Schweiz Credit Suisse wägt offenbar Optionen zur Stärkung des Kapitals ab

Insidern zufolge prüft die Schweizer Großbank mehrere Möglichkeiten – darunter auch eine Kapitalerhöhung. Eine Entscheidung soll aber noch nicht gefallen sein.

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Schweizer Großbank Credit Suisse Quelle: Reuters

Die Schweizer Großbank Credit Suisse prüft Insidern zufolge Maßnahmen zur Stärkung des Kapitals. Die Überlegungen befänden sich in einem frühen Stadium, wie zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Eine Option sei dabei eine Kapitalerhöhung. Eine solche Transaktion würde voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne gehen.

Das Volumen stehe noch nicht fest, dürfte aber die Schwelle von einer Milliarde Franken überschreiten, sagte eine der Personen. Im Vordergrund stehe dabei, bestehende Großaktionäre anzuzapfen. Mit einer Kapitalerhöhung wolle die Bank nicht nur die Bilanz aufpolstern, sondern auch ein positives Signal nach außen senden. Denn wenn bekannte Investoren der Bank frisches Kapital zukommen ließen, könnte das als Vertrauensbeweis gewertet werden.

Credit Suisse machte in den vergangenen zweieinhalb Jahren mit einer Reihe von Fehlschlägen Schlagzeilen. Alleine der Kollaps des Hedgefonds Archegos kostete die Bank 2021 rund fünf Milliarden Franken. Aber auch im Rest des Geschäfts zeigen sich Bremsspuren, im ersten Quartal brachen die Erträge um 42 Prozent ein, und unter dem Strich standen mit einem Verlust von 273 Millionen Franken erneut rote Zahlen. Bis Ende März sank die Kernkapitalquote auf 13,8 Prozent von 14,4 Prozent Ende 2021 und verfehlte damit den für 2024 angepeilten Wert von 14 Prozent. Je höher diese Quote ist, desto kapitalstärker ist eine Bank.

„Die Credit Suisse erwägt derzeit keine Aufnahme von zusätzlichem Eigenkapital“, erklärte die Bank. Mit einer Kernkapitalquote von 13,8 Prozent und einer Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von 4,3 Prozent sei die Gruppe solide kapitalisiert.

Laufende Überwachung durch die Finma

Auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht stellt dem Institut kein gutes Zeugnis aus, wie eine der Personen sagte. Im jährlichen „Assessment Letter“ habe die Behörde der Bank die tiefste Note vier gegeben. Das bedeute, dass die Finma die Bank intensiv und laufend überwache. Die Behörde sorge sich unter anderem über die Kapitalisierung auf Konzernebene. Die Finma wollte sich nicht äußern. Im vergangenen Jahr hat die Credit Suisse mehr als ein Fünftel ihres Börsenwertes verloren.

Eine Entscheidung zur Stärkung des Kapitals sei noch nicht gefallen, sagten die Personen. Mögliche Alternativen zu einer Kapitalerhöhung seien ein Bereichsverkauf oder die Umschichtung von Kapital aus den teilweise komfortabel ausgestatteten Tochtergesellschaften in die Gruppe. Die Credit Suisse erklärte aber, das Asset Management sei ein wesentlicher Bestandteil der im vergangenen November vorgestellten Gruppenstrategie.

Die Rating-Agenturen Standard & Poor`s (S&P) und Fitch hatten Credit Suisse kürzlich zurückgestuft und dies unter anderem mit der im Konkurrenzvergleich schwachen operativen Rentabilität begründet. Ein niedriges Rating verteuert üblicherweise die Finanzierung der Bank.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor stellt einem der Insider zufolge die Ernennung eines neuen Rechtschefs zum 1. Juli dar. Es sei nicht auszuschließen, das Markus Diethelm bei anhängigen Rechtsfällen schnellere Vergleiche suchen könnte als sein Vorgänger. Dies würde aber wieder Geld kosten und könnte der Kapitalquote zusetzen.

Über zwei Pflichtwandelanleihen hatte Konzernchef Thomas Gottstein im Anschluss an das Archegos-Debakel im vergangenen Jahr bereits rund 1,75 Milliarden Franken eingesammelt. Gottsteins Vorgänger Tidjane Thiam hatte in seiner Amtszeit mit zwei Kapitalerhöhungen rund zehn Milliarden Franken aufgenommen.

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