Sparkassen-Präsident in der Kritik Georg Fahrenschons magere Bilanz

Die Sparkassen leiden unter dem Niedrigzins, weil sie vor allem von der Spanne zwischen den Spar- und Kreditzinsen der Millionen Kunden leben. Die Halbzeitbilanz von Verbandschef Georg Fahrenschon fällt ernüchternd aus.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon Quelle: dpa

Zum wohl wichtigsten Termin seiner Amtszeit wollte Georg Fahrenschon Verstärkung mitbringen. Eine 15-köpfige Entourage war geplant für das Gespräch mit Deutschlands oberstem Finanzaufseher Felix Hufeld. Der soll bis zum 3. Juli eine Vereinbarung des Sparkassenverbands absegnen, die regelt, wer pleitebedrohte Institute auffängt. Am Ende waren nur sechs Sparkassenfunktionäre dabei, weil die Aufsichtsbehörde BaFin keinen „halben Sparkassentag“, wie ein Verbandsfunktionär lästert, in ihrer Residenz in der Bonner Graurheindorfer Straße ausrichten wollte.

Mit dem geplanten Massenauftrieb hat der Verbandschef auch sein eigenes Lager irritiert. „Es ist der Job des Präsidenten, und nur seiner, der Aufsicht die Haftungspläne der Sparkassen zu erläutern“, sagt einer, der mit nach Bonn hätte fahren sollen. Fahrenschon fehle es an Führungsstärke, sagt ein Kritiker aus einem regionalen Sparkassenverband. „Statt Initiative zu ergreifen, lässt er Diskussionen laufen, geht nicht persönlich in die Verantwortung.“ Dabei bräuchte die Gruppe aus 416 Sparkassen und sieben Landesbanken, die vor vielen Problemen steht, eine straffere Führung.

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Ohne Zukunftsmodell

Die Bilanz des 47-jährigen Fahrenschon nach der Hälfte seiner Amtszeit fällt ernüchternd aus: Bei der Abwehr digitaler Konkurrenten wie PayPal fehlt Entschlossenheit, die Sparkassen auf eine Linie zu bringen, für die angeschlagenen Landesbanken existiert kein Zukunftsmodell. Und auch zur Bewältigung der durch den Dauerniedrigzins entstandenen Probleme gibt es zu wenig Ideen. Bisher leben die Sparkassen vor allem von der Spanne zwischen dem Zins, den sie für Einlagen zahlen, und dem, den sie für Kredite verlangen. Die aber schrumpft bei Niedrigzinsen. Daher müsste der Verband vermehrt kostensparende Fusionen anstoßen – oder rentablere Geschäftsmodelle.

Von der Euphorie zu Fahrenschons Amtsantritt ist denn auch kaum noch etwas übrig. Bei seinem Start im Mai 2012 feierte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband den neuen Präsidenten wegen dessen jugendlicher Ausstrahlung noch, war der DSGV doch sonst von fleißigen, aber grauen Apparatschiks geprägt. Angetreten war der Volkswirt mit dem Ziel, die Sparkassen für die globale und digitale Wirtschaft zu wappnen. Was hat der finanzpolitisch erfahrene, taktisch clevere CSU-Mann und ehemalige bayrische Finanzminister falsch gemacht?

Es reiche nicht, zu repräsentieren, kritisiert ein Verbandsinsider. Der Präsident müsse auch strategische Weichen stellen.

Fahrenschons defensives Gegenmittel

Zwar stehen die meisten Sparkassen noch so pumperlgesund da wie die feisten roten Sparschweine, die der DSGV im Foyer seiner Berliner Zentrale aufgestellt hat. Ihr gemeinsames Ergebnis vor Steuern stieg 2014 um etwa sechs Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, dank geringer Kreditausfälle und eines – noch – positiven Zinsüberschusses. Doch eben diese Kennzahl gerät wegen der anhaltenden Niedrigzinsen unter Druck.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret mahnte denn auch jüngst, die Sparkassen könnten nicht ewig von der Substanz leben. Auch Fahrenschons Gegenrezept ist defensiv: 4,1 Milliarden Euro sollen in die Reserven etwa für Kreditausfälle fließen, um die Zins-Durststrecke zu überstehen.

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