleichen Prinzip wie die Bad Banks etwa der WestLB oder der HRE in Deutschland. Für die toxischen Papiere bürgt das sogenannte Asset Protection Scheme, eine staatliche Garantie für Risikopositionen in den Bankbilanzen, allerdings mit Selbstbehalt und Anreizen, die Versicherung nicht in Anspruch zu nehmen.

Wo Investmentbanker gehen müssen
Royal Bank of ScotlandDer Vorstandschef der staatlich kontrollierten britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) tritt ab. Stephen Hester werde seinen Posten zum Ende des Jahres räumen, teilte die Bank mit. „Der Verwaltungsrat ist der Meinung, dass ein ordentlicher Nachfolge-Prozess einem neuen Vorstandschef Zeit geben wird, den Privatisierungsprozess vorzubereiten und die Bank in die kommenden Jahre zu führen“, heißt es in einem Statement der RBS. Hester sei es nicht möglich gewesen, ein solches zeitlich unbegrenztes Bekenntnis abzugeben. Die Royal Bank of Scotland gehört zu rund 80 Prozent dem britischen Steuerzahler. Ihre Reprivatisierung gilt als eines der heißesten Eisen in der britischen Regierungspolitik. Quelle: dpa
Goldman SachsBedrohte Stellen: unbekannt Die US-Investmentbank steht offenbar noch in dieser Woche vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau. Dabei werde das Aktienhandelsgeschäft diesmal wohl stärker betroffen sein als die im vergangenen Jahr kräftiger gestutzte Sparte für festverzinsliche Papiere, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Montag. Das Geldhaus von der Wall-Street trennt sich gewöhnlich jedes Jahr zu dieser Zeit von den fünf Prozent seiner Mitarbeiter, die intern am schlechtesten bewertet wurden. Da das Handelsgeschäft aber weiter unter schwachen Volumen und niedrigen Gewinnen leidet, würden wahrscheinlich hier in einigen Bereichen die Einschnitte tiefer sein, hieß es in den Kreisen. Quelle: dpa
Morgan StanleyBedrohte Stellen: 1600 Die sechstgrößte US-Bank plant angeblich, in den nächsten Wochen den Geschäftsbereich Investmentbanking um 1600 Stellen zu reduzieren. Das entspricht etwa sechs Prozent der Mitarbeiter in dieser Sparte. Rund 800 Investmentbanker sollen in den USA entlassen werden, aber auch Mitarbeiter außerhalb der Vereinigten Staaten werden gehen müssen. Ähnlich wie bei den Entlassungen der Citigroup sollen Mitarbeiter aus allen Ebenen betroffen sein. Quelle: REUTERS
a Citibank branch in New York Quelle: dapd
Deutsche Bank Quelle: dapd
Nomura Quelle: REUTERS
JP Morgan Quelle: REUTERS

Damit versicherte de facto der Staat die maroden Banken gegen eine Gebühr gegen drohende Ausfälle durch toxische Problemkredite. Verluste aus der Abwicklung landen also letztlich beim Steuerzahler.

Die Lloyds Bank hat sich nach einer Kapitalerhöhung mittlerweile aus dem Asset Protection Scheme herausgekauft, um die hohen Jahresgebühren zu sparen. Der RBS, die im Jahr 2009 Giftpapiere im Wert von 282 Milliarden Pfund vom APS versichern lassen musste, ist es gelungen diesen Betrag inzwischen auf 132 Milliarden Pfund (Stand 31. Dezember 2011) deutlich zu verringern.

Britische Banken machen Schulden beim Steuerzahler

Die offene Bad Bank in Großbritannien ist die UK Asset Resolution (UKAR). Sie gehört dem Staat und ist seit 2010 der Ort, wo die Schrottpapiere der Northern Rock und der Bausparkasse Bradford and Bingley im Nominalwert von 75 Milliarden Pfund lagern. Die UKAR geht kein Neugeschäft ein, erzielte in den vergangenen beiden Jahren aber einen kleinen Überschuss und konnte daher drei Milliarden Pfund an den Steuerzahler zurückerstatten.

Trotzdem schuldet die UKAR dem Steuerzahler noch 58 Milliarden Euro (46,6 Milliarden Pfund). Der sanierte Teil der Northern Rock wurde inzwischen für knapp eine Milliarde Pfund an Virgin Money, verkauft, das zum Firmenimperium von Milliardär Richard Branson gehört. Allerdings hatte der britische Steuerzahler ursprünglich 37 Milliarden Pfund Kapital in die Northern Rock gepumpt, um die Bank zu retten. Bereits 2008 hatte die spanische Großbank Santander den „guten Teil“ der Bradford & Bingley für 612 Millionen Pfund erworben.

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